Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 47. (19.11.1885)
- Date
- 1885-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 47. Magdeburg, 19. Uouember 1**5. XVI. Jallkg. ♦ i4 für die rcligiSsen und socialen Interessen a—- - - » WvflienUick erschein! je eine Nu nmer der ..Mochenschrtft". de« „FamlN-nblatl*" u. de? „Lllteralurd lall«". Preis ,vraüc»r,1KsStt»r bei allen Postäintern : « L. Buchhandlungen 3 L^LerLc vlerrcljährUch. Mil directer Zusendung: jährlich 1ä Mark.! nach dem Aurlande: 16 Mk. ^8 fl.. SO FrcS.. 8 Rbl., 4 DvUarS). 1 Einzelnummern der „Wochenschriftk 26 Pf.. ' i de« »Litteratur viatisk 16 Pf. der »Fnmikien-Vlatts k 10 Pf. iS- -^ Verantwortlicher Redactcnr unb Herausgeber: Rabbiner llr. W. Waymer in Magdeburg. fit Wahrheit, Kkcht unb frirlei! des JudenSh ms. s; Iwrerot*! fiu die „Israelitische Wochenschrift". >; wie für das „Jüdische Litterarur-Blatt". , die klcingejpaltrne Petitzeilc oder deren Raum Ä5 pf. sind entweder durch die Annoncen- | Expeditionen von O-» 1^-IOs.nlse 2s Co^ i Hudolf Moue, Haasenstein Sc \ "Vogler 11.41. oder direct ein^uienden an:! Di« ß«p»ditien der „-»raettt. Moch«nschrisl" in Magdeburg.! S? £ Inhalt: Leitende Artikel: Ein ausrichtiger Protestant. — Zur Abwehr, »triebt« »nt Sorresponvenzen: Deutschland: Magdeburg. Berlin. Berlin. Hainburg. Danzig. Schneidcmühl. Aus Württemberg. Hildcshcii». Oesterreich-Ungarn: Pilsen. Palästina: Jernjalci». Jerusalem. Dermisrbte und ueneste Naebriebten: Berlin. Berlin. Bernbnrg. Chenmitz. Minden. Jeßnitz. Ans Holland. Mtttheilniigen aus dem v. U. B. B. Stettin. Magdeburg. Halle a. S Dresden. Äaltowitz. Inserate. Briefkasten. Ei»» aufrichtiger Protestant. Die „Hessische Morgenzcitung" vom 4. November bringt das nachfolgende „Eingesandt" eines „Protestanten", der daselbst zu Besuch weilte, und dem eine Nr. des noch immer erscheinenden „RcichSgeldmonvpol" in einem Lokale in die Hände fiel. Es lautet: „Ich habe meinen Augen kaum getraut, als ich den Inhalt dieses Blattes las und mußte mir unwillkürlich sagen: „Deutsches Volk! Du herrlichstes von allen. Deine Eichen stehn, Du aber bist -- gefallen" Ist das also das Volk der Denker, das große, Gott sei Dank, endlich geeinigte, mächtige Dtutschland, welches einen Gutenberg, Luther, Lessing, Göthe, Bismarck gezeugt hat? Ein Volk, welches ganz Europa gegenüber die Waage über Krieg und Frieden hält und sich vor dem verschwindenden Bruchtheil der jüdischen Bevölkerung Deutschlands „fürchtet?" Ehrlich gesagt, mir ist bei der Möglichkeit eines solchen litterarischen Produktes, wie das „Reichsgeldmonopol", die Zornesröthe über die Stirne gezogen und ich habe mich geschämt, daß man der deutschen Nationalität eine solche Leistung in die Schuhe schieben kann; daß man mir im Ausland wird sagen können: so schreibt man in dem Lande, welches einmal von dem Geiste Friedrichs des Großen regiert wurde. — Man sagt, der Erwerbssinn der Juden wäre ein so entwickelter, daß sie im Kampfe um's Dasein als die wirthschaftlich Bevorzugrercn daständen. Um es kurz zu fassen: „daß sie mehr Geld hätten". Warum wohl aber? Etwa weil sie moralisch verkommener sind, als die Christen? Wochen- November Kisslew. Aalender. 1885. 5646. Donnerstag . 19 11 Freitag - . . 20 12 nSlT’l (4,53) Sonnabend 21 13 Sonntag . - 22 14 Montag. . . 23 15 Dienstag . . 24 16 Mittwoch . . 25 17 Donnerstag . 26 18 Sind es lediglich ihre Laster, die sie im Erwerb und Zusammenhalten des Erworbenen über ihre christliche» Mitbewerber erhoben? Giebt es im Verhältniß der Bevölkerungszahl eben so viele Juden als Christen in unseren Gefängnissen? Sind die verschiedenen Attentäter, die sich an dem Leben unseres allverehrken Kaisers und oer anderen deutschen Fürsten zu vergreifen suchten, Juden gewesen? Hat schon einmal ein Jude ein Attentat auf den Fürsten Bismarck, einen Polizeirath oder irgend eine hochgestellte politische Persönlichkeit gemacht? Schreibt man in der „Berliner Gerichtszeitung", oder irgend einem andern Blatte, welches die Tagesereignisse berichtet, etwa folgendermaßen: „Der C h r i st August H.-hat seine Geliebte ermordet; der Christ Wilhelm G.-hat seinen Prinzipal bestohlen und sich mit dem Raube davon gemacht; der C h ri st Hermann C.- hat wegen Gewaltangriffs auf ein unmündiges Mädchen drei Jahre Zuchthaus erhalten; der Christ Dr. H. ist zur Verbüßung einer 12 jährigen Zuchthausstrafe in Wehlheiden eingeliefert worden; von den 1200 Zuchthausstcäflingen des Gefängnisses in G.-sind 1180 Christen? In dem erwähnten „Reichsgeldmonopol" aber wird über alle Juden, von denen man eine Hallunkerci weiß, als der „Jude" Soundso berichtet. Gewiß giebt es auch unter den Juden schlechte Menschen, aber der edelste, größte, heiligste Jude; Jesus Christus, gehörte doch auch dieser schrecklichen Rasse an; die Juden sind doch noch niemals als Verfolger aufgetreten, wohl aber sind sie häufig verfolgt worden und haben viel erdulden müssen. Haben wir es nun mit unserer modernen Bildung wieder bis zum Zeitalter der Inquisition, der religiösen Verfolgung gebracht? Giebt es keine religiöse Duldung in Deutschland