Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 23. (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- Seite 191 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Auf Grund des Z 29 der Geschäftsordnung ist diese Petition im Büreau des Hauses zur Einsicht niedergelegt, und wird beantragt, dieselbe ohne Diskussion für erledigt zu erklären," Merkt«, Die „Gesellschaft der Freunde" gehört bekanntlich zu den älteste» jüd, Vereinen Berlins: sie wurd- 1792 begründet, zu ihren Stiftern gehörte Joseph Mendelse sohu, der älteste Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn. Aus der ersten Liste der Mitglieder ist der Criminalralh Eduard Hitzig verzeichnet. Das älteste derzeitige Mitglied der Gesellschaft ist der Gelehrte Leopold Zunz, der im 91. Jahre steht. Er gehört seit den 20er Jahren dem Vereine an, Ihr bisheriges Domicil, (Neue Friedrichstraße 35), welches die Gesellschaft seit 1821 inne hatte, wird dieselbe nächstens nach Sommers Salon (Potsdamerstraße) verlegen, welches Grundstück sie angekauft hat. Merkt«. Der Cultusminister hat augeordnet, daß Erhebungen darüber angestellt iverden, in welchem Umfange in den öffentlichen Schule» für die religiösen, resp, konfessionellen Minoritäten der Religionsunterricht ertheilt wird oder auch in Zukunft wird ertheilt werden können. Zu diesem Zweck ist, nach der „Germania," den Lehrern an den einklassigeu Schulen und den Hauptlehrer,i und Reetoren an den mehrklaisigen aufgegeben worden, daß dieselbe» sofort die an sie in dieser Beziehung gestellte» Anfragen beantworten. Nächst der Bezeichnung des Ortes, soll der konfessionelle Charakter der Schule, die Zahl der Lehrer und ihre Konfession,, die Zahl der Schulkinder und ihre Konfession angegeben, sowie Auskunft ertheilt werden, in welcher Weise für den Religionsunterricht der Minoritäten gesorgt ist: in letzterer Beziehung soll angegeben werden, ob der Unterricht von Lehrern der Schule selber oder von anderen Personen, und in wie viel Stunden wöchentlich ertheilt wird, sowie, ob Kinder verschiedener Klassen oder Schulen eines Ortes oder mehrerer Ortschaften in einer Abtheikuug vereint werden. Schließlich soll gesagt werden, welche Remunerationen für die besondere Ertheilung des Religionsunterrichts bezahlt und aus welchem Fonds dieselben entnommen werden. Areska«. (Or,-Corr,) Der deutsche Rabbinerverein wird, wie ich erfahre, in diesem Jahre (Anfangs Juli) seine Conferenz in hiesiger Stadt abhallen, Koökerrz Die kathol, „Volkszeitung" hier schimpft über die jüdische Presse, — man weiß nicht recht, meint sie das diesen Namen tragende Berliner Blatt oder alle jüdischen Zeitungen,— daß sie Dr. Ecker in Münster Schaden znfügen wollen. Hierbei erklärt sie. daß die „100 Gesetze des Judenkatechismus" nicht von Dr, Ecker herrührten! — (Wie wahrheitsliebend und wie wissensreich dieser Herr sich in der von ihm anerkannten Schrift gezeigt hat, ist durch Dr, Lewin's Schrift s. Z, gründlich nachgewiesen worden!*) Wie er es aber hat geschehen lassen, daß sein Name auf ein nicht von ihm herrührendes Buch gesetzt wurde, das muß doch erst etwas besser erklärt werden, A«« Württemberg, 26. Mai. (Or.-Corr.) Am 16, d, M, feierte die israel, Gemeinde BrüsiIlgen das 25 jährige Dienstjubiläum des ihres Lehrers Kahn, An der Feier betheiligten sich der Bezirksrabbiner Dr. Jaraczewsky von Mühringen, der Bezirks- und OrtSschulinipektor, beide katholische Geistliche, viele kath, Kollegen und Freunde des Jubilars, Auch der Ausschuß deS Israel, Lehrervereins widmete demselben eine Adresse, Dem Gefeierten wurden von Gemeinde, Schülern und Freunden werthvolle Geschenke überreicht und Zeichen der Theilnahme gegeben. Stuttgart. Die hiesige israelit, Gemeinde hat die durch Pensionierung erledigte Stelle des ersten Kantors, dem zweiten Kantor, Herrn Gundelstnger, übertragen. *) Dieselbe wird gegen Einsendung von 60 Ps, franco versandt dnrch die trrped, d. Bl. — Im Jahre 1884 sind in Württemberg 3 Israeliten zur evangel, Kirche übergetreten. Straßöurg i, K,, 15. Mai, Ein aus allen Schichten der Bevölkerung gebildeter großer Zug geleitete die Leiche des Herrn S, Wolf, ehemaligen Verlagsbuchhändlers in Musikalien, zu Grabe. Er war die Seele aller wohlthätigen und gemeinnützigen Bestrebungen und sorgte besonders für die verschämten Armen! Weh. Ein jüdisches Mädchen, das schwer erkrankt war, hat eine Pilgerfahrt nach Lourdes gemacht und dort gelobt, es werde sich tausen lassen, wenn es geheilt würde, — Der Tod hat ihm bald »ach der Heimkehr Heilung gebracht. D. S1rako«ih (Böhmen >, 22. Mai, Die amtliche „Wiener Zeitg," von gestern theilt mit, daß der Kaiser von Oesterreich dem Dr, Saul Jsak Kämpf anläßlich seines bevorstehenden Uebertrittes in den bleibenden Ruhestand in Anerkennung seiner vieljährigen ersprießlichen Wirksamkeit im Lehramte und in der Wissenschaft den Titel eines „k. k, Regierungsrathes" zu verleihen geruhte, — Dr. Kämpf ist bekanntlich Professor der semitischen Sprachen an der Prager Deutschen Universität, Bei dieser Gelegenheit will ich noch erwähnen, daß Dr, K, am 17, Januar 1846 seine Antrittspredigt am Prager Tempel abgehalten hat. Derselbe feiert demnach erst im nächsten Jahre, nicht, wie es jüngst in diesem Blatte hieß, am nächsten Sukkotfeste, sein 40jähriges Amtsjubiläum, Arad. An Stelle unseres jüngst verstorbenen Rabbiners Dr, Steinhardt ist in Folge einer hier in ungarischer und deutscher Sprache gehaltenen und mit Begeisterung aufgeuommenen Gastpredigt der Hr. Rabbiner Dr. A, Rose» berg aus Kaposvar einstimmig znin hiesigen Rabbiner gewählt worden, R,, ein ehemaliger Schüler Hildesheimers, gehört zu den freisinnigsten Rabbinern Ungarns. Angara. Der neueste Colonisationsu 1 klautet: Dr, Eotvös hat an den Sultan eine Bittschrift gerichtet, in welcher er die Rückgabe Palästina» an die Inden auf Grund einer Vorschrift des Koran fordert. Dort heißt es nämlich: Wenn ihr mit Schwert und Bogen Länder erobert von Leuten, denen das Land gehört, so ist es euer. Aber erobert ihr es von solchen, die das Land Andern abgezwungen haben, so müßt ihr es den ersten Eigenthümern zurückgeben, wie Abraham eS Bera dem Könige von Sodom gethan hat — u, f, w. Schade, daß dies ivitzige Pröbchen nicht zum 1, April in die Welt geschickt ivorden ist, Hrodeck, bei Lemberg. Der famose Justus hat noch vor Pessach hier seiner Frau, der Tochter eines Rabbiners in einer kleinen Stadt bei Botuschatsch, „Get“ (Scheidebrief) schreiben und senden lassen, Maris, Die Lotterie für die Wohlthätigkeitsanstalt hatte 3453 geschenkte Gewinne außer dem vom Präsidenten der Republik gespendeten. An Loosen wurden 85,500 (9000 weniger als im vorigen Jahre — Zeichen der schlechten Geschäfte — abgesetzt. Makästina. Die Vorhalle vor dem Grabe Rahels war offen und wurde von den Hirten als Stall mißbraucht, Nachden, von einem vornehmen Mohammedaner die Anregung dazu gegeben war, wollten die inoham. Bewohner der umliegenden Dörfer die Oeffnung verschließen, und nur mit Mühe und Koste» gelang es der jüd. Gemeinde in Jerusalem, daß sie das Nöthige allein vollführen und im Besitze bleiben konnten, Mitgetheilt zu werden verdient, daß der „Maskeres Mosche"- Verein (Kattowitzer Gründung) Kadesch kaufen will, aber es soll der exorbitante Preis von 200 000 Mk, dafür gefordert sein! — Aktien sollen die Unsumme aufbringen. Wenn „Jew, World" es beklagt, daß die reichen Inden die Schweiz und Italien, nicht aber Palästina zu ihren Sommerausslügen wählen — so hat es das altgriechische Sprichwort vergessen: Nicht jedem Menschen paßt nach Korinth die Fahrt! Bis jetzt ist eine Reise nach und in Palästina niehr voll Arbeit uüd Entbehrung, als voll Vergnügen gewesen!