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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-07-30 · N° 31. (30.7.1885) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 31. (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mir dlrecrer ^ujrndung: jährlich Id Mark, nach dem Auslände: 16 Mk. *8 fl-. 20 FrcS.. 8 Rbl.. 4 Dollars). - if* w-; r°r M-iirtzkit. «echt u.d frieden! dcS „Jannlicn-BlattS k 10 Pf. tf-- - . - $tt fer at! flii d't „Israelitische SB od) eui cfs t i{ t“, I wie fiir das „Jüdische Lilteratur-Blatt". die klcingespattcne Petitzeilc oder deren Raum £5 Vf. sind entweder durch die Annoncen, Erveditionen von G. L.IDau.'be äs Co., ftudolf Ivlosse, üaasenatein äs "Vogler u. A. oder direct emmienden an: Die «vpedilion dev „-»vaelil. Wschenschrifl" in Magdeburg. Sk -5* Inhalt: Leitende Artikel: Tor Judenfeind. Bon De. Simon Scherbe!, Llssa. — Ans der Praxis. Berichte und Korrespondenzen: Teulfchlaud: Berlin. Breslan. Aus Weftpreußen. Elsaß-Lolhtingen. Frankreich: Paris. England: London. Rußland: Petersburg. Warschau. Vermischte und neueste Nacbrichten: Magdeburg. Hamburg. Nordhausen. Ersun. »arlSrube. Galizien. Lemberg. Garnowitz. Wien. Bcsiarabien. London. London. Paris. WiiebSk. Wilna. Libau. Scluaz. 'Algier. Constaniinopcl. San Franziska. Jerujalein. Jerusalem. London. Ins rate. Wochen- Juli. Aw. Kalender. 1885. 5645. i Donnerstag . 80 18 Freitag - . . 31 19 Sonnabend 1 20 3py Perek 5. (8,48) Sonntag . . 2 21 i Montag. . . 3 22 Dienstag . . 4 23 Mittwoch . . 5 24 Donnerstag . 6 25 j Der Judenfeind. Bon Or. Simon Scherbe! (Llssa). Saphir, der mit dcn scharfen Pfeilen seines Witzes und der ätzenden Lange seiner Satire den Narrheiten, Verkehrtheiten und Vorurtheilen seiner Zeit unheilbare Wunden schlug, und dem seine Gegner nicht anders beizukommen wußten, als daß sie ihn einen „Juden" nannten — damit glaubten sie ihn genügend abgethan, — hat folgende ergötzliche Charakteristik eines Judenfeindes gegeben: „Der gütige Himmel hat jedem Geschöpfe seine Waffen, jedem Pflänzchen seine Cigenschasl und jedem Menschen seine eigenthümliche Seite verliehen, von welcher er sich liebenswürdig und geltend machen kann. Von der Milbe bis zum Mainmut, von dem Asvp, der an der Wand kriecht, bis zur herrlichen Ccder, von dem Crelin bis zum Sokrates ist kein Wesen auf der Stufenleiter der Schöpfung ganz reizentblößt, ganz uninteressant, ganz unbemerkenswerth. Sehen wir z. B. jenen Herrn X. an. Er ist fade, abgeschmackt, roh, hirnlos, langweilig, ignorant und arrogant. Er ist so unbedeutend, daß der liebe Tod einstens große Mühe haben wird, ihn herauszusinden, und daß er bei der Wiederauferstehung gewiß liegen bleibt, ohne daß es die liebe Vorsehung bemerken wird. Allein auch diesetn Menschen, dieser personificirlen Null, hat die gütige Allbarmherzigkeil Gottes eine Seite gegeben, von welcher er sich bemerkbar machen kann, er ist nämlich ein — Judenfeind. iluf eine wohlfeilere Weise kann ein charakterloser Mensch nicht zu einem Charakter kommen. Man fragt sich in Gesellschaft : Wer ist denn dies Schattenspiel von einem Menschen? Ist er ein Gelehrter? nein! Ist er ein Dichter? nein! Ist er ein Künstler? nein! Ein Doktor? nein! Ein Advokat? nein! Ei, was ist er denn? O, er ist ein Judenfeind! Da hat er plötzlich einen Charakter. Ter gute Herr X. kann alles ertragen, bedeutende Grobheiten, zarte Händel, er sucht sogar selbst gerne allerlei Hader und Streit an allen Orten, bei allen Gelegenheiten, kurz das Allergemeinste ist seiner zarten Seele angenehm, bloß gegen Juden sind seine Nerven reizbar. All sein Witz, all sein Muth, all seine Einfälle, all seine Beredsamkeit, all sein sanftseliges Lächeln dreht sich um die Juden, und wenn ihm einmal die Juden den verdammten Streich spielen wollten, ganz auszusterben, er wäre das geschlagenste, erbärmlichste, miserabelste Geschöpf aller fünf Welttheile, er hörte auf, etwas zu sein, er müßte stumm herumwandeln. Ist der gute Mann auf einem Platze, wo keine Juden sind, so dreht er sich rings herum und bemerkt: „Es ist Gottlob kein Jude da!" Dabei lächelt er selig, denn nun weiß er, was er sprechen soll; die Damen, die so unglücklich sind, ihn anhörcn zu müssen, wissen nun, daß sein Mund von Juden überstießt. Ist er an einem Orte, >vo Juden sind, o, da ist er erst recht glücklich! Nun kann er nämlich gleich zu sprechen anfangen, ohne erst Leibweh zu haben, denn in seiner endlosen Fadheit nicht einmal geschickt genug, vom Wetter oder von der Cholera zu sprechen, sind es nun die armen Juden, oder vielmehr die reichen Juden, die herhalten müssen. Er sagt erst: „Ach, es wäre hier schön, wenn nur uicht so viele Juden da wären!" Nach dieser Geistesanstrengung ruht er auf seinen Rednerlorbeeren aus, dann wendet er sich in seiner überschwenglichen Liebenswürdigkeit zu einer andern Dame und sendet ihr postsrei die Bemerkung zu: „Ueberall sind Juden!" Hierauf knickt er, erschöpft von diesem Aufwand an Witz und positivem Wissen, wie ein Taschenmesser zusammen, erholt sich nach einigen Augenblicken und franknt an eine dritte unglückliche Dame die Worte: „Daß doch die Juden überall sind!" Nachdem er sich nun selbst über die Fülle seiner Genialität angeslaunt, wendet er sich zu dem vierten bedauernswerthen Gegenstände seiner interessanten Ausmerksamkeit mit dem brillanten Einfall: „Müssen denn überall Juden sein?" — Unser Judenfeind ist das drolligste und lächerlichste Exemplar dieser Race aus Erden, und sollten wir im Verlaufe der Zeit entdecken, daß er sich i» dieser

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