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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-06-25 · N° 26. (25.6.1885) · p. Seite 215

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 26. (25.6.1885)
Date
1885-06-25
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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— 215 — Rumänien. Bukarest Wir hoffen, daß die 12 (eigentlich 14) jüd. Abgeordnete im oftert. Reichstage und die Wahrmann und Falk in Ungarn darauf achten werden, daß in dem neuen Oesterr.-Rumä». Handelsverträge keine Bestimmung zugelassen wird, welche die ausländischen Juden in eine Ausnahmestellung drängt — und damit die Unterdrückung der inländischen Juden verewigt! Rumänien braucht Oesterreich mehr als Oesterreich Rumänien! Wer am kaltblütigsten fest bleibt, der setzt es durch. Und wenn Judenhaß auch das gentlemanlikeste Vergnügen hier zu Lande ist — Brod kommt vor dem Spaß! Daß der Senat ein Naturalisationsgesuch (eines Herrn Reinstem) zurückgcwiescn hat, weil cs nicht erwiesen sei, daß der Betreffende in Rumänien geboren ist, nachdem 2 Jahre vorher der Vater des R, die Naturalisation erhalten hat — ist wieder ein Pröbchen des politischen Anstandes und der . . . Sittlichkeit in Rumänien, — Der Prüfect von Dorohoi, Moruzi, ist für seine Verdienste um die Christianisirung Rumäniens nach Bukarest versetzt worden. Hier hat er damit debutirt, daß er einige hochachtbare Juden ausfangen und cinsperren ließ, weil sie angeblich in Straßen spazieren gegangen wären, wo sie nicht hinkommen dürften!! — In P l o t sch e n i hat ein Antiscmit einen Gutsbesitzer geprügelt, — weil er geglaubt hat, eine» Juden vor sich zu haben, und ist dafür in's Loch gekommen. Palästina. Jerusalem, Am 18. Mai hat es hier (was selten in dieser Zeit vorkommt) geregnet und gehagelt. Unter Vorsitz des Herrn Wicsotzky ist hier ein Beschluß gefaßt worden (und in russ, Blättern tönt sein Echo schon nach. Red.), welcher ganz die Anschauung wiederspiegelt, die die „Jsr. Wochenschrift" von Anfang an festgchalten hat. Man muß sich daraus beschränken, die schon im Lande Angesiedelten zu unterstützen. Neue Colonisten könne man nicht brauchen — außer, wen« sie Geld haben, und das möglichst viel. Circa 8000 M. ohne das Reisegeld sind das kleinste Anlagekapital. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Der hies. Zeit, wird aus Berlin geschrieben: „Wie ein namhaftes Synodemitglied uns mittheilt, wird seitens der Kreiswie der Provinzialstinode die Angelegenheit des Hofpredigers Stöcker angeregt werden, falls bis zum Zusammentritt der einen oder der anderen synodalen Körperschaft nicht erkennbar geworden ist, daß die kirchliche Aufsichtsrathsbehörde ihrerseits das Erforderliche gethan hat, um in ausreichender Weise Remedur zu schaffen. Es ist aber nach unserm Gewährsmann nicht zu besorgen, daß Consistorium und Oberkirchenrath die Sache versumpfen zu lassen gewillt sind, daß also die Synoden bei Wiederaufnahme ihrer Geschäfte nicht genöthigt sei» werden, die Initiative zu ergreifen. Man muß durchaus annehmen, daß Herr Stöcker den Urlaub, auf welchem er sich bis aus Weiteres befindet, nicht erbeten hat, sondern daß er ihm von offizieller Stelle ertheilt worden ist, und wenn dies in schonender Weise geschah, so schließt die milde Form ein energisches Vorgehen in der Sache nicht aus. Ilerli«. In dem Proceß Stöcker ist von Seiten des Vertheidigers des Angeklagten Bäcker, Rechtsanwalt Sachs, die Revision eingelegt worden. Da nämlich die Gefängnißstrafe nur mit Rücksicht auf die Vorstrafe des Angeklagten wegen Majestätsbeleidigung erkannt worden ist, es aber feststeht. daß diese Verurtheilung nur wegen unvorsichtigen Abdrucks eines Berichts über einen Majestätsbeleidigungs-Proceß erfolgt ist, so haben der Angeklagte und sein Vertheidiger die Hoffnung, daß bei einer erneuten Verhandlung des Processes die Gefängnißstrafe schließlich noch in eine Geldstrafe umgewandelt werden wird. Kokberg, 18. Juni. Heute Nachmittag 5 Uhr wurde die sterbliche Hülle unseres allverehrten Sanitätsraths Or. Hirschfeld zur letzten Ruhe bestattet. Dem Trauerzuge folgte ein fast unabsehbares Leichengefolge aus allen Berufsklaffen und bekundete so die innigste Theilnahme an dem großen Verluste, den die Stadt durch das Hinscheidcn eines der edelsten Bürger erlitten. In den Straßen hatte eine zahlreiche Volksmenge Spalier gebildet, sie wollten alle dem unermüdlich um ihr Wohl besorgten Arzt und treuem Freunde und Wohlthäter ihren letzten Abschiedsgruß darbriugen. Am Grabe hielt Rabbiner Or. Goldschmidt eine ergreifende Rede, die fast kein Auge trocken ließ und in der er an die hohen Tugenden und großen Verdienste des Heimgegangenen, die dieser sich in der Güte und Milde seines Herzens und in seiner lebhaften und regen Theilnahme am Wähle der Menschheit, sei cs in seinem Berufe als Arzt, oder in seiner Stellung innerhalb seiner Gemeinde, wie in seiner hingebenden Wirksamkeit für die Interessen der Kommune, während mehr als dreißigjähriger Thätigkeit erworben. Ja, es ist ein großer, unersetzlicher Verlust, der am tiefsten und schmerzlichsten von den Angehörigen des Entschlafenen empfunden, aber auch in der ganzen Bevölkerung unserer Stadt ganz und voll getheilt wird; sein Andenken wird stets in Ehren bleiben. Seine Grabstätte ist die erste, die der Kirchhof der jüdischen Gemeinde umschließt, und diese kann mit Wehmuth und Stolz auf sie Hinweisen. Friede seiner Asche! Kannover, IS. Juni. Die hiesige Zeitung berichtet: „In der gestrigen Sitzung des Repräsentanten-Kollegiums wurde Herr vr. Kroner, Rabbiner zu Erfurt, einstimmig zum Oberlehrer und Leiter der Religionsschule gewählt. Mit diesem Amte ist dasjenige eines Direktors der hiesigen Bildungsanstalt für jüdische Lehrer voraussichtlich vereinigt, da es keinen! Zweifel unterliegt, daß der Gewählte von dem königlichen Provinzial - Schul-Collegium hierfür designirt werden wird." (Herr Or. K. hat die Wahl angenommen.) Mieskaden, im Juni. (Or.-Corr.) Seit Beginn des neuen Schuljahres ist auch an den höheren Lehranstalten unserer Stadt (Gymnasien und Obecrealschule) der Religionsunterricht eingesührt worden. In den oberen Klaffen dieser Anstalten wird der Unterricht vom Rabbiner Or. Silberstein ertheilt. Mieskaden, im Juni. (Or.-Corr.) Mit dem Eintritte der Badesaison vermißt man hier eine Restauration, die den Ansprüchen unserer den besseren Claffen ungehörigen Glaubensgenossen zu genügen vermag. Dem Begründer einer solchen könnte ein sehr günstiges Prognosticon gestellt werden. Demselben würde allein schon dadurch wesentlich Förderung zu Theil werden, daß ein hier seit Jahren bestehender geselliger Verein, der die besseren Elemente der hiesigen zahlreichen Gemeinde in sich schließt, gern seine regelmäßigen Zusammenkünfte und Festlichkeiten in den betreffenden Localen gegen entsprechende Miethe abhalten würde. Ans Mähre«. Der Rabbiner von P r e r a u, vr. Singer, ein Schüler des Hildesheimer'schen Seminars, der selbst für Or. Berliner zu orthodox ist (okr. Targum Onkelos. S. 199.), ist nach dem Elsaß gegangen. Aaris. Herr Hement hat die Hälfte des Halphen- Preises durch die Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften erhalten. In Iirody ist dem wiedergewählten Abgeordneten Herrn Ritter v. Kallir ein Fackelzug gebracht worden. Aus Freude darüber gab der Schwiegersohn des Herrn Or. K., Herr Niernstein, 20000 Gulden an verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten der Stadt ohne Unterschied der Confession und der Mühlenbesitzer Herr Löwenherz vertheilte 1000 Gulden au die Armen. Konstantinopek. Der „Telegraph" (ein hiesiges Blatt) meldet im Namen des „Neologos" und ein jüd. Blatt in Jerusalem druckt es mit Fettschrift, daß die Deutschen im Begriffe stehen, zahlreich nach Syrien auszuwandern und sich dort anzusiedeln, was Bukarest begünstigt. Zur Zeit fänden Unterhandlungen mit der Pforte darüber statt. In Safet hat sich ein Verein gebildet, der Selbsthilfe plant. Wir wünschen ihm Gedeihen und Erfolg.

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