Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 18. (30.4.1885)
- Date
- 1885-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 18. Magdeburg, 80. April 1885. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. r— & Wöckcntlick, erscheint je eine Nunmer der „Machen sch rtfl". deS „Lamtlteninlatl«" u. des ^Lltteeutnedintl»". > Preis für alle drei Klatter bei allen Postämtern! u. Buchhandlungen S Marlt vierteljähtlich. Mit dtreeter Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem AuSlanoe: 16 Mi. >8 fl., 20 FrcS., 8 Rbl., 4 Dollars). rinzelnurnn'ern der „Wochenschrift" k rK Pf., des „Litteratnr-BlattS" k 15 Pf. . deS „Faimlien>BlattS k 10 Pf. ii----— & Beramivortlicher Redacteur und Herausgeber: Rabbiner llr. W. Wahmer in Magdeburg. |ir {Dai]tl)rit, Kechl unk fritbti! 55 - /- $ tt ft V tt t * für die „Israelitische W o ch e » i <ti r i f t".!! wie für das „Jüdische LitteraturrBlatt". > die kleingespaltcnc Petttzeilc oder deren Re.llm l 85 p/. sind entivcdcr durch die Annoncen-; Expeditionen von GK Xj- Daube <te Co., Rudolf XvXosee, Haasenetein «Sc "Vogler u. A. oder direct einMsenden an : j Dir Erprdiiian der ..-»raelit. Machen- 1 schritt" in Magdeburg. n - 5ä Inhalt: Leitende Artikel: Gedanken einer Jüdin über das Judcnthum in Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft. — Ein allgemeiilcr Pensionsfonds für die jüdischen Cultusbeaniten. Von Dr. S. Weinstein. (Schluss.) Berictite »nd borrespoiideiijc»: Deutschland: Magdeburg. Berlin. — Berlin. — Hannover. — Königsberg L.-Pr. — Ans dem Regierungsbezirk Bromberg. — Hamburg. — Frankfurt a. M. Aus Württemberg. — Aus Rhcinhessen. Oesterreich-Ungarn: Brünn. Frankreich: Paris. Rusiland: Turek. Dermisckitc »nd neueste Nachrichten: Biagdeburg. — Magdeburg. — Creuzbcrg. - Berlin. — Danzig. — Württemberg. — Italien. — Zürich. — England. — Polen. — Jerusalem. In rate. — Wochen- Mai. 1885. Jjar 5645. Kalender. Donnerstag . 30 15 Omer 80 : Freitag . . . 1 16 ,, 31 j Sonnabend 2 17 -n»KPerek4. (S,10)„ 32 Sonntag . . 3 18 Lag be-Omer. „ 3S Montag. . . 4 19 „ 34 Dienstag . . 5 20 „ 35 Ulttt«>och . . 6 21 „ 86 Donnerstag . 7 22 „ 37 Gedanke» einer Jüdin über das Judenthum i« Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir müssen gestehen, daß der Titel*) dieses bei Levy & Müller in Stuttgart erschienenen Schriftchcns uns mit einer gewissenen Spannung au die Lectüre desselben Herangehen ließ. Da wir durchaus nicht zu den Anhängern des alten: mnUsr taceat in ecclesia („das Weib schweige in öffentlichen Angelegenheiten!") gehören, so hatte es uns immer mit Bedauern erfüllt, daß in der Brochürenfluth, welche die bekannte Frage in den letzten Jahren hervorgerufen hat, sich keine Stimine aus den weiblichen Kreisen des Judenthums vernehmen ließ. Das Weib spielt in der Geschichte der Judcnhcit, wenn auch weniger nach außen, als nach innen hin, eine bedeutsame Rolle, und derer, die in hervorragender Weise gegenwärtig thatig sind, die höheren, geistigen Interessen nicht nur der Menschheit im Allgemeinen, sondern spcciell des Judenthums zu fördern, und die daher nicht nur befähigt, sondern auch berufen wären, als litterarische Mitstreiter aufzutretcn in dein Kampfe, der in der Jetztzeit nach innen wie nach außen alle jüdischen Gemuthcr wach erhält, giebt es bekanntlich nicht wenige. Wenn daher der Titel obiger Schrift den Gedanken nahe legte, daß wir es hier niit einer Meinungsäußerung aus unserer jüdischen Frauenwelt zu thun hätten, so mußte ein näheres Eingehen auf den Inhalt uns bald in enttäuschender Weise eines Andern belehren. Der ungenannte Autor — denn daß der Verfasser des Ganzen offenbar dem stärkeren Geschlechre angehört, geht aus dem Gedaukeugang und der formellen Darstellung fast zweifellos hervor*) — hat die auf dem in Rede stehenden Gebiete bisher wenig beliebte Form des brieflichen Ideenaustausches gewählt und insofern er einer Dame dabei die Rolle zuertheilt hat, ihm durch gewisse Fragen und Einwürfe Anregung zu geben, zur Entwicklung seiner Ansichten über die Stellung des Judenthums in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, insofern läßt sich für die Wahl des Titels eine Erklärung abgeben. Wir wollen nicht darüber streiten, inwieweit dies correct ist, und ob nicht dadurch ein — vielleicht beabsichtigter Jrrlhum über die Autorschaft hervorgerufen werden muß. Wenn wir nun davon absehen, so gewinnt der Inhalt des Werkchens durch die briefliche Einkleidung etwas ungemein Anziehendes und Fesselndes. Wir wollen den Gang der „Gedanken" hier in Kürze wicdergebcn. Ausgehend von der Thatsache, daß in der höheren jüdischen Gesellschaft der Zusammenhang mit dem Judenthume sich immer mehr lockere, und daß die Neigung auch den letzten Verbindungsfaden durch die Taufe abzuschneiden, in stetem Zunehmen begriffen sei, wird die Frage aufgestellt, was aus dem Judenthum werden solle, wenn die jobern Zehntausend iu ihm sich gleichgültig und verächtlich gegen dasselbe verhalten; ob es in Zukunft nur noch aus dem armen und ungebildeten Volke bestehen solle, und wenn auch dieses, ebenfalls zum Reichthum und zur Bildung gelangt, ihm den Rücken kehrt, ob dann nur etwa die Rabbiner, Kantoren und Küster seine einzigen Anhänger bleiben sollen. Wenn es aber auch zuweilen auf de» ersten Blick scheint, als ob die Kultur allmülig der Todkengräber des Judenihums *) Vrgl. über den „Titel" das folgende „Hannover v. *) Die Schrift soll einen bekannten jüd. Gelehrten in Breslau zum Verfasser haben, (Red.)