Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 34. (20.8.1885)
- Date
- 1885-08-20
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Manoah 1× ep/1005864
- Minsk 1× ep/1000754
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Belohnte hatte den Einwand, daß die Kinder ihm gehören und er das Recht habe, sie lutherisch lausen zu lassen. Nur eines von diesen Kindern wurde den Seelensängern entrissen und dessen Mutter bekundete, daß der Mensch ihr vorgelogen habe, die Kinder würden in einer jüd. Schule untergebracht werden. — Trotzdem sträubt sich das, was hier Orthodoxie heißt, gegen Schulen, gegen das Erlernen der Landessprache. Sind doch vor 7 Jahren noch dem unvergeßlichen Montefiore 170 Psd.; Sterling (3400 M.) zurückgeschickt worden, die er zu diesem Zwecke der Talmud Thora überwiesen hatte. Wurde doch damals ein 23gliederiges Comits eingesetzt, welches darüber zu wachen hatte, daß Niemand sich unterfange, Bildung und Sprachkenntnisse in Zion zu erwerben (die Schulen werden nur von den Srphardim besucht!). Der Skandal wegen der „Skolles" klingt noch in unseren Ohren. Kommt nun über die „Armen im Geiste" körperliches Elend und irdische Nvth, dann öffnet die Mission ihr Haus und ihre Hand — ja, sie liefert Mazzoth: sie giebt Kidduschwein — denn ihre Devise ist: Der Zweck heiligt die Mittel! — Der Palestine-Explorations-Fonds hat einen Vierteljahresbericht erscheinen lassen, in welchem die Aufmerksamkeit besonders von den Forschungen in Gaulan (östl. von Genezarelh) die Herr Schuhmacher augestellt hat, gefesselt wird. Die Stadt (eine der Zufluchtsstädte efr. 5. B. M. 4,43, Jvsua 20.8) hat Herr Sch. in Ashem al Jhan wiedergefunden. Es sind dort alte Ruinen. Die Karte, welche der Forscher entworfen hat, soll gestochen tverdeu. In demselben Berichte wird ein Brief des Herrn Oliphant abgedruckt, der Nachricht giebt über einen alten Sarg, den die jüd. Colon iste» in Samaria aus der Erde gegraben habe». — Er soll von prachtvoller Arbeit sei» und ist dem gellenden Gesetze gemäß nach Konstantinopel abgeliefert worden. Ein steinerner Altar bei Sura (Zarea des | Simson) bleibt interessant, auch wenn er nicht der Altar des Manoach ist, wie Herr Hanauer vermuthet (!!) — Sehr interessant ist die Schilderung, welche Herr Guy le Strange über seine 6 tägige Reise im Ostjordanlande giebt. Der einzelne Reisende, oder 2—3 werden von den Beduinen freundlich aufgenvmmen, aber große Karawanen werden angefalle». Vermischte und neueste Nachrichten. Werkin. Herr Dr. Julius Oppert, Mitglied des Instituts von Frankreich und Professor des College de France in Paris, der jüngst zum Offizier der Ehrenlegion ernannt worden, weilt gegenwärtig hier. Wernvurg. Die hiesige seit einem Jahre vakante Rabbinerstelle soll nunmehr wieder besetzt werden. In Folge einer diesbezüglichen Bekanntmachung meldeten sich 18 Bewerber, von denen die Herren VÖr. Feßler-Mannheim, Theodor-Bromberg und Flaschner-Burgkunstadt bis auf Weiteres als Probe-Candidaten ausersehen wurden. Die beiden ersten Herren haben ihre Probepredigten bereits gehalten. Vor den hohen Feiertagen wird wohl die Wahl durch die Gemeinde nicht stattfinden. Wromberg. Bei der Jubiläumsfeier der Berliner Universität hat der stuck. Georg Klemperer, der Sohn des hiesigen Rabbiners, den ersten königl. Preis der medicinischen Faeultät — große goldene Medaille mit dem Bilde Friedrich Wilhelm Hl. — erhalten. Irankfurt a. Al. (Or.-Corr.) Am 4. August starb hierFrl. Weil, Vorsteherin des Frankfurter Frauen-Vereins. Sie starb an der Stätte ihrer langen Wirksamkeit unter der liebevollen Pflege ihrer Pfleglinge. — Ich füge die Nachricht hinzu, daß die Waisenkinder, welche bisher immer in der Anstalt des Frauenvereins unterrichtet wurden, seit diesem Jahre die öffentlichen Schulen besuchen, was natürlich in jeder Hinsicht als erfreulicher Forts.britt bezeichnet werdeu muß. Wiesbaden, im August. Die Königl. Regierung zu Wiesbaden hat für den Umfang ihres Bezirkes „Anordnungen für die Beschneidung israelitifcher Knaben" entwarfen und dieselben dem Bezirksrabbiner vr. Silber stein in Wiesbaden zur Begutachtung vorgelegt. Die Anordnungen bezwecken, Leben und Gesundheit der zu beschneidenden Knaben möglichst sicher zu stellen und sind für diesen Zweck die auf dem Gebiete der Chirurgie gemachten neuesten Erfahrungen, so weit sie hierbei in Anwendung gelangen können, verwerthet.*) Striegau l Schlesien), 9. August. Ein vom hies. Schöffengericht gefälltes Erkennt,liß belegte einen Landwirth mit einer Geldstrafe von 100 Mark, weil er nach Freisprechung zweier Angeklagten durch ein Schöffengericht, dessen Vorsitz Ajsessac vr. Werner (Jsr) führte, die Aeußerung gethan hatte: „In Schweidnitz kommt die Sache anders, da ist kein Jude Richter." Als Milderungsgrnnd wurde die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten und der Umstand, daß die Aeußerung bei dem Diner an Kaisers Geburtstage — also in einer Stimmnng gefallen sei, in der man nicht jedes Wort auf die Goldwage lege — angenommen, im klebrigen war daS Gericht nicht ritt Zweifel, daß die Aeußerung eine grobe Beleidigung des jüdischen Richters sei. In Wien soll nach den „Schlanschim" — während welcher ein Seelenlicht für den großen Pstlanthropen in a Ieit Synagogen brennt, ein TranergotteSdienst in allen jüo. Gotteshäusern abgehalten werden. —• Zu dem Proceß Rohlings gegen Bloch, der im November c. zur Verhandlung kommt, haben die HH. Or. Wünsche-Dresden und Prof. Nöldecke-Straßburg ein sehr langes und gründliches Gutachten abgegeben. Wrag. In der hies. Klaussynagoge hielt Herr Oberrabbiner Or. Häsen die Trauerrede um Sir Mos. Montefiore. In der Meiselsynagoge wird auf Einladung des Vorstandes Herrn vr. Deutsch aus Brünn demnächst eine Gastpredigt halten. — Die Einweihung der neuerbauten Synagoge in Faöor findet am 17. d. Mts. durch die Rabbiner OOr. Kronberg und Hirsch (Prag) statt. Uaris. 4 Juden, zum Theil hohe Beamte und Gelehrte. find Offiziere des öffentlichen Unterrichts, 9 Offiziere der Akademie geworden. Der Lehrer Dreyfuß in Mostaganem (Algier) hat eine silberne Medaille, die Frau Regina Beer geb. Bischofsheim (Gründerin einer Schule und eines Waisenhauses) die akademischen Palmen erhalten. tzharkow. Im hiesigen technologischen Institute sollen die Juden auf Befehl des Kaisers höchstens */10 der Schüler ausmachen dürfen! (Also auch in diesen Zweigen sollen die Juden nicht za freier Mitbewerbung zugelassen iverden!) In Minsk wird eine Jeschibah geplant, in welcher 25 tüchtige Bocherim Talmud in eingehender Weise studiren und in der Mittagstunde Zeit nicht allein zur Erholung, sondern auch zum Lernen der Bibel, hebr. Grammatik und der ruff. Sprache (wofür besondere Lehrer angestellt sind) erhalten sollen. — In einem Dorfe Wolhyniens hat die Bauerschaft zu Protokoll gegeben, daß der Dorfbesitzer sie trunken gemacht und bestochen habe, um die Austreibung eines um das Dorf verdienten Juden zu erzielen. Aus Koullantinopek wird berichtet, daß der König von Schweden dem Leibarzte des Sultan, Obersten Jsaac Bay Molko (Arzt auf der Jagd des Sultan), die Zeichen des Commandeurranges des Wasaordens verliehen hat. Das ist also der^2. jüd. Leibarzt am Hofe des Sultan. *) Eine Mittheilung dieser Verordnung in uns. Bl. wäre sicherlich vielen Lesern desselben sehr erwünscht. (Red.)