Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-01-02 · N° 1. (2.1.1885) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 1. (2.1.1885)
Date
1885-01-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584603--5567-9584610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

7 — Hdelsa. Hier hüben 2 Repräsentanten dem Gouverneur «in Gesuch eingcreicht: Es sei an der Zeit, daß die Gemeinde einen russischen statt eines deutschen Rabbiners erhalte, und schlage» sie einen frühcrn Kanzleivorsteher des Rabbiners als Landidaten vor. Das Subjekt ist bestraft und unwissend — und das soll einen Schwa b ach er verdrängen, der 24 Jahre im Amte und selbst von seinen Gegnern verehrt wird! (S. Raschi zu "CT, m: p» Red.) Vttttte (Posen). Herr Dr. med. Peiser, unser wackerer Arzt, der ein braves, eifriges Mitglied der jüdischen Gemeinde-ist und für alle jüdische» Institutionell regen Eifer bekundet, ist z,mi Kreiswnndarzt mit Beibehaltung seines hiesigen Wohnsitzes ernannt worden. Vrag. Eine Deputation der böhmisch-jüd. Gemeinde hat Audienzen beim Cnltusminister Conrad und dem Ministerpräsivente» Grafen T n a f e gehabt, um eine Regelung der Gcmeindevcrhältnisse zu erbitten. vermischte und neueste Nachrichten. Aernburg, 25. Dceembcr. Heute Morgen entschlief sanft der hochbetagtc herzoglich Anhaltinischc Landrabbincr vr. Salomo» Herxheiiner int 84. Lebensjahr. Was er während eines halben Jahrhunderts als Rabbiner und Gelehrter in- und außerhalb seiner Gemeinde für die jüdische Litteratur und ganz besonders für die jüdische Rcligionsschulc geleistet hat, bleibe einer besonder» Würdigung vorbehaltcli. Seine ihm in Liebe und Verehrung anhangende Gemeinde ehrte ihn auch in seinem Tode. Soiintag, den 28., Machmiltag gegen 2 Uhr fand eil, TranergotteSdienst in der Synagoge statt, ivvbei Herr vr. Maybaulii ans Berlin eine ergrcijelide Trauerrede hielt, die einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer machte. Es sprachen ferner die Rabbiner Or. fröhlich aus Halle und vr. Weiße ans Dessau. (Wir selbst, all der Hinreise verhindert, widmeten dem befreundeten Collegeti in der hiesigen Synagoge am Sabbath in der Betrachtlnlg über den Wvchennbjchnitt einen innigen Nachruf, anknüpfend an die Worte der Sidra, äs*? xn „Hier habt Ihr Samen!" die ja das Motto des bereits ui 29. Auflage erschienenen Reiigionsbnches des verewigten Verfassers bilden. Sein Andenken wird in den Herzen aller treuen Juden immerdar gesegnet sein! Red.) Stuttgart, 18. December. (Or.-Cvrr.) Der Verein zur Unterstützung von Wittweli und Waisen armer isr. Lehrer und Vorsänger in Würltcllibcrg l Vorstand Oberlehrer a. D. Liebeila» hier) verösfentllcht in dieser Woihe seinen Rechenschaftsbericht pro 1883/84. Auch in diesem Verwaltungsjahr haben die Gönner des Vereilis denlselben ihre Sympathien erhalteli (und itjn iii den Stand gesetzt, 710 Mk. Unterstützungen zu gewähren: in einem Falle wurde über die Grenze unseres engcrl, württembergischcn Vaterlandes hinaus einer armeli isr. Lehrers Wittwe mit ficben unversorgten Kindern, deren Gatte in Mitten der Uebung des Amtes vom Blitze gelobtet wurde, eine namhafte Unterstützung gegeben. Unser gnädigstes Königspaar hat den Verein wieder mit huldvollen Gaben bedacht. Die Zahl der Mitglieder beträgt 50. Die Ausgaben betragen 1010 Mk., die Einnahmen 2239 Mk., darunter 1021 Mk. Beiträge und 1002 Mk. Zinsen. Das Vermögen beträgt 26154 Mk. und hat um 1592 Mk. zugenoumicn. Ludwigsburg, 20. Dezeniber. Gestern Nachniittag fand die feierliche Einweihung der neu erbauten hies. Synagoge statt. Die Betheiligung an der Feier war eine überaus zahlreiche. Aus allen Ständen und Bcrufsklassen hatten sich auch christliche Theilnchmcr eingcfunden, um Zeuge der schönen Feier zu sein. Der Fcstzug, in welchem die höchsten militärischen Chargen hies. Garnison, Regierungsbeamtc aus Stuttgart, Oberregierungsrath v. Finkh, die hies. bürgerlichen Kollegien, sämmtl. evangcl. Geistlichen, die Rektoren der hiesigen höheren Lehranstalten u. s. w. sich befanden, bewegte sich durch die belebtesten Straßen der Stadt. Werknicister Baumgärtner, der Erbauer des Tempels, hielt eine kleine Ansprache, und nun erfolgte der Eintritt m das neue Gotteshaus, das trotz des Rcnhthums der Farben einen sehr harnionischen Gesannnteindruck macht. Kirchenrath vr. v. Wassermann hielt den Festgottesdienst ab. Nach der Festprcdigt erfolgte ein Weihegebet. Abends von 5 Uhr ab fand zu Ehren der Einweihung in den Sälen des Gast- Hofs zum Bären eine Reunion statt, zu ivelcher viele hiesige christliche Theilnehmcr sich cingefundcn hatten. Arody. In würdiger Weise hat Herr R. Loewenberg hier seinen 70. Geburtstag gefeiert. Am Sonntag speiste er 200 jüdische und 200 christliche Arme. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag erhielten je 200 Arme Abendbrod und eine Spende. Hedenburg (Ungarn). Graf Lndislaw Seczenyi hat dem Gemeindevorsteher 400 Gulden als Beitrag zum Bau der jüd. Schule geschickt. Mew-Kork. Das Chacnka cingewcihte isr. Waisenhaus ist ein 4 stückiges Gebäude mit.2 Flügeln. Für 800 Zöglinge ist Raum: die Kosten des Baues betrugen 2600000 M. Präsident des Comite's ist Herr Jesse Selig mann. Varls. Die isr. Arbeitsschule des Herrn Reblaud hat 1883 eine Ausgabe von 59000 Frcs. gehabt, zu welcher die Channkasammlung 19000 beigebracht hat. Eine Stiftung sichert 10 Stellen Elsaß-Lothringern. 75 Zöglinge bilden den Jahresdurchschnitt der Jünglinge, die Uhrmacher, Tapezierer, Schreiner, Eiseleure werden. — Die Wahlen für das Consistorium haben die Wiederwahl der abtretenden Herren Erlanger Bloch, Crean ge ergeben. In Gran ist ein Rabbiner Jacob Perez im fabelhaften Alter von 118 Jahren gestorben, der bis zum Ende im Vollbesitze feiner Geisteskraft—> und wenn man vom geminderten Sehvermögen absieht — auch aller Körpcrkräfte geblieben ist. I» Funis ist als Lehrer der Physik an dem Cours de l'Associaiion pvlytechniqns Herr Raymond Valensi angestellt worden. — Ans Rumänien wird berichtet, wie die Behörden auch die im Lande geborenen Kinder solcher Inden, welche nienials Untcrthanen eines anderen Landes gewesen sind, als Fremde eintragen, weit die Väter keine Papiere haben, um zu ertveisen, daß sie keine Ausländer sind! Aucarest. Bei einer kürzlich im Senate stattgehabten Debatte über das neue Hausreglement, wurde folgender Antrag ztim Beschluß erhoben: „Der Antrag auf Verleihung des StaatsbürgerrcchteS mit DispenS der vorgeschriebenen 10jährigen Stage, kann nur mit 2I, Majorität erfolgen, während zur Naturalisicung eines in >vas immer für einem Lande geborenen Rninänen, die einfache Majorität genügt." (Siche vfficiellen „Moniteur" Parlamentsdcbatten Nr. 13 v. 5. December 1884.) Dieser, dem Wortlaute der Constitution zuwider laufende Beschluß, verfolgt lediglich den Zweck, den Israeliten die Erlangung des rumänischen Staatsbürgerrechtes noch mehr zu erschwercti, als es ohnedies der Fall ist. __ Vetersburg Am 16. December veranstalteten die jüd. Studenten einen Ball, dessen Ertrag armen Commilitouen zu Gute ko.nmt. In dem gutbesctzten Saale waren fast nur Jude» anwesend. Bedeutende jüd. Künstler traten auf: der Reinertrag betrügt ca. 2000 Rubel. Der Kaiser hat ausnahmsweise die Aufnahme des in Odessa studircnden Juden Freie mann in den rnss. Unterthanenverband gestattet. Söhne in Rußland wohnender jüd. Ausländer dürfen zu keinen, Examen, zu keinem Amte zugelassen werden — und in die Heimath ihrer Eltern können sie nicht gehe», weil sie ihr entfremdet sind. Rußland Ein Beispiel seltener Lebenskraft wird aus dem Doryc Stadrow (Podolien) genieldet. Der „alte Jacob" ist 120 Jahre alt, noch so kräftig, daß er Holz im Walde haut, Wasser schöpft und mehrere Werst zu Fuß geht. Von einer mehrmonatlichcn Krankheit ist er soeben wieder erstanden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.