Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-07-02 · N° 27. (2.7.1885) · p. Seite 223

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 27. (2.7.1885)
Date
1885-07-02
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584842--5806-9584849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 223 — afytotiw W mtwMt, Wj ih tfeSÄn i, z« Mt ta deMm M MM M \& txm \ftt «fit im, ionta Äinchen. dir Hierzu bedarf önitkun^ der ldesgemeiudeu » Delegirteu, die Buudedr Umgebung 'issder Gekiuejudeu za das ZmiW iuudesarganiihäligkeit entd°S die Zah! sich eine uiMuitizer Bundesdele- Krig zu sein, mb nur fonuschloser, de- Wirksamkeit > entlegensten eu Gemeinden Ueberzeuguug e Stütze und etzl noch lose knüpfen uud segensreichen m. M. jietjen. Dieb.) ) (Matten i die .zweite r geich, Torr, ü. mime affe es aber efiuitlve Auz ein College sberget in t>t Seminare eiten, Wmit minatbit«^ obiges m a beantrag' folgen med-r ias Seminar La-i-L neu berM wer) >n °er MM', » nnS Lenmrar obige Berechtigung erhalten, so fiele die Unterstützungssumme fort und dem Seminar wäre der Lebensfaden abgeschnitten. Jedenfalls wäre es dennoch gut, wenn das Seminar die Berechtigung erhielte, vielleicht fiele dann auch die Schulordnung vom 5. Febr. 1854 und der ganze Schulapparat (der Volksschulen) würde ein anderer, ein besserer. (Schluß folgt.) Aus Wpreußen, im Juni. (Or.-Corr.) In dem Artikel „Aus der Praxis" in Sir. 23 der Wochenschrift tvird wiederum, wie schon oft, darüber geklagt, daß Lehrer rabbinische Functionen ausübe» und dabei ein betrübendes Beispiel aus Düsseldorf angeführt, woselbst ein Lehrer eine kinderlose Wittwe ohne vorhergegangene Chaliza getraut habe. Aber das alte n»”'' 7D23 Nlv'N *73 STK („Jeder thut, was ihm paßt!") aus der traurigen Richterzett bezieht sich nicht nur auf Lehrer, sondern auch auf Rabbiner, und namentlich auf Gemeindevorsteher. In christlichen Kreisen sind solche Fälle allerdings undenkbar, tvenigstens in Preußen, aber in jüdischen — da ist eben Alles erlaubt. Nicht nur unter dem Titel „Gewerbefreiheit", sondern noch mehr unter dem Titel „Gewissensfreiheit" werden Schochtim, die nicht genug koscher „machen" beseitigt und dafür irgend welche hergelaufene Subjecte zur Schechita berufen, wenn sie nur viel und billiges Fleisch schaffen. Die Rabbinen haben meist keine Macht, gegen solche Zustände aufzutreten, meist wollen Sie es auch mit Reinem verderben: der Vorstand regiert eigenmächtig. Es ist schon ost über „Grenzüberschreitungen" 171371) der Lehrer geklagt worden, aber kommen dergleichen nicht auch bei den Rabbinern vor? Dieses gesch. Blatt mit der Devise „Für Wahrheit und Recht" muß auch ei» solches Beispiel einmal aus der Praxis bringen; gleiches Recht für Alle. In einem Städtchen Westpreußens starb ein reicher Mann in der ersten Peßachnacht. Die Hinterbliebenen ließen einen vollständig schivarzen Sarg für die Leiche machen, entgegen dem dortigen Minhag, nach welchem nur in einem aus rohen (?) Brettern zusammengeschlagenen fNX (Sarg) begraben wird. Der dortige Rabbiner, ein bedeutender Talmudist (jedoch kein Dr.), versagt seine Begleitung, trotzdem er dein Verstorbenen im Leben sehr nahe gestanden hat. Was geschieht? Der Telegraph wird in Bewegung gesetzt und ein Or. - Rabbiner findet sich ein, der, ohne den Stadtrabbiner anzufragen, die Leiche begleitet und am Chol hamoed eine Leichenrede mit tiefer Baßstimme hält. Was Wunder also, weint Lehrer. die ein bischen deutsch schreiben oder sprechen können auch predigen und sich über alle Autorität hinwegsetzen! Doch bevor man überhaupt über Grenzüberschreitungen raisonnirt, wäre es nöthig, vorerst genau einmal festzustellen, was die Functionen eines Rabbiners, ivas die eines Lehrers, eines Cantors, ja jedes jüd. Cultusbeamten ist. Eine solche Grenzregulirung thut uns in vielfacher Beziehung nolh. Vermischte und neueste Nachrichten. Aerkin In Sachen Stöcker gegen Bäcker hat der Staatsanwalt die Revision gegen das Erkenntniß eingelegt. Der Ferien wegen dürfte das Reichsgericht erst im Oetober dariiber verhandeln. — Das antisemitische Hetzblatt „Neue Deutsche Volksztg." des bekannten Liebermann von Sonnenberg hat das Zeitliche gesegnet. (Es dürfte dies dasEinzige sein, was es „gesegnet" hat.) Heks./Schl., 29. Juni. (Or.-Corr.) Am jüngsten Sonnabend erfreute sich bekanntlich die hiesige Stadl des Besuches Sr. Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen, zu dessen Empfange auch der hiesige Rabbiner Herr vr. Ch'odowski in Folge einer an denselben von Seiten des König!'. Landraths v. Kardorff ergangenen Einladung erschienen war. Nach erfolgter Vorstellung unterhielt sich der Kronprinz mit dem Herrn Rabb. in auffallend leutseliger Weise und gedachte u. A. auch eines Vorkommniffes in Aurich, woselbst der Herr Rabbiner früher fungirte. In der hiesigen, von der antisemitischen Atmosphäre nicht ganz freien Stadt machte diese Unterhaltung selbstverständlich großes Aussehen. Kmden. (Or.-Corr.) DerHerrCultusministerv. Goß ler besuchte gelegentlich seines hiesigen Aufenthaltes in Begleitung der Herren: Regierungspräsident v. Heppe, Schulrath Kietz und Oberbürgermeister Fllrbringer die hiesige zweiklassige jüdische Elementarschule. Er ließ in der zweiten Klasse biblische Geschichte und in der ersten Klasse Geographie unterrichten, resp. prüfen. Außerdem wurden die Hefte der beiden Klassen besehen und seitens des Herren Ministers ein besonderes Interesse auch für diejenigen mit jüdischer Cursivschrift bekundet. Mit Worten des Dankes und der vollsten Anerkennung nahmen die Herren von den beiden Lehrern Abschied. — (Herr Landrabbiner 0r. Buchholz war gerade zu seinem Bedauern an dem bctr. Tage nicht anwesend, sondern auf einer Inspektionsreise begriffen.) Aojanowo (Or.-Corr.) Das für unsere Provinz geplante Lehrerseminar wird, wie nunmehr verlautet, nicht in Posen, sondern in unserer Stadt errichtet werden. Ein großherziger Sohn unserer Stadt, der Rentier Moritz Rohr, Sohn des verstorbenen Abraham Rohr s. A., will nämlich zum Andenken an diesen durch Frömmigkeit und Wohlthätigkeitssini'. weithin bekannten Vater zu dem genannten Zweck die Summe von 300,000 M. hergeben und ein confortables Haus bauen, wenn — was conditio sine qua non ist — das Seminar hierher verlegt wird. Es dürfte gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Herren Unternehmer diese Bedingung sammt dem generösen Geschenk dankbarst aeeeptiren werden. Wo solch pietätvoller, und für die wahren Interessen unserer Religion begeisterter, opferwilliger Sinn noch herrscht, da ist Israel nicht verwaist. Der Leuchter im Tempel hatte zu jeder Seite 3 goldene Röhre, hier wird ein „Rohr" einen heiligen Leuchter fundiren, von dem gar viel Licht ausströmen möge in Israel. In Salzkotten feierte am 22. Juni Herr B. Rosen - be rg, ein in Mitte der 70ger und noch in voller Geistesfrische stehender Herr nach 50 jähriger pflichtgetrener, aufopfernder Verwaltung seines heiligen Amtes sein Jubiläum als Mohel. Am 22. Juni 1835 begann er seine Function als „Pionier des Judenthums" mit Hintanstellung jedweden materiellen Interesses. >vo es „Roth" that, opferwillig spendend, um auch den Bedürftigen den Tag der B'rith-Mila zu einem Familienfrendenfeste zu gestalten, den Schlaf zahlloser Nächte opfernd, uni zeitig an Ort und Stelle zu sein, weil er ob seiner Tüchtigkeit nach weit und breit Berufen wurden. Er hat bis jetzt über ein halbes Tausend Heldenthaten mit „Blut und Eisen" aufzuweiseu, möge es ihm vergönnt sein, nicht nur die 830, — den Zahlenwerth seines hebr. Vornamens 731V1V' — sondern die „1000" voll zu machen und er den Genuß eines ruhigen heiteren Lebensabends als „Lohn davontragen" — 73V W! London. 26. Juni. (Or.-Corr.) Baron Nathaniel v. Rothschild, der älteste Sohn des ersten Juden, der im engl. Unterhause saß, ist zur Pairswürde erhoben worden, und wird fortan seinen Sitz im Hause der Lords des englischen Parlaments einnehmen. Er ist der erste Jude in England, dem diese Auszeichnung geworden, und hoffentlich wird er auch nicht der letzte sein. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß es der zurücktretende Premier-Minister Mr. Gladstone war, der diese Auszeichnung bewirkte. — Baron de Worms ist zum parlamentarischen Secretär des Handelsamtes ernannt worden. Er ist der erste Israelit, der in England ein ministerielles Amt bekleidet. In Marschau hat ein jüd. Confeclionshändler alle jüd. Näherinnen entlassen und nur die christlichen behalten! In Moskau ist der antisem. „Golos," den die christl. Kaufmannschaft mit vielen Opfern gegründet hat, selig (?) entschlafen. — In Luöki« wurde der Grundstein zu einem jüd. Krankenhause gelegt. 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.