Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 10. (5.3.1885)
- Date
- 1885-03-05
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 79 — Perimschle und neueste Nachrichten. Magdeburg. Hier hat sich eine Anzahl Männer zur Stiftung einer Loge des unabhängigen Ordens B'nai B'rith vereinigt; dieselbe soll den Namen Mendelssohns, des berühmten, in unserer Nachbarstadt Dessau geborenen jüd, Philosophen und Regenerators des Judenthums, tragen. Die Loge hat die geistige und sittliche Veredlung unseres Stammes 511111 erhabenen Ziele, — Laut Verfügung des Eultnsministers soll in de» Jahresberichten der Gymnasien und Realschulen, an welchen der jüdische Religionsunterricht, sei cs auch nur facultativ, eingeführt ist, alljährlich auch das mit den jüdischen Schülern durchgcuommenc Pensum gedruckt erscheinen. Hier wird in ' dem diesjährigen Ostcr-Programm des städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums damit begonnen werden, Berlin, Dem hiesigen Reichcnheim'schen Waisenhause hat der Bruder des verstorbenen Rechtsanwalts und Reichstags-Abgeordneten Or, Eduard Laster von Amerika aus 625 Mark zugehen lassen, die als eine „Eduard Lasker- Stiftung" in gedachter Anstalt gelten sollen. Die Zinsen sollen alljährlich, am 5. Januar, dem fleißigsten Zögling als Prämie ausgeantwortct werden, — Der jüdischen Alter-Bersorgungs-Anslalt zu Berlin wurden von dem Geh, SanitätSrath Oesterreich 21,000 Mark behufs Errichtung einer „Oesterrcich-Stiftnng" zu unentgeltlichen Ausnahme zweier Hospitaliten, sofort zahlbar überwiesen; ebenso wurde von Herrn Jacob Israel für dieselbe Anstalt eine „Jacob Minna Israel-Stiftung" »1 Höhe von 24,000 Mark zur unentgeltlichen Aufnahme zweier Hospitaliten gegründet. (B. B.-C.) Kannover, In der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer fand die Preisvertheilung des „Samuel Ephraim Meyer'schen" Preises statt. Als Ausgabe war i» diesem Jahre ein biblisches Thema ausgestellt. Vier Arbeiten waren eingcgangcu, wo» denen die der Seminaristen Katz und B l innen thal preisgekrönt wurden. In warm empfundenen Worten gedachte der Direktor, Herr Or, Prager, des seligen Landrabbincrs Or, Meyer, dessen Geburtstag an diesem Tage war und dem zu Ehren noch bei seine» Lebzeiten die Stiftung durch Gaben von früheren Schülern gemacht war. AL. Dresden, Anfang März, Mit einer in allen Theilen wohlgelnngcnen, überaus zahlreich besuchten Feier beging der hiesige „Brlldcr-Verein" in den Sälen des Kaiserhofs sein viertes Stiftungsfest. Die Ehrenmitglieder Herren Oberrabbiuer Or, Landau und Rechtsanwalt Lehmann, nebst Angehörigen, sowie sonstige wissenschaftliche Kräfte und Vertreter der Presse wohnten demselben bei. Ein reiches abwechselndes Programm von musikalischen, gesanglichen und theatralischen Darbietungen unter Mitwirkung künstlerischer Kräfte fand lebhaften Beifall. Eine dem Verein gewidmete, von einem begabten Mitgliede (Herrn Kaufmann Werner) componirte Hymne, ein schwungvoller Prolog*) des Herrn Red, Alpl Levy v, Frciberg, gesprochen vom 1. Vorsitzenden Herrn Äergmann, eröffnten die Feier, Auch Herr Oberkantor Wolfsohn und Herr Violon. Wallerstein wirkten erfolgreich mit. Die Tafel belebten Trinksprüche auf das Köuigspaar (vom 1. Vorsitzenden), Begrüßung der Gäste (vom 2. Vorsitzenden Herrn Ad. Josky), auf die Ehrenmitglieder und Vortragenden (vom 1, Schriftführer Landau) auf die Presse (vom 2. Schriftführer Herrn Meyer), Herr Schuldirektor Bruno Müller (Richtisracl.) feierte begeistert den Brüderverein, die Damen (Herr Redakteur Lion) u, s, w,, den Vorstand (Herr Schriftsteller Jsaksohn), Eine junge israelitische Dame (vom Resideuztheater), Fräulein Monatti, sowie eine Sängerin Frl, Beil vom selben Theater, erfreuten durch Deklamation und Lieder; ein munteres Tafellied von einem Mitgliede (tzru, Fabrik. Neumann) animirte ebenso wie der darauf folgende Ball, der die Theilnchmer bis gegen Morgen zusammenhielt, *) Im (jeutigen „Familicnblatt" abgedrnckt, (Red.) Leipzig, 26, Februar, Geehrter Herr Doktor! Ich ersuche Sie um Berichtigung folgender in Nr, 7 dieses Jahres der „Israelitischen Wochenschrift" enthaltenen Angaben, 1, Rabinowitsch in Kischincw ist daselbst nicht von dem jüdischen Pöbel „verhauen" worden. Ein solcher Pöbel, der sich thatsächlich an der Person dieses Mannes vergriffen hätte, existirt wenigstens zur Zeit in Kischinew nicht?) 2, Daß es Missionsblätter gewesen seien, welche die Ermordung des Rabinowitsch durch „orthodoxe Inden" der Welt verkündet hätten, ist absolut unwahr,**) Die Quelle dieser Nachricht war die „Wiener Allgemeine Zeitung", die sich auf ein aus Odessa empfangenes Telegramm berief. Die Nachricht war aus der Luft gegriffen und ihre Entstehnngsweise ist räthselhaft, Professor Franz Delitzsch, Dinslaken. Das Waisenhaus-Comitä versendet an die Zeichner zum Waisenhaus eine Einladung zu der am 8, März d, I, daselbst stattfindendcn Generalversammlung. Die Tagesordnung umfaßt: 1. Berichterstattung; 2. Wahl des Curatoriums: 3, Berathung der Grundzüge der Statuten. Wie verlautet, soll die Eröffnung anfangs Mai d, I. geschehen, Wenn nun auch ein glücklicher Erfolg die bisherigen Bemühungen um das Zustandekommen dieser segensreichen Anstalt gekrönt hat. so wäre doch zu wünschen, daß die Zahl der'Gönner sich noch recht reichlich vermehren möge. — Spenden und Zeichnungen sind an den hieß Gemeinde Vorstand zu richten. Wollstein, Die beabsichtigte Errichtung eines jüdischen Schullchrcrseminars in Posen findet auch bei zahlreichen Mitgliedern der hiesigen Syuagogcngemcinde Beifall, Es sind sowohl einmalige, als auch jährliche ganz anständige Beiträge gezeichnet worden. So hat Herr Rittergutsbesitzer I, H. Wasser sich zu einem einmaligen Beitrag von 50 M. und zu einem jährlichen Beitrag von 10 M, verpflichtet. Best, 27. Februar, Der Paragraph der Vorlage über Reform des Oberhauses, betr, die Vertretung der jüdischen Konfession im Oberhause durch einen Rabbiner oder eine andere hervorragende jüd, Persönlichkeit wurde nach dreitägiger Debatte unter Ablehnung aller Amendements mit einer Majorität von 195 Stimmen angenommen. West, 2. März, In der Prozeßsache gegen Julius Verhov ah und Genossen wegen Veruntreuung sind durch das heute veröffentlichte Urtheil der Angeklagte, Abgeordneter und Hauptführer der ungarischen Antisemiten, zu einer Kerkerstrafe von l'l3 Jahren und 5jährigem Amtsverluste, und sein Bruder Ludwig Verhovay zu 10 monatlicher Kerkerstrafe und 3 jährigem Amtsvcrluste, beide außerdem zum Ersätze der veruntreuten Summe verurtheilt worden, Warmaros (Ungarn), Am 23. October 1881 wurde der Friedensrichter Johann Hosda im Dorfe Bvrsa ermordet und nicht beraubt gefunden. Das Gericht bezeichnete Juden als Thäter, das Volk verlangte, daß man die Mörder finde und 3 Runränen beschworen, daß sic gesehen, wie Samuel Laks und Naftali Mendelowitsch den Hosda getödtet haben. In der ersten Instanz freigesprochen, wurden die Angeschuldigten in der 2. zu 12 Jahren schweren Kerker verurtheilt. M, floh, L, aber ward cingesperrt. Jetzt haben die Zeugen selbst eingestanden daß sie gelogen, sie haben von der angegebenen Stelle den Vorgang gar nicht sehen können. Wiederaufnahme des Verfahrens ist angeordnet, Aaris, Aus Berlin ausgewiesene russische Juden kommen in solcher Menge hier an, daß das Wohlthütigkcits- Comits (dessen Budget 330,000 Fr. beträgt) zusammen mit der Alliance 20,000 Fr, für die Heimschaffung derselben bereit gestellt hat. Naris, Daß Baron Hirsch das Defizit der Alliance für 1884 mit 25,000 Francs gedeckt hat, ist durch den Bericht bestätigt worden, *) Woher weiß das der Herr Professor? Wirhaben unsere gegcnthcilige Mittheilung einer Kischinewer Correjp, in einem hcbr. Bl, entnommen. **) Auch das kann der Herr Prof, D, nicht wissen, da er unmöglich die Garantie siir alle Missionsblätter übernehnien kann, (Red.)