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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-05-14 · N° 20. (14.5.1885) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 20. (14.5.1885)
Date
1885-05-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 20 Magdeburg, 14. Mai 1885. XVI. Sflljrg. ♦ 44? für die religiösen und socialen Interessen des Jndenthums. „ « r? s ■ - - » Wöchentlich erscheint je eine Nuinncr der „Machen sch vifl", deS „Famili envlatt»" u. de-- „Litleralnrblatl*". Preis für alle drei Ktatter bei allen Postämtern u. Buchhandlungen 3 3Vtar3t vierteljäkulich. Mit direkter Zusendung: jährlich 14 Mart, nach dem ÄuSlandc: 16 Mk. (8 fl., 20 Frcs.. 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k 26 Pf-, de« „lütterawr-Blattsk 1B Pf. des „Fanitlien-BlattS k 10 Pf. JäS - S Verantwortlicher Redactenr und Herausgeber i Rabbiner ür. W. Hlahmer in Magdeburg. fiir Wihrheil, ßkcht ind!rie»c>! Knseralr Nit v>c ..Israelitische W o ch c n ' cB r i f l", wie für das „Jüdische Likteralur-Biatt". ' die kleingcspaltene Velikzcilc oder deren Raum 85 i^f. nnd entweder dltrch die Annoncen- Expeditionen von Q-_ Xj- Ds.n crs Sc Co., ^RudolflKdosse, Haasenstein Sc ~KTogier u. R. oder direct eiiliui'enden an :! Air Svpedtlion drr ..K»raeUi. Wochenfchrift" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Musterungen. — Aus der Praxis. Berichte und borrespondenze»: Deutschland: Magdeburg. Berlin. Dresden. Berndnrg. 'Aus Oberschlesien. Ober-Jngclheini. Heilbronn. Frankreich: Paris. Palästina: Jcrusaleni. — Jaffa. Berniiichte »nd neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Hamburg. Hannover. Elsasi-Lothringen. Göppingen. Rördlingen. Wien. Pest. Aus Galizien. Paris. Paris. Paris. Paris. Tunis. Constaniinopel. Zanzibar. Znserate. Briefkasten. > Wochen- Mai. 1885. Jjar 5645. Kalender. Donnerstag . 14 29 Omer 44 Freitag. . - 15 1 Rosch Chodesch Siwan 45 Sonnabend 16 2 1DHS3Perek6.(S,SS),. 46 Sonntag . . 17 3 « Montag. - . 18 4 48 Dienstag . . 19 5 v 42 Mittwoch . . 20 6 Schowuaus 1. Tag Donnerstag . 21 7 » 2- Musterungen. Zu Anfang des vierten Buches Mose's, das wir diese Woche zu lesen beginnen, sind in unserer Thora einige Kapitel ausgenommen, welche nichts als statistische Zahtenangabe» über die Kopfzahl der einzelnen Stämme enthalten; hiervon hat bekanntlich das ganze vierte Buch den Namen CPTlpSn 'D „das Buch der Musterungen" (oder Numeri) „Zahlen" erhalten. Wer in der Thora einen Katechismus oder ein systematisches Religionslehrbuch zu finden erwartet oder auch nur eine Anthologie religiöser Erzählungen und Lehren, stutzt bei diesen scheinbar nichtssagenden dürren Zahlen. Unsere alten Erklärer, welche mit der ganzen Liebe heiliger Begeisterung die Thora lesen, Nichts Ucberflüssigcs in derselben annehmen konnten, in Allem den unsterblichen, ewig wallenden Geist der gotterfüllten prophetischen Schriftstellerei suchten und mit ihrer feinsinnigen Findigkeit auch fanden, gaben schon einen herrlichen Grund für die Thora-Statistik an. Sie sagten: „Weil der Allheiligc sein Volk so innig liebte, darum zählte er cs öfter und gerade dann, wenn es böse Tage durchgemacht hatte." Für uns liegt der allgemeine ethische Gedanke in diesem Satze, daß die Pflege der Statistik eine Pflicht ist, welche aus wahrer Liebe für das Wohl eines Volkes, einer Gemeinschaft hervorgeht. Es ist zwar sonst der Jrr-Glaube hin und wieder anzulreffcn, als wenn das Zählen Schrecken bringe und mancher unter den Israeliten, besonders denen aus dem Lande cursirende Spruch, manche Sitte verdankt dieser Furcht ihren Ursprung. Aber diese Erscheinungen sind nicht im Einklänge mit den Lehren der Thora und den weisen Lehren der talmudischen Ethik. Aus diesem Grunde wäre es nur gebieterische Pflicht für die, welche es gut meinen mit den Juden, aufmerksam das Entstehen und Vergehen von jüdischen Gemeinden, das Verhültniß der Seetenzaht in den einzelnen Gemeinden und in den einzelnen Staaten zwischen Juden und Andersgläubigen, das Ein- und Auswandcrn aus Gemeinden, Bezirken, Provinzen und Ländern, die Berufswahl, Beschäftigung, Ehrenstellnng und Lebensalter, die Gesundheitsverhältnisfe, die Eheschließungen, insbesondere aber den Antheii, welchen die Israeliten der einzelnen Länder an ihren Cultur aufgaben haben, zu beobachten. Diese Aufgabe wird nicht in dem Sinne von den Bureau's der einzelnen Staaten betrachtet und gelöst, daß man sich mit dem da gesuchten und gefundenen Material begnügen könnte. Denn einmal hat der Staat bei Weitem nicht das Interesse an der Judenheit, insbesondere an ihrer religiösen, wissenschaftlichen, culturellen Thätigkeit, wie sic der die geistige Aufgabe des Jndenthums begeistert liebende Jude haben muß, andererseits wird der Blick so mancher staatlicher Bureaubeamten durch politische Borurtheile getrübt. Darum müssen wir es als eine noch ungelö ste Aufgabe des w i ssenschaftlich befreiten Judenlhums halten, eine auf wissenschaftlicher Basis aufgebaute Statistik des Jndenthums ins Leben zu rufen. Naturgemäß füllt diese Aufgabe, mit welcher man jedem einzelnen Staate, der allgemeinen genaueren Kenntniß des Jndenthums selbst einen großen Dienst erweist, zunächst den Centren zu, welche für die geistigen Interessen des Jndenthums in den einzelnen Ländern thätig und in der Lage sind, die Anregung zu einem solchen Werke zu geben, an dem naturgemäß die Juden selbst liebevoll Mitarbeiten müssen.

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