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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-22 · N° 43. (22.10.1885) · p. Seite 327

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 43. (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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— 327 — Duelle derartiger Mittheilungen — er bezeichnet dafür seinen „Todtfeind", den Maggid Kohen-Zcdek in London — verstopfen will, gern als Ehrenrettung gewähren. Er schreibt: „Ich hatte zeitlebens weder mit Missionären noch mit christlichen Geistlichen, noch mit einem Christen überhaupt in Religio,isangclcgenheiten etwas zu thun, blos in einem Brieswcchsel mit Prof. Delitzsch erklärte ich diesem, daß es für mich undenkbar ist, an die Gottheit Jesu glauben zu können und widerlegte alle jene Stellen, die er mir für dieses christliche Dogma aus dem alten Testament anführte mit anderen Stellen aus demselben, so z. B, daß der Name „Elohim" ei» Synonym für Richter und Vorsteher ist und das Prädikat „El" jedem Mächtigen und Helden zukommt. Seitdem hat in der That jede Correspondenz zwischen uns aufgchört. Hingegen habe ich aber in meinen verschiedenen Werken unzählige 'Mal in positiver Weise gegen die Mission gesprochen und weise beispielsweise auf Seite 36 in meinem Äbne Hamiluim, ebenso aus Nr. 290 Seite 89, Nr, 292 S, 132, Nr, 300 S, 268 Note 2—4 in meiner Zeitschrift „Hakol“ bin, wo ich wiederholt vcm Gedanken Ausvruck gab, daß, wenn eine Religion die Religion der Liebe genannt zu werden verdient, dies der Talmud ist, daß in demselben mehr Menschenliebe als im Evangelium enthalten ist, wofür ich auch thatsächlich die Aversion des Professors Delitzsch zn fühlen bekam. M, L, Rvdkinssohn." Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Hier ist endlich ein altes Voruriheil besiegt und cm jüdischer Lehrer, Herr Or, Robert Phil ivvson , ein Neffe des früheren Rabbiners, von der städtischen Schulbehörde zum ordentlichen Lehrer am hiesigen Realgymnasium gewählt und von der Regierung bestätigt worden. Er ist mit Beginn des Wintersemesters in's Lehrercollegium cingetreten und mit dem Ordinariat der Obcrsexta betraut. Kamburg, 20, October. Vorige Woche wurde hier der im Alter von 64 Jahren verstorbene als Malzfabrikant berühmte Hoflieferant M, Hoff hier beerdigt. Or, Leimdörfcr hielt die Grabrede, Mosen. In der hiesigen Gemeinde ist das Bedllrfniß hcrvorgetrcten, eine Loge des unabhängigen Ordens Bnai Beruh in's Leben zu rufe», 22 Mitglieder — darunter 2 Rechtsanwälte — haben die vorschriftsmäßige Petition an die Großlogc in Berlin unterzeichnet, welche die Genehmigung zweifelsohne ertheilcn wird. Gerade in unserer Provinz, die mit Glaubensgenossen so reich gesegnet ist, eröffnet sich für den Licht und Aufklärung verbreitenden, und vor Allem den mvr al i schcn Charakter unseres Stanimes hebenden Orden ein großes und weites Arbeitsfeld, Konih, 15, October. Wegen Betheiligung an den Judcnkrawallcn in Hammerstein war der kaum 21jährige Karl Heinrich aus Hammerstein zu 1'/, Jahr Gesüngniß verurthcilt worden. Kaum hatte er diese Strafe verbüßt, so begab er sich nach seiner Hcimath, schloß mit drei gleichgesinnten jungen Leuten ein Complott, zertrümmerte mit ihnen in der Nacht zum 3. März d. I. neun Fensterscheiben der dortigen Synagoge, sowie je ein Fenster in zwei Privathäusern, Heinrich und einer seiner Spießgesellen, wurden zunächst vom Schöffengerichte zu Hammerstein und auf ihre Berufung auch von der hiesigen Strafkammer der Sachbeschädigung für schuldig befunden und zu je 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Aus Maden, 11. Oct, Vorgestern (Freitag) zum Abendgottesdienst und gestern (Sabbath) zum Morgengottesdienst fand die feierliche Einführung des Herrn Rabbiners vr. A. Lew in aus Coblcnz in sein Amt als Bezirksrabbiner in Freiburg statt. Am gestrigen Abend vereinigte ein zu Ehren des neuen Rabbiners veranstaltetes Bankett einen sehr großen Theil der Gemeinde, auf welchem der Prof, zur, vr. Rosin die stimmungsvolle Festrede hielt. Li, Mayrcnts (Or.-Corr.) Wieder haben wir, wie schon oft während der antisemitischen Zeitströmung, einen Akt vorurtheilsfreien Waltcns von Seiten eines baierischen Ministers und in höchster Instanz von Seiten des gerechten und hochsinnigen Trägers der baierischen Krone zu verzeichnen, Herr Or, Heinrich Harburger, ein Sohn unserer Gemeinde, seit mehreren Jahren Amtsrichter in München und zugleich Privatdocent an der dortigen Universität, welcher trotz seines vcrhältnißmäßig jugendlichen Alters — er steht etwa im Anfänge der Dreißiger — durch wissenschaftliche Leistungen in juristischen Gelehrtenkreiscn sich bereits einen nicht unbedeutenden Ruf erworben, ist zum Staatsanwalt in München ernannt. Es ist ihm dieses Amt gerade in der Hauptstadt zugetheilt worden, um offenbar seine Lehrkraft der Universität zu erhalten, wo seine Vorlesungen zu den besuchtesten in der juristischen Fakultät gehören sollen, R. Mrag, 15. October. (Or.-Corr.) Zum Rabbiner und Prediger der Meiselsynagoge hier wurde an Stelle des im vorigen Jahre verstorbenen Or. A. Stein, Herr Or, Alex. Kisch, Fcldpredigcr der österr, Armee und bisher Bezirksrabbiner in Jungbunzlau gewählt, nachdem er rnitS eine Gostpredigt gehalten und mwa rDW nach einem ihm am Abende vorher vom Vorstande übergebenen Thema mir durchschlagendem Erfolge gesprochen hatte. Or. Kisch, der seine Ausbildung am jüdischen Seminar in Breslau genossen, hat, ist geborener Prager, was den Werth seines Erfolges gewiß nur steigert, Wien, Der zu zweimonatlicher Kcrkerstrafe verurtheilte Lehrer Rohling's „vr, Brimanus-Justus" wurde nach Abbüßung seiner Strafe aus Oesterreich verwiesen und polizeilich über die Grenze transportirt, (Schade! er hätte doch in dem bevorstcbenden Processe Rohling - Bloch noch manche interessante Aufklärung über Rohling's hebr.-talmud. Studien geben können! Red.) Fisza-jMar, Am 26, Ellnl wurde die neuerbaute Synagoge hier eingeweiht. Die alte wurde bekanntlich während des berüchtigten Proceffes vom Pöbel üemolirt. Man kann sich die Gefühle unserer Glaubensbrüder vorstellen, als sie nun seit 4 Jahren wieder zum ersten Male in ihrer Synagoge Gottesdienst hielten. Am folgenden Tage traf die kostbare Krone für die Thora ein, die Frau B i s ch itz in Pest gespendet. Der Bau ist im Innern noch nicht vollendet; doch die Gemeinde wollte die hohen Feiertage nicht mehr anderswo Gottesdienst halten, Metersburg. Or, Wladimir Nathan so hn ist aus Vorschlag des Senats in den Adelstand erhoben worden. Seit 5 Jahren ist er Ritter des Wladimir-Ordens, der zur Erhebung in den Adelstand berechtigt, — Or. Schapiro, Schwiegersohn des gen,, der im vorigen Jahre an die Kriegsakademie als Privatdozent berufen worden, ist jetzt zum Dozenten an dem vom Prof. Eich wald gegründeten klinischen Institut, das zur Ausbildung für jüngere Aerzte dient, als Dozent ernannt worden, von wo er nach den Statuten des Instituts nach 2 Jahren zur Professur avanciren muß. Metersburg, Die ermordete Sarah Becker wurde auf richterliche Anordnung exhumirt, ohne daß die Untersuchung dadurch wesentlich gefördert wurde. Aber von der Gräfin Bobrinski sei ein humaner Zug erzählt. Sie beantragte bei Gericht, der Ermordeten ein ehrenvolles Begräbniß zu bereiten, indem sie 1000 Rubel zur Verfügung stellte, zu einem kostbaren Sarge, für Musik rc. Man erinnerte sie daran, daß es eine... Jüdin sei. Die Gräfin aber sprach: „Das ist mir gleich! Ihre tugendhafte Aufopferung machen sie aller Ehren würdig". Hdeffa, vr, Schwabacher ist eben mit der Correctur der jüdischen Matrikel beschäftigt. Eine Riesenarbeit! Hdessa. Eine interessante Rechtsfrage wurde hier, iu Folge des an die jüdischen Gymnasiasten ergangenen Verbotes, christlichen Mitschülern Stunden zu geben, an den Gymnasialdirector gerichtet. Der Sohn unseres Glaubensgenossen Stabsarzt M, fragte an, ob er, noch Jude, seine gelausten jünger,, Geschwister unterrichten dürfte? In Merieo ist eine große jlld. Gemeinde. In der mcxicanischen Armee bekleiden 2 Juden den Rang eines Generals.

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