Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 48. (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- Seite 369 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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und selbst das Geld der Mission reicht nicht für ihn aus. Nun erhalt er Honorar für seine Leistungen ans der „Erez- Jisrosil«-Büchse, und auch von der Mission kann ihm der Lohn nicht fehlen, da er als Mittelglied zwischen uns und ihr dasteht. Die Mission wünscht ja nichts als Annäherung der Juden und Kenntniß der innern Verhältnisse derselben und wer kann darin bessere Dienste thnn, als der Vcrband- Sccretär? Auch nimmt der Secretär nur für seine Leistungen Honorar, für alles andere sorgt die Mission. Ein Jude würde an seiner Stelle ein viel höheres Gehalt beanspruchen, und dabei wäre zu befürchte», daß dieser die Geheimnisse des Verbandes de» Aschkeuasim verratheu werde, oder gar der großen Menge der Sepbardim, die mit Mißgunst'ans den Rcichthum ihrer Chacham's blicken. — Ich hoffe, daß auch die Redaction nun ihre Beschuldigungen zurücknehmcn und meinen Zeilen Aufnahme gewähren werde, zum Schutze für die Weisen Jerusalems, das nicht fürder Anklagen gegen diese sich erheben". — Soweit der Artikel. Es ist wohl kaum möglich, denselben anders als ironisch zu nehmen. Beißend ist die Ironie: „Es steht im ganzen Schulchan Aruch nicht, daß man einen Ncliphiten nicht als Secretär einer jlld. Gemeinde anstellen dürfe! Und Jsscclcs, der erschwerende, würde ein solches Verbot doch nicht verschweigen". Leider trifft dieser ironische Spott doch einen wirklichen wunden Fleck. Der „Schulchan Aruch" ist der Brunnen, auch in seinen sumpfigsten Fugen und Spalten, aus dem das Wasser des Lebens gewonnen wird, auch für nichtsephardische Chacham's Europa's. Und wie sutiipfig ist der Abgrund der Verhältnisse Jerusalems, in die uns dieser Artikel einen Einblick gewährt! — Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin Die hiesige Gemeindevertretung hat beschlossen, den 100 jährigen Todestag Mendelssohns durch eine Gedächtnißfeicr in den Gemcindesynagogen und jlld. Schulen zu begehen. Ein Werkchen über das Leben und Wirken Mendelssohns, das auf Gcmeindckosten gedruckt wird, soll sämmtlichen jüd. Schülern und Schülerinnen zum Andenken an diese Feier verabreicht ivcrden. Berlin. Für jüdische Schüler und Schülerinnen wird die jüdische Gemeinde im Westen resp. Slldwesten der Stadt eine zweite Religionsschule errichten, mit deren Leitung der Prediger Dr. Apolant betraut wurde. Berlin Wieder hat die Nemisis einen der berühmten Mitarbeiter Stöckers erreicht. Der Urgermane Angela di Dio, welcher sich als Dirigent eines internationalen Auskunft-Bureaus gerirtc, ist wegen Betruges von der Strafkammer verurtheilt worden. Der Genannte besuchte hiesige Geschäftsleute mit dem Vorgebcn, daß er beauftragt sei, sich über ihre Leistungsfähigkeit und Solidität zu informiren, stellte denselben ein vortrcffiichcs Zeugniß aus und veranlaßte dieselben schließlich, ihm ein sogenanntes Anfrageheft für 10 Mark abzukaufn. Auf dem Umschläge dieses Heftes, welches 10 Coupons für Controlfragen bei dem Institut „Mikroskop" enthielt, waren als Hauptagenturen größere Hauptstädte bezeichnet. Es hat sich aber herausgestellt, daß das sogenannte Institut, nachdem der Besitzer aus seiner Wohnung exmittirt worden war, zu existircn aufgehört und niemals auswärtige Agenturen gehabt hat. Hleiwih. Unserem, nur durch einen Zufall nicht naturalisirten, Rabbiner vr. Münz ist vom Minister die Erlaubniß zur Wetterführung der rabbinischen Functionen ertheilt worden. Wir freuen uns, daß die Bemühungen des Gemeindevorstandes von Erfolg gekrönt waren. Schneidemü-l. Die hiesige jüd. Gemeinde hat für einen Ausgewiesenen ISO Mark bewilligt und ihm damit die Mittel zur Reise nach Amerika verschafft; zwei andere haben Frist bis zum 1. April n. I. erhalten. Aranksurt a M. Im Verein für jüdische Geschichte und Luteratur eröffnete vorige Woche Herr vr. Heinemann einen Cyklus von Vorträgen über die Geschichte der Juden in den Ländern des Islam. Maß. Der Statthalter Fürst Hohenlohe hat u. A. auch das israelitischeConsistorium in Straßburg empfangen und in seiner Antwort auf die Ansprache des Oberrabbiners die Gleichberechtigung der Israeliten mit ven Angehörigen anderer Confessioncn auf Grund der geltenden französischen Gesetzgebung hervorgehoben. Auf die Benreckung des Oberrabbiners, daß der verewigte Feldmarschall v. Manteuffel sich jeder antisemitischen Bewegung durch Schriften oder in sonstiger Weise widersetzt habe, bemerkte Fürst Hohenlohe, daß eine antisemitische Bewegung nur von Osten her importirt werden könnte, eine solche aber in Elsaß-Lothringen nicht geduldet würde. Ll. Lemberg, 4.November. (Or.-Corr.)Jn Ihrergeschätzten Zeitschrift No. 42 ist ein Artikel „Lemberg" betreffs der Sonntagsruhe enthalten, worin gesagt ist, daß die hiesige jüdische Kaufmannschaft der Deputation, welche sie zur Ueberreichung einer Petition beim Ministerium entsendet, aufgetragen, sich nur an die Abgeordneten Rappaport, Grocholski und Smolka zu wenden und nicht auch an das jüd. Reichslagsmitglied vr. Bloch. Nun ist es ja wahr, daß bei Berathung der Angelegenheit der Antrag gestellt war, sich nicht an vr. Bloch zu wenden, allein dieser Antrag ist z. Z. wegen vorgerückter Stunde nicht zur Abstimmung gelangt; er wäre wohl in der Minorität geblieben. „Es wäre unS sehr erwünscht — schreiben uns 4 angesehene jüd. Kauflcute aus Lemberg —■ wen» Herr vr. Bloch die Abänderung der Novelle behufs der Sonntagsruhe für die Juden Galiziens, deren Petitionen bis nun ja noch nicht erledigt wurden, im Polenclub, welchem Herr Bloch angehört, zur Sprache bringen möchte." Mitteilungen aus dem U. O. B. B. Berlin. Laut Anordnung der Großloge für Deutschland wird in allen deutschen Logen der B.- B. der 4. Januar, Mendelssohns 100 jähriger Todestag, durch Festactus begangen werden. Aus Beuthcn O.-2. loird uns unter dem 18. d. M. geschrieben: Gestern begaben sich 11 hiesige BBr. nach Kattowitz, um dem Vorträge des Rabb. Or. Roscnthal in der Concordia beizuwohnen. Sicherlich wäre die Betheiligung Seitens der Nachbarlogen eine regere gewesen, wenn eine rechtzeitige Ankündigung an dieser Stelle erfolgt wäre. Denn ganz besondere Gefühle sind es, die wir gerade für die Concordia hegen: sic ist nicht bloß unsere ältere Schwester, die zuerst in Oberschlcsien das Ordensbanner aufgepflanzt, sondern sie hat auch, selbst kaum mündig geworden, in unverdrossener Arbeit den nur schwer zugänglichen Boden der Nachbarorte urbar gemacht und hier die edle Saat ausgcstreut, die, stets fortzcugend bis hin nach Schlesiens Hauptstadt, bereits hundertfältige Frucht getragen. Darum erblicken wir Schlesier in der „Concordia" unsere Mutter, der wir imtnerdar eine durch Dankbarkeit erhöhte Zuneigung bewahren werden. — Wie erquickend und erhebend ivirkte auf uns dort die äußerliche und innerliche Reorganisation. Eine zahlreiche, durch die Anwesenheit der Frauen geschmückte Versammlung lauschte andachtsvoll dem ebenso fesselnden, wie lehrreichen Vorträge uns. B.-Prd. über „die Essäer", deren Ordenscinrichtungcn und Bräuche nach cinetn fleißigcti Quellenstudium aus Joscphus, Philo und Plinius der Vortragende lichtvoll darlegte und kritisirtc.») Hierauf wurden wir in dem Restaurant des Br. Sachs echt brüderlich bewirthct, pflogen eine gcist- und gemüthatiregende Unterhaltung, bei der es auch an leiblicher Stärkung nicht fehlte, vernahmen zu unserer Freude, daß bereits in diesem Winter Expr. Freuthal über bas Motto W. B. E. des Ordens und Expr. Moses über das Chazaren-Reich, in der Concordia Vorträge gehalten, und gewaltnen von dem dort herrschenden rührigen Geistesleben und der — ich übertreibe nicht — musterhaften Opfer- Willigkeit, d. i. bethätigtcr Nächstenliebe, beit besten Eindruck. Kein Zweifel, daß solche Tugenden sich immer weiter Bahn brecheti werden und die hier und da noch vorhandene Verkennung der Logenzweck. Seitens der dem, Orden Fernstehenden einer gerechten Anerkennung allmälich weichen wird, wie die Wolken vor der Sonne. — Die Brust von freudigem Stolze geschwellt, verspürten wir bei diesem Besuche unsl. Concordia so recht den segensreichen Einfluß unserer Ordensprincipien. Mamremloge Beuthen O -Schl. Donnerstag, den 3. December, Abends 8-/, Uhr wird sich an die vorhergehende (und aus diesem Grunde schon um 7 iji Uhr beginnende) regeln» Loge ein Vortrag des w. Expr. Freut hat von der Concordialoge: „über Phpsik und Chemie im Dienste unserer Hausfrau" im Saale des Deutschen Hauses (Kohl,'s Hötell anschließen, zu welchen auch erwachsene Familienmitglieder der BBr. (Fremde nurgcgcn vorherige bcimPr. cingeholte GcnchmigunglZutritt haben. *) Der interessante Vortrag wird durch Veröffentlichung in dies Bl. weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. (Red.)