Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 35. (27.8.1885)
- Date
- 1885-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 35. Magdeburg, 27. August 1885 XVI. Iahrg. für die religiösen und socialen Interessen des Judentums. Verantwortlicher Rcdacteur und Herausgeber: Iki- -- ' WöchenNi» crfÄrltit if eint S!tuimer bet; „Wachenschetst“. be« Blatt.“ u.btS „tttt«rat«rMatt»“. I KÄte'Ä 1 Rabbiner llr. W. Wahmer in Magdeburgs Mit directer Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem Ausla^n^e: 16 Mk. <8 fl.. 30 FrcS.. 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der ..Wochenschrift" k 35 Pf., deS ^Litleratur-Blatts" k 15 Pf. deS ^Famttien vlattS b 1v Pf. F>r MahrlftU, Kecht >vd FrieLe»! s;- # |n ff tat* für die „Israelitische Wochenschrift", wie für das „Jüdische Litteratur-Blatt". l die klcingespallene Petitzcile oder deren Raum ‘ | 25 *Tf. sind entweder durch die Annoncen-; Erpeditionen von G-. L-XDau.'be Sc Clo-, Rudolf R^osse, Haaaeneteln Sc "Vogler u. A. oder direct eiinusendcn an : Dt- 8-p-dilinn der «Lsraelit. Machen- > fdjrift“ in Magdeburg. st -» Inhalt: Leitende Artikel: Ellul-Gedanken und -Wünsche. — Tie Schulen der Allianz. (Schluß.) Berichte und borrespondruzeiir Deutschland: Magdeburg. Coblenz. Breslau. Heilbronn. Aurich. Hamburg. Oesterreich-Ungarn: Prag. Hlinik. Palästina: Jerusalem. Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Hamburg. Colbcrg. Königsberg. Aus Nassau. Niederstetten. Paris. Paris. Paris. Bukarest. Inserate. Wochen- August. 1885. Ellul. 5345. Kalender. Donnerstag . 27 16 Freitag. . . 28 17 Sonnabend 29 18 K2n Perek 3 u. 4. (7,35) Sonntag . - 30 19 Montag. - . 31 20 Dienstag . . Sept.l 21 Mittmoch . . 2 22 Donnerstag . 3 23 Ellul-Gedanken und -Wünsche. i. Es ist eine bekannte Thatsache. daß in der Regel in kleinen und mittleren Gemeinden der Pulsschlag des jüdischen Lebens ein stärkerer, besonders aber die Antheilnahme an den Interessen des Judcnthums eine lebhaftere ist und der jüdische Gemeingcist, wie der religiöse Sinn sich da allgemeiner und reger erweist, als in den großen Städte-Ccntren, wo das Leben und Treiben, das Hasten und Jagen, das Komme» und Gehen so vieler verschieden gearteter Menschen, die sich nur flüchtig oder gar nicht kennen, die Entwickelung dieser Interessen ungünstig beeinflußt. Was die Hefe für den Sauerteig, das sind da die Wochen vor den höchsten Festen für die große Masse, sie geben Vielen Anregung, die das Jahr hindurch im Drange des Erlverbes oder Berufes, in der Jagd nach Gewinn oder zerstreuendem Vergnügen, ihres Judenthums vergessen hatten, sich desselben plötzlich zu erinnern. Denn noch sind G. s. D. die hohen Festtage die Jomim nauroim, der Fels, an dem die brandenden Wogen des „Jndifferentismus" sich brechen, nachdem sie den Damm, den „Zaun um die Thora", längst durchbrochen und llberflnthet haben. Da muß zuvörderst daran gedacht werden, einen Synagogcnplatz zu beschaffen, da wird eine Liste derer aufgestellt, die man, sei es von Herzen, sei cs aus gesellschaftlichen oder geschäftlichen Rücksichten, schriftlich beglückwünscht u. s. f. Sind die Tage selbst da, muß man sich denn doch einmal zunl Wege nach dem Gotteshausc und längerem Verweilen darin bequemen. Den Einen treibt die Pietät für die Eltern oder deren Andenken, den Andcrn eigne Jugenderinnerungen, ein Dritter thut's „der Künder wegen"; natürlich giebt cs auch sehr Viele, die ohne diese Motive, der Sache selbst halber, dem doch einmal mahnende» Bcdürfniß nach religiöser Erbauung Rechnung tragen. — So mannigfaltig sind die Beweggründe. War nun der Gottesdienst wirklich erbaulich, Vorbeter und Chor erhebend und — last but not least — die Predigt von packender Wirkung, so faßt Mancher dieser Lauen und Gleichgiltigen gute Vorsätze bezügl. seines religiösen Lebens im neuen Jahr. Aber — „der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert" und das „Fleisch" bekanntlich schwächer, als der gute Wille, und in wenigen Fällen ist die Nachwirkung eine dauernde; allein selbst diese sind ein Sieg des echt religiösen Bewußtseins, und ein wohlgelciteter, würdiger Gottesdienst, ein für seinen idealen Beruf begeisterter Prediger haben ihr gut Theil daran. Aber auch die größere Zahl Derer, auf welche die Nachwirkung zwar kein edauernde aber ein sich alljährlich wiederholeuder mächtiger Impuls ist, hat unbewußt zumeist Theil an den Segnungen der hohen Festtage, — Freilich giebt es noch eine „besondere Sorte" im Judenthum, die ihm nur nominell angehört. Diesen muß es denn schon einmal tüchtig packend kommen, um ihren religiösen Sinn wach zurufen. Bei ihnen haben die drei Festtage schon ihre belebende Kraft eingebüßt, höchsten Falles wird noch einigermaßen vom Jom- Kippur Notiz genommen. Nun aber ist nicht zu verhehlen, daß einerseits die sich sehr lang ausdehnenden Gottesdienste, die leider trotz bestgeregelten Religionsunterrichtes sich ausbreitende Unkenntniß des Hebräischen, „der heiligen Sprache unserer alten Gebete" auf die Andacht der Beter entschieden ungünstig wirken. Ein Beweis, und gewiß kein unerfreulicher dafür ist es, daß die Predigt meist, hier durch die allgemein beliebte Persönlichkeit des Redners, dort durch sein oratorischcs Talent, einer der Glanz- und Mittelpunkte der heutigen Gottesdienste geworden ist. Andererseits wirkt die Verschiedenheit der Riten wie der Gebetbücher oft gleich störend. Hier wird das eine Gebet, dort das andere ausgelassen, hier ist diese, dort jene Reihenfolge gewisser Gebetordnungen. Da blättert nun mancher Betende hin und her. fragt bei einem der kundigeren Nachbarn an, der zur Ruhe mahnende Aufseher kommt gar noch zu und — fort ist die Andacht bei allen Umstehenden. — Da taucht gewiß bei Manchem der Wunsch nach einer einheitlichen (deutschen