Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 33. (13.8.1885)
- Date
- 1885-08-13
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Anwesend waren u. A. auch der neue jüdische Pair, Lord Rothschild, und der dureh seine Heirath mit dem letzteren Verwandte Lord Roseberrh, sowie andere hervorragende Männer des englischen Judeuthums. — Einen großen Mann haben sie zu Grabe getragen, wie ihn Jahrhunderte nur selten Hervorbringen. Daß dieser Mann dem Boden des Judenihums entsproß und aus dem Boden des Jndenthnmö unentwegt stand, bis an sein seliges Ende, ist unser Stolz. Er hat keine leiblichen Nachkommen hinterlassen, aber sein Vorbild wird zur Nacheiferung anregen und hat er in einer Beziehung schon Nachfolger in Männern wie Lord Rothschild, Arthur Cohen, Sergeant Simon, Baron de Worms und vielen anderen englischen Inden, nämlich darin, daß sie in ihren hohen Ehrenstellen ein warmes Herz für das Jndenthnm bewahren und sich stolz als Juden bewähren. und darum um so höher in der Achtung ihrer Mitbürger stehen. So hat z. B. kürzlich Lord Rothschild, zugleich Vorsitzender des jüdischen Board of Deputier, im Hanse der Lords den Eid der Treue mit bedecktem Haupte und ans ein hebräisches Exemplar des alten Testaments geleistet. Wir wollen hoffen, daß, wenn es je soweit kvnunen sollte, daß im prenßisehen Oberhanse ein Jude sitzt.*) er auch so treu seinem Jndenthnme bleibt. — (Zchlust folgt). Hlamsgate. M o n t e f i o r e hat seinen Neffen Mr. Joseph Sebag zum Universalerben seines bedeutenden beweglichen und unbeweglichen Vermögens eingesetzt. Das Testament ist vom Januar 1882 dalirt. Der Werth des persönlichen Eigenthnms wird ans Lslrl. 3öv 000 bis 380 000 angegeben. Die Legate für wohllhätige Zwecke und Stiftungen dürsten sich ans ea. Lslrl. 60 000 belaufen, wovon Lslrl. 30 000 ans gottesdienstliche und wohlthätiae Institutionen in Jerusalem und im heiligen Lande, und Lstrl. 15 000 ans wohllhülige Anstallen in London und Ramsgate entfallen. Ungefähr Lslrl. 20 000 werden durch versehiedene persönliche Legate absorbirt. Seine Pferde und Equipagen hinterläßt der Testator sienem dintscher, und alle seine ergebenen und treuen Diener erhalten Jahrespensivnen oder Legate. vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, den 11. August. Ans Nah und Fern gehen uns Berichte über abgehaltene Tranerseier zum Gedächtniß Sir Mose» Mvntefiore's zu; sie alle abzudrncken, gebricht es uns an Raum. Wir erwähnen kurz Berlin, Stettin, Nordhausen, Essen, Glogan, Petersburg, Wien, Pest, Lemberg, Brvdy, u. a. nt. — Hier fand am letzten Sonnabend eine solenne Gedächtnißseier im Tempel statt. Der Shuagogengesangverein sang v o r der Predigt das deutsche Lied: „Vergiß ihn nicht!" und nachher das erhebende: „Viag auch die Liebe weinen!" — In der Mendelssohn-Loge wird heute Abend eine Tranerseier abgehalten, bei_ der Präs. Dr. Rahmer die Rede halten wird. Berlin, den 10. August. Znnz begeht heute seinen 91. Geburtstag. — TT Ans Berlin schreibt man uns: Gegenüber dem beabsichtigten ersten ordentlichen Rabbiner-Verbandstage erscheint es wünschenswerth, daß diejenigen Herren College», welche dem Verbände beizutreten gesonnen sind, aber ihren Beitritt noch nicht erklärt haben, ferner diejenigen, welche mit ihrem Beitrage pro 1885 noch im Rückstände sind, rechtbaldigst ihren Beitritt anmelden resp. den Betrag einsenden. Kombnrg ». d. K. (Orig.-Corr.) Auch in diesem ■-fahre hatte unser Rabbiner Herr Dr. Appel, die hohe Ehre, von Ihrer Majestät der Katserin in Audienz empfangen zu werden. Unter Anderen erkundigte sich bei der Unter- , *) Bekanntlich ist dies bereits der Fall, Herr Rothschild aus Frauk- Turt a. M. ist Herrenhausmitglied. redung Ihre Majestät auch nach der Organisation der jüdischen Gemeinden. Mit Bewnndernng gewahrt mau das lebhafte Interesse, das Ihre Majestät an allen geistigen und und humanitären Bestrebungen im Vaterlande nimmt. Hamburg. (Or.-Corr.) Es wird Ihnen wohl bekannt sein, daß man sich bemüht, die Synagoge HU nicht eingehen zu lassen und für den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Jsaacsohn s. A. einen Nachfolger zu suchen. Herr Nabb. Dr. Hamburger hat hier einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag gehalten. Wie ich höre, soll nächstens auch Herr Dr. En och eine Probepredigt halten. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, muß dabei unwillkürlich auscnfeii: Taut de bruit pour une Omelette! Aus Württemberg. Die israel.Waisenanstalt Eßlingen hat ihren 5 l. Jahresbericht pro 1. April 1885 veröffentlicht und hat in diesem Jahre wieder eine Vermögensznnahme von7000 M. zu verzeichnen, so daß sie jetzt exel. Gebäuden einen Grundstock von 235 666 M. hat. Dieselbe erhielt an Stiftungen zum Grundstock 3308 M., an jährlicqen Beiträgen 1669 M., an Spenden 5596 M., darunter 175 M. von unserem geliebten König Karl. Die Anstalt beherbergt jetzt 38 Zöglinge beiderlei Geschlechts, welche von 2 Lehrern und einer Jndnstrielehrerin unterrichtet werden. An der Anstalt erhalten auch die Zöglinge des Lehrerseminars und der Präparandenanstalt gegen billige Entschädigung Beköstigung. London, 6. Ang. DieBibliothek des verstorbenenReverend Grün mit ca. 10000 Bänden ist zu einer öffentlichen Bibliothek umgestaltet worden, die 5 mal in der Woche dem lesenden Publikum geöffnet ist. — Herr George Philipps zur, Zeit Sherif hier und in Middeleffex, ist Baronet geworden. — Man erhofft, daß Baron Worms als Mitglieb der Regierung zu Gunsten der rumän. Inden eintreten wird und daß Herr Arthur Cohen im Unterhaus und Lord Rothschild bei den Lords, ihm darin beistehen werden. Nach der Times hat Salisbury einer Deputation, die ihn in dieser Sache sprechen will, schon eine Audienz bewilligt. London, 7. August. Eine Deputation der englischjüdischen Assoeiation begab sich heute zu Salisbury, um das Einschreiten Englands allein oder gemeinsam mit den anderen berliner Signatarmüchten bezüglich der Lage der Inden in Rumänien zu erbitten. Salisbury erwiderte, die Regierung könne als Mitunterzeichuer des Vertrages diese Frage nicht unberücksichtigt lassen; er bedanre, daß die Inden Rumäniens unter dem eingewurzelten Vornrtheil des Volkes, welches in der Gesetzgebung Ausdruck gefunden, zu leiden hätten. Die Angelegenheit sei sehr delieat zu behandeln, die Regierung werde jedoch ihr Möglichstes thnn, um eine Besserung der Lage der Juden herbeizuführen. Petersburg. Drei neue Mitglieder (Senatoren) hat das Judenkomits des Grafen Pahlen erhalten, welches im September seine Berathnngen wieder beginnen soll. Die sonderbaren Gerüchte über seine Beschlüsse^ daß die Inden sollten überall wohnen dürfen, aber ohne Lieferanten, Schnapsfabrikanten und Verkäufer und Silberhändler zu sein, sehen Enten sehr ähnlich, welche die saure Gurkenzeit ansgebrütet hat. Warschau. Hier wird eine Brochllre viel gekauft, welche den sensationellen Titel trägt: Wie und weshalb werden die Inden geschlagen? Der Verf. ist der russ. Schriftsteller Schigarin, — es ist weder für noch wider, sondern plaudert in die Quere und die Irre allerhand Zeug. Htußkand. Im technologischen Institute in Charkow sollen die Inden auf Befehl des Kaisers höchstens ‘/l0 der Schüler ansmachen dürfen! (Also auch in diesen Zweigen sollen die Inden nicht zu freier Mitbewerbung zugelasseii werden!) In Algier haben 76 Mitglieder der Feuerwehr aus Aerger über die Dekorirung des Herrn Jacob Jaks ihren Austritt aus dem Corps erklärt. (Man sieht, je ungebildeter das Land, desto mehr und desto roheren Antisemitismus treibt es.) 1 ■*} i! i L t