Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 14-15. (3.4.1885)
- Date
- 1885-04-03
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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109 — Bericht des Central-Comite’s für den Bau israelitischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. Das Unterzeichnete Central-Comite erstattet hierdurch statutengemäss Bericht über die in den letzten 1'/, Jahren erreichten Fortschritte des Instituts, die G. s. D. wiederum recht erfreulich sind. Die Anstalt ist in dieser Zeit durch zwei ganz neu erbaute Wohnungen, ferner durch ein in ein Wohnhaus verwandelten früheren Viaduct, desgleichen noch einige durch diese Bauten gewonnene Zimmer, sowie endlich durch zwei von einem Privatmanne (Aron Scheyer) auf Grund von § 20 der Statuten gebauten und nach dessen Tode der Anstalt zugefallene Wohnungen vergrößert worden; so dass bei der im vorigen Jahre erneuerten Zutheilung der Wohnungen sechsunddreissig zuertheilt werden konnten. Die zwei neuen Häuser haben eine innere Dimension von 6.10 cm. Länge 4,50 cm. Breite nebst Küchen von 2,30 cm. Länge und 2,10 cm. Breite, sowie je zwei Keller mit entgegengesetzten Eingängen, welche mit dem ganzen oberen Raume correspondiren. Die äussere Länge beträgt 23,75 m. Länge; endlich hat jedes dieser Häuser einen abgeschlossenen Hofraum. Das Yiaducthaus hat fast dieselben Dimensionen. Zwei Wohnungen endlich wurden jetzt erst eigentlich wohnlich, indem Häuserhöhe, Erde, Schutt etc., welche diese Wohnungen verdüsterten, weggeräumt wurden. Den Flächenraum selber betreffend ist durch den Ankauf eines Stück Landes neben dem Institute "SPS’’ D'2„ eine Arrondirung des Areals schon im vorigen Jahre angebahnt, aber erst in diesem Jahre perfect geworden und auf den Namen des Central-Comites eingetragen; trotzdem eigentlich nach neuerer Verordnung in Palästina ein Verkaufsact nur durch persönliche Anwesenheit beider Kontrahenten vor dem Kadi abgeschlossen werden darf. Schon im letzten Berichte erwähnten wir dankbar der unbeschreiblichen Wohlthat, welche der Edle, der sich nicht nur in sondern auch in Palästina und namentlich dort, durch tausende von Wohlthätigkeitsacten verewigt, durch die Herstellung einer zweiten sehr grossen, die ältere schon vor 20 Jahren unter Schutt aufgefundene und restaurirte noch weit überragende äusserst kostspielige Lüsterne nicht nur den Insassen seiner Wohnungen, sondern auch allen Bewohnern der Armen- und Pilgerwohnungen erwiesen. Wir erwähnten dort, dass dieser Hochherzige auch eine zweite kleine an seinem Hause gelegene Lüsterne repariren Hess. Wir können heute G. s. D. weit mehr als dies referiren. Durch die Entfernung des Schuttes ist nicht nur eine Lüsterne, sondern deren vier gefunden, welche sämmtlich in Felsen ausgehausen; ausserdem noch drei Höhlen und ein grösserer rechtwinkliger Graben, welche Funde alle restaurirt wurden. Nur Eingeweihte können die unsägliche Wohlthat solcher Wasserbehälter ermessen. Hängt ja von der Bereitschaft reinen Regenwassers nicht nur das leibliche Wohl und Wehe im engsten Sinne des Wortes ab, sondern auch die Entscheidung, ob das Jahr ein gesegnetes oder ein Nothjahr ist. Freilich nützen die Bassins allein nicht, wenn nicht das Regenwasser durch Rinnen von den Dächern in dieselben geleitet wird und die Wege zum Zugänge dazu geebnet werden. Alles dieses kostet Geld, ja viel Geld; G. s. D., dass wir in der Lage waren, alles vollständig herzustellen. So schreitet dieses Werk durch die Gnade des Höchsten von Jahr zu Jahr seiner Vollendung, dem vollständigen Ausbau des ganzen Terrains, entgegen. Aber es fehlt noch sehr, sehr Vieles zum Ziele, das noch in um so weiterer Ferne liegt, als jahraus jahrein Tausende zu Reparaturen, zur Ergänzung früherer ohne Separat-Küchen und Kellerungen gebliebene Bauten gebraucht werden. Aber obgleich noch lange nicht vollständig, herrscht doch nur eine Stimme der Anerkennung über unsere Anstalt. Wir wollen hier einige Aeusserungen über dieselbe registriren. In neuester Zeit logirten die Herren A. Roos aus Amsterdam und A. Grünbaum aus Schwäbach drei Wochen in unserer Pilgerwohnung und nahmen auch daselbst die Kost. Dieselben verzeichneten vor ihrer Abreise in das Fremdenbuch der Pilgerwohnung ihr Bedauern, dass diese Pilgerwohnungen nicht häufiger benutzt würden, da kein angenehmerer Aufenthalt denkbar wäre als dieser, der ihnen viel angenehmer, als solcher in einem Hotel gewesen sei. Auch haben sie dort eine musterhafte Bedienung gehabt. Der Platz mit seinen ca. 73 Wohnungen sei stets so rein und freundlich, dass man sich ganz zu Hause fühle und vergesse, im Orient zu sein; namentlich da auch die Lage eine so hübsche, luftige und gesunde sei. Ebenso anerkennend sprechen sich die Herren über die fast peinliche Ordnung im Archiv und Sitzungszimmer aus und wünschen schliesslich, dass das Institut auch direct recht warm unterstützt werde, da die Einrichtung für Arme eine unver-