Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 24. (11.6.1885)
- Date
- 1885-06-11
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
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— 199 — vollsten hebräische» Büchersammlungen gezählt werden darf und die sehr reich an Handschriften, Jiicunabeln und alte» Drucken seinen Namen der fernen Nachwelt überliefern wird. seine Beerdigung fand unter großartiger Thcilnahmc der ganzen Gemeinde und zahlreicher Verehrer aus christlichen Kreisen: Universikätsprvfessore», höheren Staatsbeamten, statt. Er hatte sich alles Gepränge an Blumen, Gesängen und geräuschvolle» Ovationen, dem echten altjüdischen Geiste entsprechend, verbeten, und so gipfelte denn die ernste Feier in der crgrciicndcu, markigen, das Wesen und die Verdienste des Verstorbene» i» großen Zügen skizzirenden Grabrede des Herrn Rabbiners vr. Perl cs, dem der Verstorbene auch im Leben als Freund nahegestanden. Hierauf nahm der erste Vorstand der Gemeinde, Herr Herrmann Müller das Wort, um im Name» derselben dem Verstorbenen Worte dankbarer Vcrehrruig und Anerkennung nachzuruse». Das Andenken dieses Fromurcn wird in unscrer Gemeinde gesegnet bleibe»! Ikrankfurt a. M, l. Juni. Unter ungewöhnlicher Bctheiligung von Leidtragende» wurde heute früh Herr Arthur May zur letzten Ruhestätte geleitet. Dem Sarge voran gingen Klassen aus der Arnsburger- und der Annaschule. Unter dein Leichengesvlge befanden sich u. A. die Herren Polizeipräsident von M a d a i aus Berlin (der eigens zu dem Begräbniß hier ciilgetroffe» war), Polizeipräsident von Hcrgcnhahn, Oberbürgermeister Or. Miguel, die Sladträthe Or. Matti und Strauß, Stadtverordnete, Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses der Israelitischen Gemeinde, und der vielen gemeinnützige» und geschäftliche» Vcreinsvorstünde, denen der Verstorbene angehörte. Auf dem Friedhof sprach zuerst Herr Rabbiner Or. Hvrvvitz. Er schilderte die vorzügliche» Hcrzenscigenschafte» des Entschlafenen, seine opferbereite Hand für öffentliche inid religiöse Zwecke und die Pietät gegen seine Eltern, die er durch zahlreiche Stiftungen geehrt. Herr Stadtverordneter Rosenthal widmete Mamens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde seinem Heimgegangenen Präsidenten eine» Nachruf. Hierauf sprach .Herr Rabbiner Or. Plaut, indem er mit Trostesworten für die Hinterbliebenen schloß. Herr Oberbürgermeister Or. Miguel feierte den edlen Bürger, den das Gemeinwesen schmerzlich vermissen werde: heimlich und still habe er seine reiche» Spenden Armen zukommen lassen. Noch einen Tag vor seinem Tode habe der Verstorbene zu ihm seine Freude ausgedrückt über die Thcilnahnic, die ihm von allen Seiten kuiidgcgcbcn tverde, und gesagt: Das sei der schönste Lohn seiner Thatcn, aber unverdient, weil sein Herz ihn dazu bewogen. Ucber das Grab hinaus werde ihm die Liebe der Menschen, werde» die Früchte seiner Thaten folgen. Namens des Vereins für das historische Museum legte Herr Otto D o u n e r - von Richter als Zeichen unverlöschlicher Dankbarkeit einen Kranz auf den Sarg. May hat in seinem Haus der Kunst eine Stätte bereitet, wie in keinem Haus in Frankfurt, und auch der wissenschaftlichen Richtung, die der Verein verfolge, seine Unterstützung gewährt. Ihm seien die schönsten Bereicherungen des Museums, namentlich die Funde aus Heddernheim zu verdanken. Herr Rektor Herber widmete Namens der Annaschule dem Wohlthäter der armen Kinder und stets bereiten treuen Helfer in der Noth einen Kranz. . Herr Justizrath Or. Hamburger dankte dem Verstorbenen für die treuen und bewährten Dienste die er immer der neuen Theater-Aktiengesellschaft geleistet, worauf Herr Intendant Claar einen weiteren Kranz auf den Sarg legte. Der Sarg wurde der Erde übergeben und das Grab jschloß sich über der Leiche des Mannes, der so vielen Anstalten eine Stütze und zahlreichen Familien ein Helfer war. Vermischte und neueste Nachrichten. Prrliu. Dies diesjährige Rabbinerversammlung ist für die erste Woche des O c t v b <- r i„ Breslau in Aussicht genommen. Aerkin. Da nach dem preußischen Gesetze, betreffend de» Austritt aus den Synagogeugemeindcn, der aus einer Synagogcngeineinde Ausgeschiedene damit das Recht, auf dem Begräbnißplatzc der Synagogengcmeinde begraben zu werden, verloren hat, so sind mehrfach Zweifel und Streitigkeiten darüber eutstaudeu, ob die Leiche eines solchen auf einem christlichen Kirchhofe untcrgcbracht »erden müsse. Seitens der betreffenden Behörden wird — und zwar auf Grund einer Entscheidung der Minister des Cultus und des Innern — stets dahin verfügt, daß auch Israeliten, weil sie an den betreffenden Lasten Iheilnehmcn müssen, sich der Communal- Friedhöfe zur Beerdigung von Leichen bedienen können, dagegen nicht das Recht haben, die Ueberweisung einer besonderen Äbtheilnng auf diesen Friedhöfen zur ausschließlichen Benutzung zu verlangen. Aus diesem Grunde hat die hiesige Austrittsgemeinde Adaß Jisrocl z. Z. eine» bcsondern Friedhof für ihre Getreuen käuflich erworben. Kalke a. S. Die Einweihung der durch Anbau erweiterten Synagoge soll gleichzeitig mit dem 25 jährigen Amtsjubiläum niiseres Rabbiner Herrn vr. Fröhlich am 28. d. Mts., festlich begangen werden. Arankfurt, 15. Mai. Die israelitische Waisenanstalt, Knabcnabthciluttg, beherbergte Ende 1884 27 Zöglinge. Die vor zwei Jahren gegründete Mädchcuabthcilung erhielt von einem Ungenannten M. 25,000 und von Freiherrn und Freifrau Wilhelm von Rothschild M. 20,000; dadurch war sie in den Stand gesetzt, ein besonderes Haus zu erwerben und vier weitere Pfleglinge aufzanehmen, so daß jetzt 12 Mädchen in dem Hause sind. Die Knabenabtheilung erhielt an Geschenken und Legaten M. 16,771 (darunter M. 3000 Legat des Herrn vr. Odrell, M. 1500 Legat der Freifrau Lionel von Rothschild, M. 1000 Legat des Herrn Z. W. Wcrthcimber und M. 1000 von Frau Joses Oppenheim in Brüssel), an Jahresbeiträgen M. 6092, desgleichen für besondere Zöglinge M. 2255, Zinsen M. 2934, Einnahmen aus der Synagoge M. 552. Die Ausgaben betrugen M. 24,743. Zinsen M. 1345. Die Mädchenabtheilung empfing an Geschenken (exclusive obenerwähnter M. 25,000 von einem Ungenannten) M. 25,624, jährliche Beiträge M. 2706, desgleichen für bestimmte Kinder M. 600, Zinsen M. 3747 und verausgabte M. 8932. Kreutzburg G. Sch. Am 3. Juni fand hier die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge, bei welcher Herr Rabb. Or. Münz die Weiherede hielt, unter großer Betheiligung der Honoratioren unserer Stadt, der Spitzen der communalen und militärischen Behörden — auch die evangelische Geistlichkeit fehlte nicht — statt. Wien. Wie cs heißt, soll nun Baron Alexander Popper hierher ziehen, um — was in Ungarn nicht gestattet ist — hier durch den Civilact mit seiner christl. Braut getraut zu werde». Mit«. Briemann Justus hat ein Buch geschrieben „Awne Siokoron“ — aber dieses Buch ist abgeschriebcn aus „Machase Awrohom“, gedruckt in Fürth 1757 und angehängt dem Buche „Maarnar Awrohom“ von dem Rabbiner Abraham Wallerstein. "Nest. Simondi, der aus der Ungar. Antisemitenpartei ausgetreten ist, beschuldigt seine Genossen, daß sie die Juden nur aus Privatgrllnden und in selbstischem Interesse befeinden, während er den Kampf des Christenthums gegen das Judenthum führen will. Von seinem Zeugnisse gegen die Antisemiten wollen wir jedenfalls Akt nehmen. TWa-Etzkar. Zum Wiederaufbau der hieß Synagoge, hat die ungar. Regierung auf Gesuch der isr. Landeskanzleikassen 500 Gulden bewilligt. Versailles. Die von Herrn Aldrophe erbaute Synagoge, zu welcher Frau Heine 200 000 Frcs. gespendet hat, soll zu Neujahr eingeweiht werden. In Aiunkaud debattirt der Landtag über Beibehalten oder Abschaffen der Juden, von welchen 898 Seelen, darunter 585 Kinder, im Lande leben.