Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 9. (26.2.1885)
- Date
- 1885-02-26
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Schlüsse des Jahres befanden sich 112 Hospitaliten, 91 in der alten, 21 in der neuen Anstalt, Das Kapital-Vermögen hat sich um Mark 12,688,10 Geschenke zum eisernen Fonds vermehrt. In der neuen Anstalt ist noch Raum für 20 Hospitaliten vorhanden. Areskau, 23, Februar (8, Adar). Heute fand im jüd.- Iheologischen Seminar die alljährliche Gedächtnißfeier für den verewigten Direktor Oberrabbiner Or, Zacharias Frankel V'JK statt. Der Chor der Seminaristen unter Leitung des Herrn Cantor Zlotnicki eröfsnete die Feier mit dem Vortrag des Psalm 16, Hierauf bestieg der Caudidat der Theologie Herr Or, Graubart die Kanzel und sprach in längerer geistvoller Rede über Or, Frankel's „Darke ha-Mischnatt und deren hervorragende, ja bahnbrechende Bedeutung für die Wissenschaft des Judenthums, (Der Vortrag verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden,) Gesang schloß die erhebende Feier, O, Kannover, Der jüngst herausgegebene Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung der Schüler der hannoverschen Lehrerbildungs-Anstalt pro Oet, 1883/84 liefert einen erneuten Beweis von dem erfreuliehen Aufschwung dieses segensreich wirkenden Instituts und der Rührigkeit und Trefflichkeit seiner Leitung, Der Verein zählte im genannte» Rechnungsjahr 500 beitragende Mitglieder mit einer Einnahme vvti Mk, 5888,38, wovon selbstredend der bei Weitem größte Theil auf die durch ihren regen Wohlthätigkeitssinn bekannte Gemeinde Hannover selbst entfällt. Das Vermögen des Vereins besteht z, Z. aus einem Effeeteu-Bestand von insgesammt 17205 Mk, 09 Pf, Wir wünschen dem sichtlich Ersprießliches leistenden Institut auch ferner das vollste Gedeihen, Hleulleltin, l 5, Februar, Der Synagogenbrand- Proeeß hat noch ein Nachspiel gehabt! Wie die „N, Z," erfährt, hatten nämlich gleich nach Schluß der bezüglichen Konitzer Schwnrgerichtsverhandlunge» eine Anzahl der diesseitigen Zeugen sich im Instanzenwege über Unregelmäßigkeiten, welche in der Voruntersuchung — hauptsächlich soll es sich hier um die Thätigkeit des mit der Klarlegung der Angelegenheit betraut gewesenen Berliner Kriminalbeamten gehandelt haben — wie bei der Hanptverhandlung in Könitz vorgekvmmen sein sollen, beschwert und um Wiederaufnahme des Verfahrens gebeten. Im Aufträge der betheiligten Minister, des Justizministers und des Ministers des Innern, hat die betreffende Vorstellung nunmehr — also »ach Ablauf fast eines Jahres — durch einen Bescheid des Ober-Landesgerichts-Präsidenten von Marienwerder dahin ihre Erledigung gefunden, daß nach den behörderlicherseits in der Sache angestellten Ermittelungen sich kein Anhalt für die Stichhaltigkeitderin der Beschwerdeschrift angeführten Momenteergebe» habe. _ Ianzig, Gutem Vernehmen nach wird der bekannte Skurzer Mord (an dem Knaben Cybula) voraussichtlich in der am 2. Mürz hier beginnenden Schwurgerichtsperiode zur Verhandlung kommen. Gegen den seit längerer Zeit in Haft befindlichen Fleischer B, sollen nämlich so viele Vcrdachtsmoniente gesammelt sein, daß die auf Mord lautende Anklage hat erhoben werden können, Kremessen, 16, Februar. (Synagogenbrand,) Gestern Abend ist die hiesige Synagoge total niedergebrannt. Die Thorarollen sowie ein Theil der Gebetbücher sind gerettet worden. Die Gebetmäntel, sowie ein Spind init talmudischeu Werken sind leider auch mit verbrannt. Einen geradezu unersetzbaren Verlust hat die Gemeinde aber in einer alten auf Pergament geschriebene» Agende erlitten, die ebenfalls mitverbrannt ist. Das Feuer ist in einem neben der Synagoge befindlichen Stalle entstanden und hätte daselbst leicht gelöscht werden können, — wenn es nicht an Pferden zur Herbeischaffung der Spritze gefehlt hätte, Wormditt (Ostpreußen), Die Ausweisungsfrist des hiesigen Kantors ist auf sein Ansuchen bis zum 1. April d. I, von der königlichen Regierung verlängert worden. Wehksack H,-Ur,, 16. Februar, Heute feierte die hiesige jüdische Gemeinde den 25, Jahrestag des Bestehens ihrer Synagoge durch einen Festgottesdienst zu welchem sich außer den Gemeindemitgliedern und mehreren von auswärts erschienenen Gästen auch die Vertreter der Stadt, sowie eine Anzahl hiesiger Bürger eingefunden hatten. Die Festpredigt beim Nachmittagsgottesdienst hielt Herr Rabbiner Or, Bambergen Zlir Feier des Tages fand Abends im festlich geschmückten Saale des Rathhauses ein Ball statt. Aus Ztayern. Der eben erschienene Jahresbericht der „Gabriel Riesser'fchen Stipendien-Stiftung" in Fürth pro 1883/84 Zwecks Unterstützung würdiger jüdischer Studirender durch Stipendien ist auch in diesem Jahre ein glänzender Beweis von dem Wohlthätigkeitssinn aller Betheiliglen und von der mit Recht stetig wachsenden Sympathie, deren sich die Bestrebungen des Vereins in weiteren Kreisen erfreuen. Im qu, Rechnungsjahr standen demselben 3120 M. für seine Zwecke zur Verfügung, die, unter 18 Bewerber zur Vertheilung gelaugten. Dem Wunsche des Vorstandes, „daß auch die noch nicht zugetretenen bayrischen Cultusgemeindeu nicht länger in ihrer Theilsnahmslosigkeit verharren möchten", können wir uns nur völlig anschließen, Wien, Zwei Trabanten Schönerers, dessen Schiinpfen gegen die Judenpresse selbst der „Köln, Zeit," schon zu arg wird, sind ivegen Schwindel und Betrug nach Nummero Sicher gebracht worden, Hroßwardeia Herr Or, Kohut hat die Berufung als Rabbiner in New-Aork (mit einem Jahresgehalt von 5000 Dollar, über 20,000 Mark) angenommen. Möchte nur die Vollendung des Aruoll haschalem dadurch teilte Verzögerung erleiden, H'est, Hier existiren 87 jüdische Professoren ohne staatliche Anstellung, weil sie ihr Judenthunr nicht ablegen ivollen, Minister Treforl stellt principiell keine Juden an. Aus Meran klagt ein Kurgast über das Fehlen eines jüd, Krankenhauses, für welches die vorhandenen Mittel ausreiche» dürften, sowie darüber, daß die beiden jüd, Restau rateure mit ihrem krassen Brodneide alles jüd. Wesen lächerlich machen. Sterbende und Todte werden Nichtjuden überlassen. Auch in Innsbruck, wo 15 jüd, Familien wohnen, wird jede Spur von Gemeinedebildung ängstlich erstickt, damit nicht — noch mehr Juden zuziehen! — Aern, In der Zeitschrift des juristischen Vereins erörtert Prof, vr, Stoos den Spruch, welcher die Langenthaler Schächter wegen Thierquälerei verurtheilt und gelangt zu dem Schlüsse, daß das Urtheil den Gesetzen zuwiderlaufe. Waris Zum ersten Male seit 1816 ist eine in Frankreich geschlossene Ehe religiös getrennt worden. Das ist die erste Folge der gesetzlichen Gestattung der Scheidung. „Arch. isr," schlägt vor, in den jüd, Blättern die stattgesundenen Scheidungen zu veröffeirtlichen, London, Die Anglv-Jems-Assoe. hat auf Antrag des Sergeant Simon beschlossen, gegen die rumänischen Judeugräuel mit Protestineetings vorzugehen, Miga. Etwa 20 jüdische Jünglinge hatten die Aufnahmeprüfung für das Polytechnieum bestanden, durften jedoch nicht anfgenommeu werden, weil sie nicht berechtigt sind, hier zu wohnen. Auch der Minister hat die telegraphischen Bitten nicht erhört, Jerusalem. Dieser Tage ist eine Brücke über den Jordan bei Jericho, welche die Regierung hat erbauen lassen, eröffnet worden. Sie ist circa 50 Meter lang und 20 Meter hoch, — Der Kauf von Arbel durch russische Colonisten, ist noch im letzten Augenblicke rückgängig geworden, Amerika, Or, Wechsler hat die Colonie Neu-Odessa in Oregon besucht, in welcher etwa 40 russ, junge Leute Ziemliches geleistet haben. Allein zwei Hauptübel bereiten eine Katastrophe vor. Die Colonisten sind durchweg nur Namensjuden und wollen von Religion nichts wissen, und zweitens haben kommunistisch eingerichtete Gemeinwesen nie lange Bestand gehabt.