Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 6. (5.2.1885)
- Date
- 1885-02-05
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
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— 47 — die nöthige Anzahl von Anstreichern, noch auch das erforderliche Quantum rother Farbe aufzutreiben. Diesem Umstande wollte jedoch die Polizei keine Rechnung tragen und sie nahm deshalb wieder ihre Zuflucht zur Knute, welche sie die Juden so lange fühlen ließ, bis selbst Weiber und Kinder sich herbeiließen Anstreicherarbeiten zu verrichten, wobei schließlich in Ermangelung von Farbe, die Thüren solange mit Ziegelmehl gerieben wurden, bis sie roth waren. — (Ist Reiner da, der solches Verfahren den Rumänen einmal „roth anstreicht?" Red.) lS-hüm folgt). Vermischte und neueste Nachrichten. Werli« Professor Pin »er ist zum Mitgliede der technischen Commission im Handelsministerium ernannt worden. (Wir beglückwünschen HerrnP., — der vor 25 Jahren mit uns das jüdische theologische Seminar einige Jahre besucht hat — zu dieser einen, Juden in Preußen bisher noch nicht zu theil gewordenen Auszeichnung. Red.) Werkt», 2l>. Januar. (Or.-Corr.) Der hebräische Liltcratur-Vcrein Mckize Nirdainim zählt bereits 200 Mitglieder, unter denen sich auch mehrere nichtjüdische Gelehrte und Staats-Bibliotheken befinden. Außer der bereits in der ersten Mitthcilung erwähnten Spende von 400 Mk. haben als Jayreöbeitrag gezeichnet: Baron Horace v. Günzburg 100 Mk. und vr. David v. Günzburg 25 Mk., ferner Herr A. Epstein in Wilna 26 Gulden (außer dem gewöhnlichen Abonnement mit 6 Gulden) und Herr Salomo Jaschnnsky aus Warschau hat 5 Rnbcl zum Andenken seiner seligen Frau gespendet. Eine besondere Theilnahme giebt sich in den verschiedenen an das Cvmite gerichteten Wünschen kund, denen so weit als möglich Rechnung getragen werden soll. Mit den zunehmenden Mitteln tverden sich auch die Ziele des Vereins immer weitgehe,ldcr gestalten. Von den Schriften, welche im ersten Jahrgänge erscheinen werden, wird im Februar d. I. mit dem Druck des fortgesetzten Pachad Möchack, ferner der sehr lehrreichen „Gcouim" Bescheide nach einer Handschrift in der Kaiserlichen Bibliothek zu Petersburg und von E>r. Harkavp geordnet, und eines Sammclbandes, der verschiedene bisher uncdirten Piecen enthalten wird, begonnen werden. Welche andere Schriften noch zur Aufnahme gelangen, soll näher mitgcthcilt werden, sobald die Schwierigkeiten, welche die Herbcischaffung von den diesbezüglichen Abschriften noch bietet, beseitigt sind. — Beitritts-Erklärungen nimmt entgegen Herr Or. Berliner, Berlin, 151 Jnvalidenstr. Aamslau, 28. Januar. In der gestern abgehaltcncn! Sitzung der Stadtverordnetenversammlung lvurde Rechtsanwalt Or. Landau zum Vorsitzenden wiedergewählt. Zabrze (Oberschlesien), 29. Januar. Der an der hiesigen jüdischen Schule seit 10 Jahren amtirende erste Lehrer Sachs ist heute Vormittag 9 Uhr während des Unterrichts und in dem.Augenblicke, als der königliche Kreisschulinspector das Klassenziinmer betreten hatte, in Folge eines Schlaganfalles plötzlich verstorben. Arumath (Elsaß). Der Rabbiner Salvmon Levy, der allseitig sehr Verehrte, ist gestorben. Wien. Der Kaiser hat den Pester Armen 16,000 Gulden niit der ausdrücklichen Bestimmung geschenkt, daß kein Unterschied der Confession bei der Vertheilung berücksichtigt werden soll. Wie». Der außerordentliche Prof. vr. Joses Schey wurde zum ordentl. Professor des römischen Rechts an der Universität in Graaz ernannt. _ Aus Hakizien Der Strafproceß des zweimal von Schwurgerichten (wegen angeblicher Ermordung einer Christcnmagd) zum Tode verurtheilten Ritter gelangt in diesem Monate zur nochmaligen Versammlung vor dem Cassations- Tribunal. In tzzernowitz sind 2 Juden, die l)r. Atlas und Wechsler, zu Vicebürgcrmeistern gewählt worden. In Aadi-Karoky (Ungarn) hat der Bürgermeister bei der Anwesenheit des Erzherzogs Rudolf die Eruwdrähte entfernen lassen: die Gesetzlichkeit (!) der Maßregel ist vom Verwaltungsgericht und dem Cultusminister anerkannt worden. In Sens wurde vr. Javal zum Deputaten gewählt. Sein verstorbener Vater war Mitglied des Centralcousistoriums. Amsterdam. Der Maler Israels ist korrespondirendes Mitglied der Akademie der Künste (Institut de France) geworden. Manchester. Der von hier stammende junge Henri Henriquez hat am Worcester-College in Oxford einen Preis von 80 Pfund erstritten. Da die schriftlichen Arbeiten am Samstag gemacht werden sollten, erbat und erhielt Herr H. die Verlegung auf einen andern Tag! Im frommen kirchlichen England scheint man also darüber anders zu denken, als im Berliner Cultusministerium. (Es wird auch aus Posen berichtet, daß daselbst ein Gymnasialdirektor einigen jüdischen Abiturienten zu Liebe, die erklärt hatten, daß sie die auf Sonnabend angesctzte schriftliche Prüfungsarbeit in keinem Falle anfertigen würden, selbst auf die Gefahr hin, daß sie dadurch in ihrer wissenschaftlichen Carricre gestört werden sollten, die betr. Examenarbeit aus einen Wochentag verlegt hat, zur Beschämung derjenigen jüdischen Mitschüler, die sich eben anschicktcn, die Arbeit am Sonnabend zu machen.) Hlnßkand. Außer der kürzlich von der russischen Regierung anerkannten christianisircnden Sekte „Neu-Jsrael" existirt noch eine ähnliche religiöse Sekte in Jelissawetgrvd unter dem Name» „Geistlich-Biblische Brüderschaft", die gleichfalls von den russischen Behörden protegirt wird. Die von österr. Blättern colportirtc Nachricht, der Gründer der erstgenannten Sekte, Josef Rabbinowitsch in Kischenew, sei von orthodoxen Inden ermordet worden —■ bestätigt sich G. s. D. n i ch t. Aus Hluhkand. Die Juden fragen sich, ob Jgnatief's Anstellung als Bicegonverncur von Ostsibirien eine Verbannung oder ein Wiederaufleben dieses modernen Haman sei. Auch die Chedarimfrage ist mit allem angcsammeltcn reichen Material der Judencommission des Grafen Pahlen vorgelegt worden. („Wie sic so sanft ruhen!") In Tipowiz (Bezirk Kiew) hat ein Mann, der noch unter Nikolaus gedient hat und als Soldat Christ hat werden müssen in seinem Abschiedsattest die Religionsbezeichnung geändert und lange Jahre als Jude gelebt. Von einem ehemaligen Freunde denuncirt, wurde er wegen der Aenderunz freigesprochen, aber veru r th ei l t, daß er nicht mehr Jude sein dürfe! Jerusalem. Ein Sobotniki (Sabbathfeiercr) mit 5 Söhnen (die schon das Bnndeszeichen tragen) und 1 Tochter ist aus der Gegend von Astrachan hierhergekommen, um hier völlig als Jude zu leben. Serbien. Der Baron Moses v. Waldberg (Bruder des Jarislawer Rabbiners) hat von der Königin Natalie ihre große, bei Kischinew gelegene Besitzung gekauft. Jüdische Ackerbauer dürsten dort Arbeit finden. (Jwri.) Den in Hdessa angesiedelten ausländischen Juden ist auf Ministcrialbefehl soviel Zeit gelassen, als znm Erwerben des Patentes für Kaufleute erster Gilde nöthig ist. Kakisch. Der jüd. Gutsbesitzer Tikotziner hat den Bauern seines Dorfes 1000 Rubel und einen B.uplatz für eiite Kirche geschenkt. Marocco Die neuesten Nachrichten aus Demnat lassen für die dortigen Juden das Schlimmste befürchten, obschon der gegenwärtige franz. Gesandte (Herr Ordega) sich warm der Verfolgten annimmt und sein Nachfolger, Herr Fernand, versprochen hat, alles Mögliche für sie zu thun. Aus Alerandrien meldet der Telegraph den plötzlichen Tod des Baron Bechor v. Menasce.