Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 44. (29.10.1885)
- Date
- 1885-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XVI. Mkg Magdeburg, 29. Oktober 1885 M 44. für die religiSsrn und socialen Interessen Wöckentlich erscheint je eine Nunnner der „Wochenschrift". de» „Famtlienblatt»" u. des ..Litteratnrbiatt»". Preis sür alle drei Blatter bei allen Postästtern u. Buchhandlungen 8 I*£arlt vierteljährlich. Mit directcr Zusendung: jährlich 14 Mark, uoch dem AuSlande: IS Mk. <8 fl.. SV FrcS.. 8 Rbl., i Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k ü> Pf.. deS „Litteratur-vtattS" k 15 Pf. des „Familien-vlaltS k 10 Pf. a Bcrannvortlicher Redacieur und Herausgeber! Rabbiner iir. W. Wahmer in Magdeburg. j,r Mehrheit, Kecht >>» jriede»! des Judrnthnms. K --o , *»r«t»n ftli die „JsraeiitischeWochenschrtft". wie für das „Jüdische Litteratur-vlatt".! die kleingespaltrne Petitzeilc oder deren Raum [ SS Pf. sind entweder durch die Annoncen-! Expeditionen von Q-. Jj.XJaxa.'be <5c Oo_, ftvxdolf D^osse, Haaseiißtein Ss "Vogler u. Ä. oder d i r ect einm,enden an: > Die HrpedMon der .Lsraeltt. Wochenschrift" in Magdeburg. -s Inhalt: Leitende Artikel: Aussorderu»» zur Bildung einer „freien Bereinigung deS conservaliv - liberalen Judentums!" — Die Pädagogik des Scnünardirectors Or. Stein in Cassel, beleuchtet von Dr. G o l dschniidt-Wcilburg. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Boi» Rhein. Aus Lstprcusten. Memel. Bielefeld. Stendal. Ober-Ingelheim. Oesterreich-Ungarn. Prgg. Wien. — Schweiz. Zürich. Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Stendal. München, KänigshüNe O./S. Danzig. Prestburg. Baranolv. Tarnopol. Petersburg. Odessa. Kiew. Sascd. Mittheilungen aus den deutsche» Loge» des U. U. B. B. Aus dem Hcrzogthum Posen. Aus Lberschlesicn. Glciwitz. Inserate. — Briefkasten. Wochen- October. 1886. Cheschw. 5646. Kalender. Donnerstag . 29 20 Freitag. . . 30 21 Sonnabend 31 22 mir "n (5,ii> Sonnlag . - Nov. 1 23 Montag. . . 2 24 Dienstag . . 3 25 Mittwoch . . 4 26 Donnerstag . 5 27 Aufforderung*) zur Mkdung einer „freien Bereinigung für die Interesse» des coufervativ-riverale« Indenthums!" Die jüdische Orthodoxie organisirt sich, die Flügel sind ihr gewachsen, sic geht offen zur Aggression über. Jeder wahrhaft hum ane Bekenner des Judenthums muß in den Ersolgen der Orthodoxie eine Gefahr fllrsJudcnthum erblicken. Und zwar nach zwei Seilen hin! Erstens: insofern die Orthodoxie selbst nichts weiter als eine cynische Gleichgiltigkeit gegen den tiefen Kern desJudenthums rcpräscntirt und cultivirt. Das Aeußere ist der Orthodoxie alles, das Innere nichts. Das dem Judcnthum vollständig entgegengesetzte „orsäo quia absurdum“ ist die Devise auf der Fahne der Orthodoxie. Vernunft und Wissenschaft sind ihr gar nichts; die Lehre Mose's gar nichts; der klare Wortlaut unserer gottbcgeisterten Propheten gar nichts; Joseph Karo und Mose Jsserles sind ihr alles! Wir brauchen zum Beweise dessen nur auf eineStelle in einem Artikel des energischen Führers der Orthodoxie, des Herrn Dr. I. Hildesheimer, zu verweisen, welche lautet: „Wir aber sagen, daß eine in D'pDIBl D"© (Talmud und Schulchan Aruch) begründete NUNIN (Lehre) das prius ist, und wir nachher JT©UK°; 1©V ^3© (den geraden menschlichen Verstand) derselben anbequemen müssen".—) Der Buchstabe ist alles, der Geist, die Vernunft müssen sich beugen, ja ihren Despoten *) Den obigen, von hochachlbarer Seite uns zugcgangcnen Artikel glaubten wir unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen, obwohl wir selbst die Bildung eines derartigen Gegcnvereins sür einen grasten Fehler halten würden; das Judcnthum ist und bleibt Eins —trotz aller Separationsgclüste der Orthodoxen. (Siehe auch den Art. „Bom Rhein" von emcm greisen, cisahrencn Theologeuiu bcutiger Rr.) Sieb. "*) 2° z» lesen in der jüngsten Rr. (42) der „Jüd. Presse", Beilage S. 3«, >n dem Artikel: „Eine Bcrtheidigungsschrist" v. vr.J. Hildesheimer. glorificiren. — Wer das Judcnthum kennt, weiß, daß dieser Grundsatz die absolute Negation des Juden-, thu ms ist. Auf christlichem Boden ist eine solche Auffassung des Judenthums als einer Religion des Buchstabenglaubens und der gedankenlosen Ceremonie erwachsen; das Judcnthum selbst, will cs nicht sich selbst den Todtcnschein ausstellen muß gegen eine solche Auffassung sich auflchnen — und doch ist diese Auffassung vom Judenthum die Auffassung der Orthodoxie. — Zweitens droht aber neben dieser unmittelbar bestehenden inneren Gefahr auch eine äußere für die Zukunft. Die Orthodoxie, sie mag auch in den letzten zwei Jahrzehnten noch so sehr an Anhängern scheinbar gewonnen haben, muß endlich doch, wie alles was der Vernunft und Humanität Hohn spricht, im Strome der Zeit Schiffbruch erleiden. Wenn aber die Orthodoxie die einzige Organisation bleibt, in welcher alles noch bestehende religiöse Interesse innerhalb des Judenthums sich zusammenfindet, dann wird der Schiffbruch der Orthodoxie den Schiffbruch des Judenthums bedeuten. Auch die Gegner der Orthodoxie müssen sich daher organisircn! Gegner der Orthodoxie sind alle, welche nicht glauben, daß Unsinn und Judenthum jemals indentisch sein können. — Sie müssen sich organisircn als kiöerak-conservative Bereinigung. Diese Vereinigung muß liberal sein, insofern sie die theoretische und praktische Humanität niemals verleugnen oder verdrehen — „anbcquemen" — lassen will. Sie muß conservaliv sein, insofern sie das Judenthum, und zwar nicht bloß den geistigen Kern, sondern auch die denselben ausprägenden klassischen Formen und Symbole erhalten will. Ihre Ziele müssen theils theoretische, theils praktische sein. Theoretisch, insofern die Grenzen des nach