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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-02-12 · N° 7. (12.2.1885) · p. Seite 55

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 7. (12.2.1885)
Date
1885-02-12
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Nermifchle und neueste Uachrichle». Magdeburg. Die Juden in Rußland haben einen schweren Verlust erfahren. Paul Demidow, Fürst von San Donato, aus dessen Schriften f ii r die Juden wir längere Auszüge im vorigen Jahrgang gebracht, ist plötzlich im 45, Lebensjahre ans seinem Gute bei Florenz gestorben. Berlin. Der Staatssekretär Dr. Stephan hatte jüngst im Reichstage einmal von deu> seligen Lasker gesprochen. Dieser Ausdruck verdrießt die „Kreuz-Ztg."; sie beeilt sich, Herrn Stephan zu belehren, daß er nur das Wort „verstorben" gebrauchen dürfe. Selig werden »ach ihrer Ansicht nur diejenigen, welche sich zu ihren Anschauungen bekannt haben. O! diese Alleinseligmachende! Berlin, 7. Februar. Eine hiesige Jüdin, welche in einem PrivatbeleidignngSprocesse heute >zu als Zeugin vor die 6. Strafkammer des Lnidgerichts vorgeladen war, hatte in einem Schreiben initgetheilt, daß sie kränklich und deshalb nicht im Stande sei, den Weg von ihrer Wohnung nach dem Gerichtsgebäudc zu Fuß zurückzulegen, und nicht fahren könne, well das Fahren am Sabbath gegen ihre religiösen Satzungen verstoße. Sic bäte daher um Anberaumung eines anderen Termins und zwar auf einen anderen Kalendertag als den Sonnabend. Die Partei auf deren Veranlassung Zeugin geladen war, erklärte, auf deren Vernehmung nicht verzichten zu können, und beantragte Vertagung des Termins. Die Gegenpartei widersprach diesem Anträge, allein der Gerichtshof hielt die Entschuldigung der Zeugin für ausreichend und vertagte zwar heute de» Termin, verkündete aber, denselben auf einen andern Tag als den Sonnabend nicht zu verlegen, da dieser Tag für die Berufungen in Privatbeleidigungsprocessen festgesetzt sei. Merlin. Der hiesige Synagogenverein Lus Berith, feierte am Mittwoch Abend sein fünftes Stiftungsfest. Der Verein zählt zu den größten israelitischen Privatgemeinden Berlins, besitzt eine eigene Synagoge und sehr besuchte Religionsschulen. Der neugcwählte Prediger, Herr Lion Wolfs, hielt eine mit großem Beifall aufgenommene Festrede. Bromberg, 10. Februar. Zum hiesigen Rabbiner ist Herr Dr. Klemperer (seit 21 Jahren Rabbiner in Landsberg a. W.) von der Gemeinde nicht einstimmig gewühlt worden. Nächst ihm hatten die Rabb. vr. Goldschmidt- Weilburg und Or. Brann-Breslau die Sympathien der Gemeinde in hohem Grade gewonnen. In Aromberg starb am 5. Febr. Santtätsrath Dr. Elias Salomo», ein nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Kenntnisse, sondern auch wegen seiner Humanitären Bestrebungen in den weitesten Kreisen bekannter Man». (Herr Dr. Klemperer, der inzwischen gewählte Rabbiner, hielt — da der greise Rabbiner Dr. Gebhardt sehr schwer krank darniederliegt — im Trauerhause und auf dem Friedhof tief ergreifende Reden vor der zahlreichen Trauer-Versanimlung und würdigte die großen Verdienste des Verstorbenen in gebührender Weise.) Wormditt (Regbez. Königsberg). Der Lehrer und Prediger (?) an der hiesigen jüdischen Gemeinde, welcher russischer Ünterthan, aber seit 6 Jahren in Preußen ansässig ist, hat, durch die Verwaltungsbehörde die Ordre erhalten, in der Zeit von 14 Tagen das preußische Landesgebiet zu verlassen. Wiesbaden. Der jüngst hier verstorbene geh. Sanitütsrath Dr. Roth hat die Stadtgcmeinde zur Erbin seines etwa eine Viertel Million Mark betragenden Vermögens unter der Bedingung eingesetzt, daß von den Zinsen im städtischen Krankenbezw. Badehause Freibäder für unbemittelte Kranke jeder Konfession hergerichtet werden. Meran. Hier starb am 1. Februar im 43. Lebensjahre, Herr Peter Smolenskh, der Herausgeber der hebr. Monatsschrift „Haschachar" einer der begabtesten hebräischen Stilisten der Gegenwart, weine hebräischen Romane sind vielfach in fremde Sprachen übersetzt worden. "Karls. Bei den jüngsten Consistorialwahlen ist in Vejoul das (betrübende) Curiosum constatirt worden, daß für 4 Sitze nur 2 Candidaten sich fanden. Zwei Plätze bleiben leer, bis 2 opfervolle Männer sich zur Bewerbung hergeben. Im Centralconsistorium sind hervorragende Beamte, Finanzmänner, Schriftsteller, Ingenieure, Advokaten, Mediciner und Gelehrte vertreten. Nur Offiziere fehlen, trotz der 6 jüdischen Generale. „Arch. isr." bemerkt dazu, daß als Frankreich nur eine» jüdischen Oberstlieutenant hatte, er Mitglied des Centratconsistoriums gewesen ist —• sowie, daß bei der in O r a n bevorstehenden Wahl diese Lücke könnte ausgefllllt werden. Maris. Frau AmcliePollonnais.eineSchriftstellerin,deren Gemahl Maire von Villefranche und Mitglied des Generalrathes ist, hat die Palmen eines Offiziers der Akademie erhalten. Rotterdam. Die Installation des neuen Oberrabbiners Dr. Ritter findet am 13. und 14. ds. Mts. statt. Metersburg, 1. Februar. Alle russischen Blatter besprechen ein Eisenbahnproject, das von dem russischen Eisenbahnkönig S. Po lja ko w ausgeht, und welches die Vereinigung' aller bestehenden russischen Eisenbahnen zu einer „Geselljchaft russischer Staatseiscnbahnen" zum Ziele hat. Metersburg, 4. Februar. Wie die „Neue Zeit" mitthcilt, wären der Jildeucommission nunmehr die Beschlüsse der Localcommissionen für die Judenfragc aus den neun südlichen und südwestlichen Gouvernements zugegangen. Dieselbe» seien in Bezug auf die Frage der Erweiterung der Aiisiedclungsrayons für die Juden theils ablehnend, theils zustimmend ausgefallen; dagegen hätten sich die Localcommissionen fast einstimmig dahin ausgesprochen, daß sämmtliche Specialsteuern der Juden, wie die Korobkasteuer rc., so wie die jüdischen unteren und mittleren Separatschuleu aufzuheben, die gegenwärtige Art der Führung der jüdischen Standcsregister umzuändern und die Zahl der jüdischen Delcgirten zu den städtischen Communalverwaltungen zu beschränken sei. Metersburg. Das Comits zur Erbauung einer großen Synagoge fordert durch eni Circular die Gemeindemitglieder zu freiwilligen Beiträgen auf. Kischenew. Der Sektenstiftcr Rabbinowitsch, dessen Anhang nur aus der Familie seines Bruders besteht, ist vom jüdischen Pöbel verhauen worden. Das hat den Missiousblättern erwünschten Anlaß gegeben, die Ermordung des „aus dem Wege des Heiles Befindlichen durch orthodoxe Juden" der Welt zu verkünden. Er lebt — sich zur Schande!*) — Der neue Gouverneur von Sibirien ist ein Bruder des früheren Ministers Jgnatieff. Konstantinopek. Zwischen dem Chacham Baschi Moses Levi Effendi und dem Gemeiiidevorstande war hier ein Streit ausgebrvchen wegen geringfügiger Reformen, zu denen der Chacham seine Zustimmung nicht erthcilen wollte. Es kam zu folgendem Ausgleich: Der Chacham dankte ab und erhält eine jährliche Pension von 12,000 Frcs.; es soll nun ein französischer Oberrabbincr berufen werden, der seine Naturalisation nachzusuchen haben wird. Characteristisch für die hiesige Stellung des Judenthums ist, daß das im sephard. Idiom hier erscheinende Journal „Telegraph", wegen eines Artikels gegen den Chacham vom dem Cultusministerium verboten wurde. Das Weitcrerscheinen des Blattes wurde erst wieder gestattet, nachdem der Herausgeber dem Chacham Abbitte gethan. Aew-Rork. Rach den letzten statistischen Berechnungen soll die Zahl der Juden in Amerika seit 1850 von ca. 400.000 auf 700.000 gestiegen sein. Mew-MiorK. Für die durch den Tod des vr. Hübsch hier erledigte Rabbinerstelle ist Herr Rabbiner Dr. K o h u t in Großwardcin, Verfasser des Aruch Haschaloin u. a. m., in Aussicht genommen. (Das wäre für das amerikanische Judenthum eine glänzende Acquisition.) *) Von den Witzchen, mit welchen dieser Mensch bei den Juden das Christenthum einschmuggeln will, sei nur Eines erwähnt: 'TD D WTJX Wer ist wie der Ewige unser Gott! Dieses „Wer" (D ge schrieben) soll nach dem Ansangsbuchstaben Messias Jesus bedeuten! — Echt chassidische Thaure!)

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