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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-22 · N° 43. (22.10.1885) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 43. (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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XVI. Ilillkg. Magdeb«rg, 22. Octoder i88o m 4 z. für die religiösen und socialen Interessen des Judeuthnms. s> Bcranlwortlicher Redakteur und Herausgebern wöckenUich erschein! je eine Nummer der „Wochenschrift". de» J.inlll*»- ' üTatt." u.de» „rttt-rntnrl-l-««»". __ , , i Rabbiner Ile. W. Wahmer m Magdeburg. Mit direkter Zuiendung: jiihrlich 14 Mark, i i dem AuSIande: 16 Mk. (8 fl., ao FrcS.. 8 Rbl.. 4 Dollar-). Einzelnummern der ^Wochenschrift" k ‘26 Pf., de» „attteratur-LiattS" 16 Pf. de» .Familien! Blatt» k 10 Pf. tf- - fc fix Mehrheit, jlecht -»d Frieden! Inserat» für die .Israelitische Wochenschrift".; wie für das .Jüdische Litteratur-Blatt, | die kleingespaltrne Petitzeilc oder deren Raum; 25 pf. sind entweder durch die Annoncen- Expeditionen von G. L.Daube Sc Co« Kudolf IwloBse, Haasenatein « "Vogler u. A. oder direct einmienden an : Die Eepedilion de» ..-»raelit. Moch»nschrift" in Magdeburg. t: Inhalt- Leitende Artikel: Orthodoxe Pietät. — Trc erste Jahresversammlung des Vereins der iSrael. Lehrer und Cultusbeamtcn des Landrabbinats Emden. Berichte und borrespondenzen: Deutschland: Berlin. Franksurt a. SK. Siege». Bcutheu L.-Schl. Ober-Ingelheim. Hannover. Gera. Oesterreich-Ungarn. Wie». Wien. Vermisrittc und »cucstc Nachrichten: Magdeburg. Hamburg. Posen, ttonitz. Baden. Bayreuth. Prag. Wien. Tisza-Estlar. Petersburg. Petersburg. Odessa. Odessa. Mexico. Inserate. Brieflasten. Wochen- October. 1885. Cheschw. 5646. Donnerstag . 22 13 Freitag. . . 23 14 Sonnabend 24 15 Sonntag . . 25 16 Montag. . - 26 17 Dienstag . . 27 18 Mittwoch . . 28 19 Donnerstag . 29 20 Kalender. (»,«« Orthodoxe Pietät. Berlin, 18. October 1885. Geehrter Herr Redcictcur! Sie tadeln in der letzten Nr. der Wochenschrift in einer Anmerkung mit Recht das „bis über das Grab hinausreichcndc Partcitrcibe» der Orthodoxen in Hamburg. Das orthodoxe Parlcitreibcn kennt in der Thal keine Grenzt«, auch keine Pietät. Am eklalantcstcn zeigte sich dils bei — wer sollte das erwarten? — Mont esiorc's Tode. Die Judeuheit der ganzen Welt war von einem Gesbhl pütälsvollen Schmerzes auf's tiefste erfaßt; die ganze Cultnimenschheit stand, von ehrfurchtsvoller Wchmuth eigriffcn, bei der Kunde von dem Tode dieses großen Philanthropen. Daß den Wellen der Vergänglichkeit auch das Schisslein eines so einmüthig hochgeschätzten und ruhmbclränzten Lebens nicht entrinnen kann! Selbst die Antisemiten waren dieser allgemein menschlichen jüdischen Persönlichkeit gegenüber in Verlegenheit — nur die jüdischen Orthodoxen Deutschlands konnten selbst in diesem weihevollen Momente ihre Engherzigkeit nicht unterdrücken und sich nicht enthalten, in die erhebende Harmonie einen schrillen Mißton zu mischen. — Das Schiff ist gesunken, die Haie wollen das Ihrige haben. Ich meine die hier erscheinende „Jüdische Presse". I» dem Nekrolog in Nr. 31 der Jüd. Presse trat dieser Cyniemus in geradezu empörender Weise hervor; wir wollten aber nicht gleich die Ocffcntlichkcit darauf aufmerksam machen, weil wir zur Zeit den Mißton lieber unhörbar verhallen lassen, als verstärken wollten — aus Pietät vor Montefiore. Jetzt aber, wo die Trauer um den großen Todten nicht mehr im Vordergründe der Ocffeutlichkcit steht, jetzt möge die beleidigte Würde der Oeffentlichkcit auch ihre Sühne finden.— Der betreffende Nckrologschreibcr der „Jüd. Presse" überschüttet in der Einlcitüug den großen Todten in fast widerlicher Weise mit Weihrauch. Nicht nur, daß der Verblichene schon beim Leben, „heilig gesprochen", wird, im Gegensatz zu dem bekannten D'tt>,np ma '“.HK, — welchen oberflächlichen, wenn auch bei passcndcr Gelegenheit gute» Witz der Nckrologist trotz seiner ..tiefen Erschütterung" nicht unterdrücken kann; — nicht nur, daß Montefiore mit Maimonidcs in eine Reihe gestellt wird, obgleich dieser Beiden Größe und Ruhm, wenn auch vielleicht an Dimensionen gleich, doch auf dm ganz verschiedenen, fast entgegengesetzten Gebieten der Theorie und der Praxis liegt; — Montefiore wird einfach „ein Engel in Menschengestalt" genannt. Unaussprechlich ist der Schmerz des Artikclschreibers: aber was schwebt diesem auf dem Gipfel seines Schmerzes vor der Seele? nur die Partei taktik: aus der Orthodoxie Moutefiorc's Kapital zu schlagen und den Gegnern der Orthodoxie die gemeinsten Beschimpfungen: „treuloser Verrath, Feigheit, Charakterlosigkeit, gelehrte Speichelleckerei, Denunzianten" re. entgegcnzuschlcudern. Das Thema eines Nekrologs ist naturgemäß das Lebensbild des Verblichenen; der Nekrolog der „Jüd. Presse" hat aber das (fettgedruckte) Thema: „Welche Lehrsätze des echten, grsetzestrene« Judenthums sind in Sir Moses verkörpert?" Kann man eine solche Taktlosigkeit der Parteitaktik anders, denn als Leichenschändung bezeichnen? Sollte es wirklich den Orthodoxen ein Gcheinrniß sein, daß, wenn die Orthodoxen alle nur ein bischen Aehnlichkeit mit Montefiore hätten, die Orthodoxie keinen einzigen Gegner hätte? War MvseS Montefiore mehr eine Anklage gegen die Reformer, als gegen die Orthodoxen? Eben weil die Orthodoxen mit wenigen Ausnahmen kaum eine entfernte änßcre Aehnlichkeit mit Montefiore haben; weil bei ihnen nur leere Aeußerlichkeit, gehaltloses Formelwesen vorhanden ist; weil bei ihnen die erziehlichen Vorschriften der Thora gedankenlose, nur im Dienste der Zanksucht stehende Ceremonien sind; weil bei den Uebungen ihrer Hände ihre Herzen leer bleiben; weil sie mit ihren frommen, heuchlerischen Geberdcn den lieben Gott abzufiuden vermeinen und den Menschen Sand in die Augen streuen; weil ihnen die Religion ein Deckmantel ist ihrer eigennützigen Absichten und Pläne; weil sie „Menschen erwürgen", die nicht in Gemeinschaft mit ihnen die Augen verdrehen wollen, ihnen die Existenz, die Ehre

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