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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-11-12 · N° 46. (12.11.1885) · p. Seite 353

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 46. (12.11.1885)
Date
1885-11-12
Page
Seite 353 (sequence 7)
Language
German
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Elias Schwarzfeld, Rcdacteur des Blattes „Frater,litatea", welches unerschrocken unsere Sache vertheidigte, Michel Asiel, Buchdruckereibesitzer und Redacteur des (Jargon-) Blattes „Hajoetz", Julius Schein, Corrcspondent mehrerer rumänienfreundlichen Blätter des Auslandes, M, Rosen fel d, früher Lehrer an der jüd, Gemcindcschule in Braila, in der letzten Zeit Mitarbeiter des Blattes „Vocea dneptatic“, das jüdische Interesse vertritt, Isaak Auerbach, Eigenlhümer der „Fratemitatea“, I, Sättel(jeim, Herausgeber der Zeitschrift „Salon", Ausweisungs-Decretc, laut welchen sie binnen 24 Stunden Rumänien zu verlassen haben. Diese harte Maßregel, die, als sie bekannt wurde, die größte Bestürzung hervorries und alle Juden Bukarest's in tiefste Trauer versetzte, erfolgte auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1881, welches dem Minister des Innern das Recht zuerkennt, Vagabunden und Fremden, welche dem Staate gefährlich sind, des Landes zu verweisen. Außerdem erhielten noch die Cyef-Rcdactcure der beiden hiesigen deutschen Zeitungen: „Bukarester Tageblatt" und „Bukarestcr freie Presse" Ausweisungsbefehle, die aber bald wieder zurllckgenonimcn wurden. Das zweite Blatt ist bereits eingegangcn, Hiesige gut informirte Zeitungen brachten wiederholt die Nachricht, daß auch der Rabbiner und Prediger der Tcmpclgcmeinde, I)r. M, Beck, auf der Proscriptions-Liste stand, daß aber sein Name gestrichen wurde, um den Schein, als handelte es sich um eine religiöse Verfolgung, zu vermeiden, vielleicht auch, um in keinen Conflict m,t der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft, die sich seiner jedenfalls hätte annetimen müssen, zu gerathen. Wohlgemerkt, die gcnannteii Ausgewieseneu bis auf den zuletzt Genannten sind lauter Rumänen, deren Ellern gleichfalls in Runlänien geboren sind und die sich niemals eines fremden Schutzes erfreut hatten, äs verlautet in der Stadt, daß es noch eine zweite Liste gebe, aus der die Namen der einflußreichsten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, die gleichfalls unter keinem fremden Schutz stehen und die der Gesellschaft „Zion", einem dem Orden „B'nei Brith" in Amerika nachgebildcten Vereine, angehören, figuriren. Sie alle sollen nächstens ausgewiesen werden. Sollte sich dieses Gerücht bewähren, — wir hoffen jedoch, daß es anders kommen werde — so würde es der Regierung gelingen, unsere Gemeinde völlig aufzulösen, denn unter den laut Gerücht Auszuweiseiiden befinden sich die Vorsteher des Tempels, der Schule, des Hospitals, des Versorgungshauses für Alte, des Beerdigungsvereines und aller sonstigen Gemcindeanstalten, Es herrscht eine unbeschreibliche Panique im Schooße unserer Gemeinde. Die Ausgewieseneu haben heute — die ursprünglich auf 24 Stunden lautende Ordre wurde verlängert — Rumänien bereits verlassen. In früher Morgenstunde hatten sich viele Hunderte am Bahnhofe versammelt, um von den Märtyrern unserer Sache Abschied zu nehmen. Das „Auf Wiedersehen!", welches man den Scheidenden nachrief, war doppelsinnig: entweder Ihr kommt wieder zu uns oder wir kommen zu Euch. Warum diese harte Strafe? fragen Sie wohl. Die Rcdacteure und Eigenthümer der genannten Blätter sollen ausgewiesen worden sein, weil sie angeblich einen unbeschränkten Gebrauch von der durch die Verfassung des Landes garanlirten Preßfreiheit gemacht hätten, die Anderen und die auf der zweiten Liste befindlichen und die also erst Nachfolgen sollen, weil sie beschuldigt werden, daß sie durch ins Ausland geschickte Briefe — die also auf der Post geöffnet wurden — das Land anschwärzten. Mehr kann ich Ihnen vorderhand nicht mittheilen und ich weiß nicht, ob ich noch im Stande sein werde, Ihnen von hier aus einen zweiten, ausführlicheren Bericht zuzusenden. Unsere Lage ist über alle Maaßcn traurig. Gott wende sie zum Bessern! vermischte und neueste Nachrichten. Aerki«, 9. Novbr. (Or.-Corr.) Herr Emil Lehmann in Dresden hatte bei seinem Vorschlag, eine „Deutsche Allianz" zu gründen, als etwaige würdige Häupter derselben die Herren v. Blcichröder und Geh. Commerzienrath Schwabach genannt. Herr Schwabach, der Associe des Herrn v. Bleichröder hat sich nun beeilt, seine Qualification dazu beizubringen, Das gewiß von allen als unmöglich Gedachte hat er geleistet. Er hat, wie die „Freisinnige Zeitung" berichtet, in der 1, Wahl sich als conservativen — was ja im 1. Wahbezirk identisch mit antisemitisch ist — Wahlmann aufstellen lassen, um die Wahl Stöckers zu unterstützen. Nur in einer Bankier-Seele ist Raum für so große „Differenzen", wie — Präsident der deutsch-isr. Allianz und des deulsch-antisem, Bundes! Siege», In der Strafsache gegen den Red, B ö m m e r t hier wegen Beleidigung des Hofpredigers Stöcker hatte die Strafkammer beschlossen, den vom Angeklagten angetretene» Beweis der Wahrheit dafür, daß der Kronprinz die Aaiisemikenbewegung als eine Schmach für Deutschland bezeichnet habe, durch Requisition des Berliner Gerichts zu erheben. Dieser Termin fand am Sonnabend in Berlin statt. Die Beweisaufnahme, die sich auf die Vernehmung der Herren Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Ludwig Löwe und Redacteur Dernburg erstreckte, hat ergeben, daß die dem Kronprinzen zugeschriebene Aeußerung gegenüber dem verstorbenen Stadtrath Magnus thatsächlich g efallen ist. (Es ist gut, daß dies gerichtlich cvnstatirt ist. Red.) 7. November. Die Zahl der aus unserer Provinz Ausgewiesenen, welche bis jetzt in russisch-Polen eingetroffen sind, beträgt gegen 2000. Dieselben haben in Fabriken, bei Landwirthen, in mechanischen Werkstätten rc. fast sämmtlich Beschäftigung gefunden, und nur den dorthin zurückgckehrien Israeliten, fast ausschließlich kleinen Handelsleuten, ist es bis jetzt meistens noch nicht gelungen, ein entsprechendes Unterkommen zu finden. Zkaris. Die Zahl der jüdischen Deputirten in der neugewühlten Kammer bleibt dieselbe, wie in der vorhergehenden: 4. Diesmal wurden gewählt: Dreyfus Camille, Ferdinand Crsmicux, E. Javal und David Raynal. Die zwei ersteren sind neu. Mittheilungen aus dem V. O. B. B. - Breslau. Am Sonntag, d, 15. d, Mts., findet die Einweihung der neuen, mitten in der Stadt gelegenen, Logenhallc statt, womit eine größere Festlichkeit verbunden fein wird. Unsere Lessing-Logc zahlt bereits 140 Mitglieder. Stettin, 8. November. Gestern beging die „Allcniania" das erste Stistungsfest unter großer Betheilignng der BBr. in festlicher Weise. Beuthen O.-S. Am 4, d. Mts. hielt Herr Rab. 0r. Rosenthal im Saale des Hotels zum deutschen Hause den bereits in Nr. 44 dieses Blattes angekiindigten Vortrag über einen jüd. Roman aus dem zweiten Jahrhundert. Der Vortragende gab eine ästhetische und kritischhistorische Beleuchtung des Buches Tobi und entwickelte in der ihn, eigenen, geistreichen Weise, wie der modern- Roman bereits im alten Judenthum Eingang gesunden, während die Geschichte der übrigen alte» Völker, wie die der Griechen und Römer von Romanen oder romanhaften Ereignissen wenig berichtet. Eine zahlreiche Zuhörerschaft, bestehend aus BBr. der M.-L. nebst ihren Angehörigen folgte dem interessanten und anregenden Vorträge mit größtem Interesse. — Die Mamrc-Loge hat für die Ausgewieseneu ans Beuthen und Königshüttc 800 M. votirt, Kuriosum. In der legten Nr, der von vr, Philipps»,, redigirteu Allg. Zeit des Judcnthums findet sich im Redactionsbriefkaste» solgendc „Bemerkung": ü. G., Cairo. Von dem Vereine „Bne Brith" in Deutschland wissen lvir nur, daß in Hamburg und Berlin der Versuch gemacht worden, einen solchen Verein zu bilden. Wie weit dies gediehen und welche seine Adresse ist, wissen tvir nicht, (Es ist wie wir crsahren, dem Herrn vr. Philippson die nöthige Aufklärutig über die Verbreitung des Orden« 8. B. in Deutschland bereits geworden Red >

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