Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 42. (15.10.1885)
- Date
- 1885-10-15
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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318 — Aasen»akk, 5. Oktober (Or.-Corr.) Unter großem Gefolge der Einwohner hiesiger Stadt und vieler Fremde» fand heute das Lcichenbcgängniß des im 89. Lebensjahre verstorbenen Herrn Ephraim Lehmann statt, der im Jahre 1810 sich als einer der ersten jüdi chcn Einwohner in Pasewalk niederlicß und seines Biedersinnes wegen sich allenthalben der größten Hochachtung erfreute. Derselbe war eine Reihe von Jahren Mitglied der beiden städtischen Behörden, des Magistrats und der Stadtverordneten, und als solcher wohl der erste jüdische „Rechlherr" in Preußen. Sehr hervorragende Bcrdienste hatte er sich um die hiesige Gemeinde, deren Mitbegründer er war, erworben, für deren Wohl er unausgesetzt das wärmste Interesse an den Tag legte, und deren Obervorsteher er viele Jahre gewesen. Es war immer ein erhebender Moment für die hierorts wohnenden Bekenner des Judcnthums, wenn der ehrwürdige Greis am Vcrsöhnungsfcste mit bewegter Stiinme die Seelcnseier verrickitete und am Abende das Nerla-Gebet vortrug. Der Rabbiner der hiesigen Gemeinde Herr vr. Krakauer würdigte in längerer Rede die zahlreichen Verdienste des Heimgegangenen und wies auf das gottbegnadete Leben hin, dessen sich der nunmehr Verewigte zu erfreuen hatte, indem er mit seiner ihm vorangegangenen Gattin über 50 Jahre in glücklicher Ehe vereint war, alle seine Kinder in ehrenhaften Lebensstellungen sah und als das Oberhaupt eines ansehnlichen, weitverzweigten Familienkreises eine wahrhaft patriarchalische Verehrung genoß. Möge er in Frieden ruhen! Kesterreicb-Ungarn. Arag. (Or.-Corr.) Die Presse muß denn doch wirklich eine imponircnde, tonangebende Großmacht sein; — kaum haben wir in der allcrbescheidcnsten Weise bei dem lobenden Berichte über das Wirken des „Israel. Lchrervcreins in Böhmen" die Frage aufgeworfen „was sagt der öst.- ungar. Canto re uv er ein dazu?" und schon scheint man da oben, d. h. in den leitenden Kreisen des Vereins in Wien das beruhigende und hoffnungsreiche Schlagwort von „einzusendendcn Sammelbogcn" ausgegebcn; — jetzt heißt cs den aus Stimmung sich so wohl verstehenden Herren Sangcsbrüdern ans Herz legen, „Stimmung zu machen" in den Kreisen ihrer Gemeinden, so klug und weise sürzugchcn als die Herren Lehrer cs gelhan, und setzt wollten wir jedem einzelnen Cantor, obwohl unsere Chasonim leider keine großen Sprünge machen können — zurufen „hic Rhodus hic salta“. — Das Erscheinen oder vielmehr das Annonciren eines Siddurs sollte, dächte man heutzutage, keine kritische Feder mehr in Bewegung setzen, um so mehr muß man sich darüber wundern, daß eines neuen Siders wegen ein „Sturm im Glase Wasser", eine ganze Polemik im „Lehrerboten" entstanden — muß denn aber auch ums Himmels willen gestritten werden? wir glauben, wenn die Erde Raum genug für drei Lehrervereine im öst.-ungar. Israel hat, habe sie auch Raum für eben so viele sogenannte Schulgebetbücher. — Laßt unsere Jugend nur nicht bei der gewöhnlichen Lehrmcisterin Roth, sondern in der Schule und im Gotteshause von unseren wackeren Lehrern beten lernen, gleichviel ob aus böhmischen oder mährischen Lehrervereinsgebetbüchern. — So hat denn auch das stille von Prag in den Schatten gestellte und fast absorbirtc Lieben seine Orgel — ja! wenn eine Cultusgemeinde nur energisch will und Liebe zum Fortschritte zeigt, dann gehts — doch darf dies im vorliegendem Falle keine platonische Liebe sein, denn Or. Plato hat ja den Orgeln in den Synagogen offen den Krieg erklärt. — Von der Czechisirung des jüdischen Gottesdienstes bei uns ist es trotzdem und alldem wieder ganz stille geworden — es wäre denn, man wollte den diessälligen Bestrebungen irgend eines in dieser Richtung dann und wann einen Anlauf nehmenden Dorf-Chasans — Beachtung schenken, wirklich zielbewußte Bestrebungen in dieser Richtung aber müßten plangemäß und von anderer maßgebender Seite sich zeigen — doch „wir können warten". Pravdccky. Krakau. Die hiesige Handelskammer beschloß, über die ihr von der Statthalterei zur Begutachtung mitgcthcilte! Petition des Vereines „Schomer Israel" in Angelegenheit der Sonntagsruhe nach eingehender längerer Discussion: in Erwägung, daß die betr. Gesetzesnovelle mit der Sonntagsruhe keinen confessionellen, sondern nur einen öconomischen Zweck.anstrebt, in Erwägung, daß es sich nicht um die Sonntagsheiligung, sondern um die Ruhe eines Tages in der Woche handelt, in Erwägung endlich, daß angesichts der durch die Staatsgrundgesctze garantirten confessionellen Freiheit die Eigenthllmlichkeiten jeder Religion respectirt werden müssen, die Petition des Vereins „Schomer Israel" zustim- ' mend zu begutachte». Lemberg. Als Curiosum sei Ihnen das Verhalten unseres spccifisch „jüdischen" Reichstags-Abgeordneten Dr. Bloch bezüglich der Sonntagsruhe mitgetheilt. Derselbe hat seiner - Zeit nicht nur für die Einführung dieser Sonntagsruhe gestimmt, sondern in besonderer Rede dieselbe auch wärmstcns befürwortet. Diese Rede ließ er sogar drucken und den Wählern zuscnden. Als aber die Juden die Segnungen dieser Sonntagsruhe kosteten und zur Erkcnntniß kameir, daß man ihnen damit zum ärgsten Schaden ihrer Erwerbsthätigkeit einen zweiten Ruhetag in der Woche neben dem Samstage aufnöthigen wolle, begannen die Demonstrationen dawider. Herr Or. Bloch gewahrte nun das Mißliche seiner Lage und half sich damit, daß er in der österreichislchen Wochenschrift verkündete, er sei zur Zeit der Bcrathung des bctr„ Gesetzes noch gar nicht Abgeordneter gewesen! Doch diese höchst charakteristische Ablüugnung nützt ihm gar nichts; denn von gegnerischer Seite wird den über das Gesetz Beschwerde führenden Juden entgegengehalten, daß ihr jüdischer Vertreter ja dafür gesprochen und gestimmt habe. Die Lcmbcrger jüdische Kaufmannschaft hat in Folgedessen der Deputation, welche sie zur Ueberrcichaug einer Petition beim Ministerium und dem Rcichsrathe entsendet, aufgetragen, sich nur an die Abgeordneten Rappaport, Grocholski und Smolka zu wenden, Herrn Bloch aber links liegen zu lassen. Rußland. In Sitomir, dem einst an Schulen reichen, soll, nachdem die Rabbinerschule und die Knabenschule aufgehoben worden und das Gebäude in eine Kaserne umgcwandelt ist, nunmehr auch das Lehrerseminar aufgehoben werden und das Gebäude für ein Amtsgericht verwendet werde». Die Schüler nehmen immer mehr ab, weil die Lehrer nichts taugen und wohl auch nicht gern zu viel zn thun haben. — Die Gebäude sind aus den Erträgnissen der Juden-Lichtsteuer hergestelll! — Fiscus hat einen guten Magen! — Wie weit hier das Judenquälen betrieben wird, bekundet folgendes Pröbchen. In Schawel (Kowno) hat der Gymnasialdircctor im Aufträge des Studiendirectors in Wilna den jüd. Gymnasiasten auf's Strengste verboten, christl. Kinder zu unterrichten. Dieses Verbot, welches den vielen armen Jungen das Brot nimmt, stützt sich auf einen Ukas deS Kaisers Nicolaus von 1845, nach welchem die Lehrer christlicher Kinder nur Christen sein dürfen! Da ist das Vernünftigste, wenn recht Viele auswandcrn, wie aus Odessa jüngst eine Anzahl gebildeter junger Leute (auch ein gelernter Gärtner dabei) nach Samaria, wo jetzt 350 Menschen wohnen, auszogcn. Sie sollen sich in der Türkei iraturalisiren und in Syrien Land anweisen lassen! — In Jckaterinoslaw hat die Gemeinde im Krankenhause eine Abthcilung furFrauen und Wöchnerinnen der Montefiorestistung errichtet. —In Äischinew hat sich ergeben, daß von 700 in die Militärpflichtigen - Liste eingetragenen Juden 3 0 0 todt und verzogen sind oder schon gedient haben. Moskau. Der „Moskauer Zeitung" zufolge nimmt die unter dem Vorsitz des Grasen Pahlcn tagende Judcncom Mission ihre Sitzungen im October wieder auf; an denselben werde» jetzt auch die «euatoren Mordwinow und Palowtzcw Theil nehmen. Vt Ai Werde» joSts.. schäm» Mid dl üisiäru bis dal 751) S! Lei!»«'! fähig11 3 hat btt lungc» welche» Mibe» küchle rcchle > 5 auf de Conane UiUkw die d»! Unttrtti? licht»; durch stiil L daß Dt Halle,il dm £ llehm ititußi je riw aehall sich bi Holt! abend! finden, der P gtnieii des E Aber sitzend «non f I schnin Wom Mt« zu ve llr h Ära man sreun hat n man Jüngj tfteui indeß ward palize bene bt„ 9