Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 7. (12.2.1885)
- Date
- 1885-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 7J Magdeburg, 12. Februar 1885. XVI. Zatiry. für Sic religiösen nnb socialen Interessen des Judenthums. WöckcntUch erscheint je eine Ru nmer der ..Wochenschrift". VeS „Famttiendlatts" u. des „Litteraturb latt«". Preis ,ür alle drei KlStter bcr aUeu Poü^auern u. Bitchliandlmiflkn 3 Inaris: vierteljälnlick. Mit birectcr Zujendmig: jährlich 14 Mark, nach dem AuSlande: 1« Mk. >8 fl.. 20 FrcS.. 8 Rbl.. 4 Dollars. Eliizelnurnmern der ..WochenscKriil" ir 2k» Pf-, des „Litlertiklir-BlaktS" 1b Di. des „FanuIieiuBtattS s. 10 Pf. P^ranuvorllichcr Redacteur und Herausgeber: Rabbiner Ile. M. Ratimer in Magdeburg. sr S Inserate i für die .. I s r a e l i t i» ch e W o ch e i:' ch r i f t". > wie für das „Jüdische L ilteratur - Bla kr", die kleingeivalteue P.titzeilc oder deren R.»u:n K5 Pf» sind entweder durch die Annouccn- Erpeditioncn von G.L.Daube Ss Co., Ti - J 1 -D T. rff nn a &W. . \ Ä7I IS 3 tt l| n 11: Leitende Artikel! Auch „Oledlinken eine» Juden", ll. — Die Schulmänner- Couscrcnz in Berlin und der Nvrinnllehrplan für den iivnclit. ReiigionSmitcrrichi. Berictitc und borresvo»de»<e»: Deutschland: Bom Rhein. — .«üHiflObi-vn r. Pr. — «öiiiflvbctß. — Hamburg — iiöln. — Dresden. — Wiesbaden. — Ans Oberschiesicn. Ceftcrrcid) Uiiflnin: Arnd. — Pilsen. :K u f] 1 n n b : .italisch. R u m ä n i c n: Bukarest. Bermiseiitc und neueste Nachrichten: Magdeburg. — Berlin. - Berlin. — Berlin. — Brvuiberg. — Brmnberg. — Wormditt. — Wiesbaden. — Meran. — Paris. — Paris. — Rotterdam. — Petersburg. — Petersburg. — Petersburg. — Kischencw. — Konftantinopel. — lliew-Aork. — New?)ork. Inserate. — Briefkasten. Auch „Gedanken eines Juden". Audiatur st alters pars! n.") Der Gang der „Gedanken eines Juden" ist folgender: Die Juden sind, trotz der gesetzlichen Gleichstellung in Deutschland, thatsächlichen Beschränkungen unterworfen. — Bor allein steht der Sonntag auf Schritt und Tritt als Hemmniß da: in der Landwirthschaft. die keine 2 wöchentlichen Ruhetage verträgt; im Handwerk, wo Sabbath- und Speiscgesetze dem Lehrling Schwierigkeiten machen, und so auch in den „höheren technischen Fächern, Baukunde und Jngenieurwesen", die sich daraus entwickeln. Fabrik-, Straßen-, Eisenbahnarbeit re. kommen mit dem Sabbath in Collision. wie sich bei de» russischen Flüchtlingen zeigte, die keine Verwendung in Deutschland finden konnten. — Die Marine ist naturgeniäß fromm, also christlich und antijüdisch. — Die untern Klassen sind durch diese Schwierigkeiten auf... Almosen angewiesen, Beweis: Die Wohlthütigkeit der Juden! Die Religion aber muß respektirt werden, wenn nicht moralischer Ruin erfolgen soll. — Sie müssen also zum Schacher greifen, daraus ergeben sich psychische Verhältnisse, die nicht der Ethik entsprechen. — Die daraus hervorgehende excessive Energie, Vermögen zu erwerben, ist selbst im Erfolg unerquicklich. — Nicht anders bei den sogen, höhern Ständen. Geschichte, Aufsätze, Lesebuch können nicht ganz confessionslos gehalten sein: also Ausschluß der Juden vom Lehramt.— Der Staat verwaltet auch die kirchlichen Verhältnisse — also Ausschluß von der Verwaltung. — Jüdische Candidatcn für Staatsämter werden also zur Journalistik gedrängt — das Gefühl der Zurücksetzung erbittert gegen die Umgebung. — Durch diese Schranken entsteht auf einzelnen Gebieten die übergroße „jüdische Concurrenz", was die darunter Bedrohten zu Antisemiten macht. — Es bleibt also nichts übrig als der Handel, und alle Folgen unfreiwilliger Berussivahl können nicht ausbleiben. - *) Sieht die RedaciionS-Note ans der 1. Seite des heut. Litteraturbl. '6|t nnb ftitSen! ü "Vogler n. Ä. ober direct eimuienben an : Die Expedition der ..Israelit. Wochenschrift" in Magdedurg. Wochen- Februar. 1885. Sch’wat, 5845. Kalender. Donnerstag . 12 j 27 ■ Freitag . . . 13 28 n'tOB©». P.Schekalim (6.50) Honnabend 14 1 Ncumondeinsegnung. Sonntag 15; 30 j Rosch Chodesch. Montag. . - 16 j 31 | Adar. Dienstag . . 17; 32 Mittwoch . 18 33 Donnerstag . 19 34 „Wahrlich der Kampf des Lebens ist schwerer fiir_ einen Inden, als für seine christlichen Mitbürger" — schließt das erste Kapitel. — Wer kann da widersprechen? — Was bietet dem Juden dafür Ersatz? — Das behandelt das 2. Kapitel, natürlich „die Religion". „Manche achtbaren Kreise finden auch in ihr innere Befriedigung" und Ersatz, „aber nicht alle". — 1. Die Beschneidung schon hat viele Gegner, ist aber im Judenthum nicht zu entbehren oder zu ersetzen. 2. Der Gottesdienst ist national: die Predigt untergeordnet: die hebräische Sprache hindert die Andacht, ist aber nicht aufzugebcn, daraus folgt die Bürde des hebräischen Sprachunterrichts für die Religions-Schule, darunter leidet der eigentliche Religionsunterricht. Nur Beseitigung der hebräischen Sprache aus der Synagoge würde radikal helfen; aber das würde Zwiespalt in den Gemeinden schaffen und mehr schaden, als nützen. Eine reformatorische Thätigkeit würde nicht beim Gottesdienst halt inachen; darum vermeidet man es „über die Tiefe der Gegensätze" sich klar zu machen, wie z. B. auf der Rabbinerversammlung in Berlin 1884. — Wer weiß auch, ob Reform des Gottesdienstes gelingen würde? Ob geeignete Gebete und Lieder von jüdischen Predigern und Dichtern der Gegenwart zu erwarten sind? 3. Die Sabbath weihe ist durch die Werktagsumgebung den Juden getrübt. Schule, Geschäft erschwert selbst den Besuch des Gottesdienstes; wer als Kind dein Gottesdienste fern bleibt, wird auch als Erwachsener sich davon fern halten. — Der Sabbath kann nicht auf den Sonntag verlegt werden; ein solcher Versuch würde die Gemeinden noch mehr spalten. § o bleibt ein großer Theil der Juden ohne Sabbathweihe und Andacht. — Wer wird verkennen, frage ich, daß üics Bild erschreckend ähnlich ist? V