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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-05-07 · N° 19. (7.5.1885) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 19. (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 19 Magdeburg, 7. Mai 1885. XVI. Jahrs. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. 3 0 Veramworllichei dicbactcur und Herausgeber: u. Btichliandlimgcn 3 JSSLaxis. Difrtri)ai)ruaj. Sfflb&ÜtCr I)l\ ^41. 'StiltylttCt tlt 9J?CUjÖc6lU{]. Mit dircctcr Zujendung: ,ährlich 14 Mark, nach dem AuSlattoc: 18 Mk. (8 fl., 20 Frcs.. 8 Rbl.. 4 Dollars). _ - Einzelnummern der ..Wochenschrift" k 25 Pf.. für Mgbxb xjt. ficAt IIttb Fried kli! des „Littercttrr-BiatlS" ü 15 Pf. ' 4 * des „FanilUcn BfatkS k 10 Pf. e-.----- - 5« Wöchentlich erscheint je eine Nunmer der „Wochenfchrtft". des „Famtllrndl alt»" u. des „Litt-ratrrrdlatt»". Preis tür alle drei MLtter bei allen Postämtern s; - # In lerat» , für die ^Israelitische Wochenschrift",; wie für da-S „Jüdische Littera tur Bla tt". ( die kleinqespaltene Petiizeilc oder dcrcir Raum > > 85 Pf. sind entweder durch die Annoncen- \ Exveditionen von O--1-,- lOanlss Oo., ririd-olf Ivlosse, Haasenstein Sc "Vogler n. A. oder direct einznsenden an: l Pie Erpedition der „Israelit. Wochenschrift" in Magdeburg. iS $s Inhalt: L eitendc Artikel: Gedanken einer Jiidin über das Judenthnin in Ber^antjendeit. Gegenwart und Zukunft. (Schluß.) — Aus der Praxis. Berichte und Svrrespondenzen: Deutschland: Magdeburg. Lber-Jngclhelm. Paderborn. Beuthen O.-Schl. Emden. Aus Hesse», .hoschmin. Ocsterreich-Uugarn: Wien. Wien. Wie». Lciubcrg. Brünn. Bermi'.chte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Berlin. Berlin. Berlin. Posen. Bernburg. München. Frankfurt a. M. Freibnrg. London. Budapest. Rumänien. Constanlinopcl. Jerusalem. Widdi». In erate. Briefkasten. Wochen- Alai. 1885. Jjar 5845. Kalender. Donnerstag - 7 22 Omer 37 Freitag. - - 8 23 i >> 88 Sonnabend 24 : ^prn,rnPerek5.), 39 'Jtoummöeiniegmmn. (8,35) Sonntag . . 10 25 .. 40 Montag. - - 11 28! 41 Dienstag . . 12 27 j 42 Mittwoch . - 13 28! 43 i ” Donnerstag . 14 29 | „44 Gedanken einer Jüdin über das Jndenthnm in Vergangenheit, Gegenwart «nd Ankunft. (Schluß.) Jedoch noch in einer ander» Weise stellt das Judenthum ein Wunder in der Weltgeschichte dar. Die Rothschilds beherrschen den Geidinartt und werden immer noch vielfach von den Groszen dieser Erde umworbe». Allein die Juden besitzen noch andere Reichthiimer als Capitalien und Wechsel. Der Kampf ums Dasein hal ihren Geist von Geschlecht zu Geschlecht immer mehr geschärft, und in allen Zweigen des Wissens sind sie jetzt hervorragend und zum Thcil Führer geworden. Der wahre Beruf des Judenthums liegt aber nicht darin, Schätze in Gold zu sammeln und auf dem Felde der Wissenschaften Füchte zu ernten, sondern seine Mission besteht in der Verbreitung und Befestigung der sittlichen Idee. Die Aufgabe, die den Juden gestelli worden: „Ihr sollt mir ein Priesterreich und ein heiliges Bott sein,- sie haben sie nicht nur in der Keuschheit und Setbstbeschränkung bcthätigk, sondern sie sollen in diesen Tugenden auch für alle Zukunft den Völkern ein lcuchkendes Vorbild sein. Züchligkeit und Enthaltsamkeit haben die Juden gesund und kräftig, ausdauernd und widerstandsfähig erhalten, inmitten aller Völker, die neben ihnen im geschichtlichen Verlaufe durch Unsittlichkeit und Unmüßigkeit zu Grunde gegangen sind; sie waren der Jugendbruiinen, der ihnen nach allen Bedrückungen stets neue Lebenskraft und inucrn Halt verliehen hat. Wenn aber das Jndenthnm, was seine Mission betrifft, vornehmlich als Träger der monotheistischen Idee zu gelten hat, so hat der Monotheismus des Judenlhums zunächst und ursprünglich eine negative Sekte, also eine ethische Bedeutung: Er sollke die Juden zurückhatten von der dem Kultus anderer Völker anhaftenden moralischen Verderblich, er svllte vor Allem auf die höhere Ethik Sinn und Gedanken richten. Und wenn die heiligen Bücher die Gebote der Sittlichkeit und Heiligkeit in religiöser Form, als Gottes Wille und Geheiß, ausprägen, so hatte dies seinen guten Grund; denn für ein Gemeinwesen, dessen Hauptstütze Recht und Gerechtigkeit sind, war es nicht angängig, daß jedes Mitglied sich das sittliche Leben erst durch eigene Dcnkopcrationen construiren sollte, hier niußte das Sittengesetz als ein Gebot Gottes hingestellt werden. Was endlich den Talmud betrifft und die tausend Borschristcn und Ceremonien, die es den Kindern der Gegenwart so schwer machen, am Judenthnme in seiner bisherigen Gestalt festzuhalten, so ist der R i t u a l i S m u s nicht als Fundamentaldogma — als solches gilt die höhere Ethik und die höhere Gottesidee — anzusehen, sondern lediglich als Milt et für die Realisirung dieser Cardtnat-Principien. Alle jene Gebräuche sollten ja nur dazu diekien, dem heidnischen Sinn keinen Einlaß zu gewähren in die Herzen des gedankenträgen Volkes, sie sollten eine Umzäumung sein, damit kein roher Fuß die zarten Pflanzen der Glaubensfreudigkeit und des sittlichen Slrebens in den jüdischen Gemüthern zerstöre. Hub wenn vielleicht auch in übergroßer Vorsicht und Aengsttichkeit, in dieser Beziehung hier und da des Guten etwas zu viel geschehen ist, so lehren ja die Tatmndistcn selber, daß in der messianischen Zeit — d. h. wenn das ethische Ideal überall gesiegt haben ivird — der Ritualismus aushöreii werde, Bedeutung zu haben. Ganz abgesehen aber davon, so ist nicht zu leugnen und ist vielfach nachgewiesen ivorden, ivic zweckmäßig die Vorschriften sind, die das biblische Jndenthnm giebt, wie ja die Speisegesetze z. B. schon vom hygienischen Standpunkte in vieler Hinsicht zu rechtfertigen sind. Und was die „Absonderung von der Umgehn n g" betrifft, die man den Juden zum Vorwurf macht, so ist cs klar, daß das Jndenthnm nur durch diese strenge Absonderung erhalten und in sich befestigt werden konnte, und daß es vielleicht längst zu Grunde gegangen wäre, wen» es sich mit den übrigen Völkern, denen ihre Sittentostgkeit zum Verderben geworden, vermischt hätte.

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