Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 52. (23.12.1880)
- Date
- 1880-12-23
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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Mo• 53« Das Jahrg. IX« Erwägung« ei pSie"als 1 «erra i! ,a״f8 Wort | [erk " aber [8״gesetzter lneiaem4n, fe als ״Sage« t Weise auch I ״״! Blut, ia י Blae Keck• |!enJudea 58 der Verf, j ntlichea Ge-1!!1'oer Spien- \ r(% wäre. | ar so wirrj lolchow auf | Grundlage j •eis 2 Mark!גי beziehen)s יז von 5621 1 iolchen Werf Besprechung | 1 Rees zur j: giebt noch; das Selbst-j der Sabbate : r die Fest- December icht bedeue Alles gut, ahl die Beängte Fan Zugabe. Jüdische Literaturblatt Zur Belenchtun % aller Jadentbam and Jaden betreffenden literarisch.Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalin, Exegese, Momiletik, Litargik, Pädagogik. ץ־ Herausgegeben von Rabbiner llr. üloritz Kahmer. Magdeburg:, ä3. December 1880. Bacher der einschlägigen Literatar, welche der Redaction aagesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh. Besprachang. BeiEiasendang von zwei Recensionsexemplaren erfolgt nach Erwähn. i. d.Wochenschr. \י Das ״ Jiidlfielie liltssrÄturblrntt44 erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhudiiingen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8Mk. Abonnenten der ,israelitischen Wochenschrift“ (di e vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 3 Hk, kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — IüHewfcte werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr» L• Daube Jfc Co«, Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln,..München, Zürich, Wien, Paris. e« »j Inbgltt Wissenschaftliche Aufsätze: Aus Mommsen’s: 4״uch ein Wort über unser Judenthum“. Literaturbericht: Drei Zeitpredigten: I. Selbstbetrachtung, ein Wort zur Judenfrage am Makkabäerfeste. II. Die Lichter am Abend. III. Der Kampf Jacobs. Inserat. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Aus Mommsen’s: ״Auch ein Wort über unser Judenthum.“*) ״In dem Charivari, welches jetzt zum Befremden der übrigen gebildeten Welt in Deutschland über die Judenfrage sich erhoben hat und zu dessen Missklängen der Pöbel auf beiden Seiten nach Vermögen beisteuert, wird es kaum möglich sein, dass eine einzelne Stimme sich Gehör verschaft; die Aussicht, das Unwesen auch nur zu mindern, erscheint selbst dann gering, wenn man es über sich gewinnt, zu glauben, dass die Agitation nicht zugleich eine Machination ist. Neben dem längst ausgebrochenen coufessionellen Krieg, dem sogenannten Uulturkampf, und dem neuerdings entfachten Bürgerkrieg des Geldbeutels, tritt nun als drittes ins Leben die Missgeburt des nationalen Gefühls, der Feldzug der An tisemiten. M. gesteht zu: ״Alle hervorragenden Arbeiten, die von Juden der Neuzeit herrühren, stehen innerhalb der Literaturkreise derjenigen Nation, welcher eben dieser Jude angehört. Es tritt dies weniger hervor in den philosophischen und den abstrakten Wissenschaften, bei welchen überhaupt die Nationalität, namentlich auf den höchsten Spitzen, oft fast unfühlbar wird, als in der Poesie. Ich will keine Namen nennen, aber man vergegenwärtige sich jeden jüdischen Dichter und Romanschreiber von einigern Belang oder auch nur von einigem Erfolg; man wird wohl die Spuren ihrer Herkunft erkennen, wie denn kein Poet seinen Ursprung verleugnen kann und Goethe immer auch ein Frankfurter Kind bleibt; aber wie sie sind, trefflich, mittelmsäig, widerwärtig, sie haben keine Fühlung unter sich, und der deutsche Israelit steht ebenso mitten im deutschen literarischen Leben, wie der englische mitten im englischen. ״Es soll ganz and gar nicht in Abrede gestellt wer- *) Wir geben aus der im Verlage der Weidmann’sehen Bnchhandlung in Berlin erschienenen, in vieler Beziehung überraschenden Broschüre vorderhand ,hier die markantesten Stellen wieder. Eine kritische Besprechung folgt in dea nächsten Nummern. (Red.) den, dass die Sondereigenschaften der unter uns lebenden Personen jüdischer Abstammung weit schärfer empfunden werden, als diejenigen anderer Stämme und selbst anderer Nationen. Sie sind von Haus aas bestimmter ausgeprägt und durcL ׳He beiden Theilen gleich verderbliche tausendjährige _ Erdrückung der deutschen Semiten durch die deutschen Christen in künstlicher und zutn Theil grauenvoller Weise gesteigert. Unsere politische und unsere literarische Entwickelung trägt die Spuren davon und kein Historiker darf sie überschweigen. Die Geschiehte des Hauses Rothschild ist für die Weltgeschichte von mehr Bedeutug, als die innere Geschichte des Staates Sachsen; und ist es gleichgültig, dass dies die Geschichte eines deutschen Juden ist? Unser Jahrhundert hat vielleicht kein grösseres Dichtertalent gesehen als Heine; und wer kann dieses Spielen des Verstandes mit dem eigenen Herzblut, dieses im Wollüstigen und Phantastischen gewaltige, der Charaktertragik Shakespeares schlechthin haare Gestaltungstalent anders begreifen, als wenn man sieh seines Ursprunges erinnert? Gewiss, die Unterschiede sind da, und sie sind so beschaffen, dass der Jadencultus einer gewissen Epoche, oder — in welcher Form er heute aufzutreten pflegt — die Judenfurcht wohl zu den einfältigsten Verwirrungen gehören, deren zu bedienen unsere Nation sich beliebt hat und noch beliebt. Aber diesen Schranken und Mängeln stehen wieder Fähigkeisen und Vorzüge gegenüber, deren Besitz nicht zum letzten Theil mit die Agitation mit veranlasst hat. Dass der reinste und idealste aller Philosophen als Jude gelebt und gelitten hat, ist auch kein Zufall; und an der jüdischen Wohlthätigkeit, auch gegen Christen, könnten diese sich ein Beispiel nehmen. Es ist eben wie überall. Licht uud Schatten sind gemischt; ob mehr oder minder ungleich, wird Niemand zu entscheiden wagen, der nicht Hofprediger ist. Ohne Zweifel sind die Juden, wie einst im römisehen Staat ein Element der nationalen Decomposition, so in Deutschland ein Element der Decomposition der Stämme, und daruf beruht es auch, dass in der deutsehen Hauptstadt, wo diese Stämme faktisch sich stärker mischen, als irgendwo sonst, die Juden eine Stellung einnehmen, die man anderswo ihnen beneidet. Decompositionsprozesse sind oftmals nothwendig, aber nie erfreulich und haben unvermeidlich eine lange Reihe von Uehelständen im Gefolge. Ein gewisses Abschleifen der Stämme an einander, die Herstellung einer deutschen Nationalität, welche keiner bestimmten Landsmannschaft entspricht, ist durch die Verhältnisse unbedingt geboten und die grossen Städte, Berlin voran, deren natürliche Träger. Dass die Juden in dieser Richtung seit Geneihe ^eze 1-