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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-15 · N° 42. (15.10.1885) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 42. (15.10.1885)
Date
1885-10-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 42. Magdeburg, 15. Oktober 1885. XVI. fällig. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. a &! Wörbentli» erscheint je eine Nu-nmer der! „Wochenschvtst". de? „FamNtenvlatt»" u.deS..Lilleraturblati«". j Preis |ür alle drei Klatter bei allen Postämtern u. Buchhandlungen 3 2w£ark. vierteljährlich. I Mit direkter Huieiidung: jährlich 14 Mark.! nach dem Auslande: 16 Mk. >8 fl.. 30 FrcS.,! 8 Rbl.. 4 Dollars).! Einzelnummern der ..Wochenschrift" k 35 Pf..! de» »Litleratur-VlattS" k 15 Pf. I des »Famtlien-Blatts k 10 Pf. Verantwortlicher Rcdactcur und Herausgeber: Rabbiner I»r. W. Hlaymer in Magdeburg. Für W»l,rl>e!t, Kechl »ud Frieden! « - 0 l»rtr«tl : für die »I s r a c l i r l j ch e W.0 ch e tt s ch r i f t". wie für daS »Jüdische Litteratur-Blatt". die klcingespalkdiie Pctilzeilc oder deren Raum , -5 flf, sind entweder durch die Annoncen-; terycbitioucn ooit C3-_ L-X>a\at>e <fc Co., itvacioli: HVTosse, Haasenstein Sc "Vogler u. A. oder direct einuiienden an: Kie Drpodition der ..-»rarlit. Wochenschrift" in Magdrburg. n —. . a Inhalt: Leitende Artikel: Die „freie Vereinigung für die JiNeregen des orthodoxen JndenchumS". — Betrachtungen über das Judcnthum der Gegenwart. Von Or. L. Adler, cmerit. Landrabbtncr. Berichte und <5orresvo»de»xen: Dcuischland: Magdeburg. Stettin. Hamburg. Aus Schlesien. Aus dem Regierungsbezirk Bronibcrg. Pafewalk. Oesterreich-Ungarn. Prag. Krakau. Lemberg. Ruht and: Sitomir. Moskau. Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Berlin. Königsberg. Dresden. Mannbeim. Krakau. Linz. Wien. Pest. Paris. Turitt. Petersburg. Amerika. New-Aork. Inserate. Briefkasten. Wochen- Oetodsr. Cheschw. 1885. 5646. Kalender. Donnerstag . 15 6 Freitag. . . 16 7 Honnabend 17 8 (5,SS) Sonntag . . 18 9 Montag. . . 19 10 Dienstag . - 20 11 Mittwoch . . 21 12 Donnerstag . 22 13 Die „freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Jndenthums". Die 3 jüd. orthodoxen Blätter bringen eine Aufforderung aus der Feder des Begründers der Scparat- Religionsgescllschaftcn und der Austritts-Gemeinden, des Rabbiners Samson Raphael Hirsch in Frankfurt am Main, zur Bildung der rubricirten „freien Vereinigung". Daß die Blätter der Orthodoxie diese neue Idee des Nestors der Orthodoxie als etwas höchst Erfreuliches begrüßen, ist natürlich und selbstverständlich. Namentlich ist es der Jsak Hirsch'sche „Jcschurun", der in der Aufforderung „die freudigste Stunde" erblickt, die „das neue Jahr grüßen" konnte. Der „Jcschurun" wird vom Sohne des Urhebers dieser Aufforderung rcdigirt, das leibliche Kind stellt dem geistigen Kinde feines Vaters — und auch seinem Vater selbst — ein vorzügliches Zeugniß aus. 318 nD HJn TT D3 DTtS rcitf D’S3 HÖ1 kann Herr Rabbiner Hirsch im Hinblick auf seine leiblichen und geistigen Kinder beseeligt jubeln: „Wie schön und lieblich isl's, wenn sich Brüder friedlich vertragen"! Der Sohn stellt dem Vater das Zeugniß aus, daß dessen Aufforderung „von berufenster Seite" ergehe. Eine derartige Erfüllung des fünften Gebotes ist — Geschmacksache. Etwas weniger optimistisch läßt sich die Berliner „Jüdische Presse" vernehmen. Sie wagt die schüchterne Bemerkung, daß in dem Aufruf „die Definition von Orthodoxie vermißt werde, worüber bekanntlich selbst in gesctzestrcuen Kreisen die Ansichten sehr weit auseinandergehcn" — das ist sehr aufrichtig von der „Jüdischen Presse", und wir müssen das um so mehr anerkennend hervorhcben, als das Blatt in Bezug auf Aufrichtigkeit seine Leser nicht gerade verivöhnt hat. Ja, mein Gott!, was ist „orthodox"? Die Orthodoxen in Ungarn waren der Ansicht, — horribile dictu — Or. .I. Hlldcsheimer, der Director des orthodoxen Rabbiner-Seminars in Berlin, sei kein Orthodoxer, sei das Gegentheil, der gefährlichste Feind der Orthodoxie, den man in den „Bann" MNN) legen müsse. Ja, Herr Hirsch selbst, der Redakteur des „Jcschurun", hat bereits in einigen Leitartikeln den Nachweis geführt, daß das geu. Rabbinerseminar nicht auf dem Standpunkt der wahren und ehrlichen Orthodoxie stünde. Merkwürdig ist es auch, daß die Aufforderung zur Bildung des neuen Vereins nur von Samson Raphael Hirsch unterschrieben ist. Warum nicht auch von Or. Hildesheimer, warum nicht von Or. Lehmann, dem non plus ultra der deutschen Orthodoxie? Sollten diese Herren gar nicht zu Rathe gezogen worden sein? Warum nicht? Saßen sie mit im Rathc: warum unterschrieben sie nicht? Ergeht die Aufforderung gegen ihren Willen, der sich aber schließlich beugen muß — wie das z. B. bei der Partei der „Jüd. Pr." der Fall ist — oder sollten sie durch ein ts.it accompli überrascht und ihr voraussichtlicher Widerspruch daourch, ehe er geboren, bewältigt werden? Oder ist es nur Schonung der Empfindlichkeit anderer Koryphäen der Orthodoxie, die doch nicht alle Führer-Rollen spielen können, daß nur der Eine als Führer sich prüsentirt? Nun, die Zukunft wird es ja lehren, wie sich die andern Häupter der Orthodoxie zu dem neuen Vereine stellen werden. Vorläuffg ist es nur der Vorstand der „Israelitischen Rcligions - Gesellschaft" in Frankfurt a. M., der dem neuen Kinde als Gevatter sitzt und sich bereit erklärt, Beitrittserklärungen ä 3 Mark entgegenzunehmen. — Was wir zu dem neuen „freien" Verein sagen sollen? Wir wissen wirklich nicht, ob wir uns nicht über denselben freuen sollen, freuen von ganzem Herzen. Wenn derselbe nur wirklich ein orthodoxer Verein sein wird, dann kann er möglicherweise ein mächtiger Hebel zur Klärung der Situation im Judenthum der Gegenwart sein. Die Unschlüssigen, die es mit Keinem verderben wollen, die bei Or. Hildesheimer autichambriren und doch auch bei der „Wochenschrift" das liebe Kind sein wollen; die von den Diplomaten der Orthodoxie Dupirten, welche glauben, geschoben zu werden, indem sie ausgesogen werden, ausgesogen

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