Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1880-12-09 · No. 50. (9.12.1880) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 50. (9.12.1880)
Date
1880-12-09
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5367336-6488238-9584575--1700-9584579
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 200 welche auch hebräische Zeitschriften lesen, wird Herr W. als ausgezeichneter Hebraist schon bekannt sein; es dürfte in der That in unserem deutsehen Vaterlande nur Wenige geben, welche ein so musterhaftes Neuhebräisch schreiben, wie Hr. W. Wer sich von seiner Meisterschaft überzeugen will, der lese seinen eben im Selbstverläge erschienenen ״Bit)- thenstrauss“. Herrn W., den, wie er im Vorworte sagt, zur Herausgabe dieses Werkes ״unbegrenzte Liebe zu unserer heiligen Sprache und das aufrichtige Streben, diese Liebe auch in den Herzen unserer Jugend, wo sie leider erkaltet ist, wieder anzufachen“ veranlasst haben, wünschen wir, dass sein Buch diejenige Versich ganz besonders zu Ge 1 egen h eitsgesche n ken, und ein Knabe, der dieses Buch als Bar-Mizwa-Geschenk oder Religionssehul-Prämie erhält, kann eine reiche Fülle des Bel eh renden und Erfre uenden daraus schöpfen. Das Buch ist so gedruckt, dass auf der einen Seite das deutsche Gedicht, auf der sndern die hebräische Uebetragung des Herrn Dr. W., die öfterdas Original über trifft, steht; so ist das Buch zugleich eine Sammlung deutscher und hebräischer Gedichte. Die Uebersetzungen sind so einfach und wenig gekünstelt, dass mit Hülfe des Deutschen auch Knaben, und wie wir glauben, sogar Mädchen, sie mit Verständniss werden lesen können. In der Auswahl der zu übersetzenden Gedichte und Kernsprüche hat Hr. W. grossen Takt bekundet, und wir müssen ihm namentlich dafür unsern Dank aussprechen; dass er oft auch solche Kernsprüche deutscher Dichter wiedergegeben hat, für die in dem altjüdischen Schrittthum sich Parallelen finden, die er denn auch in Anmerkungen sorgfältig angegeben hat. Oft hat er talmudische Erzählungen und Legenden in Gedichtform wiedergegeben oder auch solche, die Sachs in seinen ״Stimmen vpm Jordan und Euphrat“ so herrlich umgedichtet hat, ins Hebräische übertragen. Um dem Leser von dem reichen Inhalte des Buches eine Vorstellung zu machen, gebe ich ein Verzeichniss der einzelnen Abtheilungen. I. פרחי לבנון. Moral-Gedichte zur Erbauung und Belehrung (S. 1—60). In diesem Theile giebt der Verf. Uebertragungen herrlicher Gedichte von Kossarski, Michael Sachs, Kulke u. A. Auch das wundervolle Gedicht ״Hagbaha“ von Haarbleicher giebt Herr W. meisterhaft wieder, während die Uebertragung von Kulke’s .,Schammes“ darum nicht als so sehr gelungen zu bezeichnen sein dürfte, weil die letzten Zeilen zu lang und darum etwas schleppend geworden sind. Sehr schön liest sich dagegen die Uebersetzung des Gedichtes ״Der blinde Mann“ auf S. 54. II. פרחי נעמנים a) Gedanken und Sprüche aus dem T a 1 m u d und Midrasch; b) Gnomen, SinnundVolkssprüche (S. 61—110). Die Ueber- Setzungen sind fast alle als durchweg gelungen zu bezeichnen. Wie schön und treffend ist schon die Uebersetzung der Ueberschrift von Nr. 10 S. 67: למוך ״ לשמד!/ ולא לשמן;Lerne um der Lehre Willen.“ III. פרחי שעשועים. Epigramme a) ernsten und erbaulichen, b) scherzhaften und satyrischen Inhalts (111—214). Leider muss ich es mir versagen, vnn der reichen Fülle• des Schönen, welche diese Abtheilung bietet, Einzelnes hier abzudrucken. IV. פרחי העתים. Gelegenheits - Gedichte (218—251). Diese Äbtheilung wird besonderes Interesse für alle Diejenigen haben, welchen die einzelnen Gedichte gewidmet waren. Aber es können dieselben auch als Muster für ähnliche Gelegenheiten dienen. Sehr schön ist die Begrüssungs-Cantate zur Einführung des Hrn. Oberrabb. Dr. Loeb, während das Fest-Carmen auf S. 232 unserem Geschmacke nicht entspricht. Den Anhang bilden V. פרחי תמרורים Grabschriften (S. 257—282), von denen Manche ganz vorzüglich sind, und VI. פרחי זכרון Grabinschriften der auf dem alten Friedhofe zu Altona ruhenden Rabbinen (S. 283—304). Diese letzte Abtheilung ist auch Wissenschaftlieh von sehr hohem Interesse, und wir sind dem Vf. für die grosse Mühe, die er sich gegeben, diese mögliehst genau mitzutheilen, zu ganz besonderem Danke verpflichtet. Die meisten dieser Grabschriften sind noch gar nicht veröffentlicht und die wenigen, die veröffentlicht sind, zeugen von der Flüchtigkeit der Copisten. Grosses Interesse bietet die Grabinschrift R. Jonathan Ei beschütz', die thatsächl ich von ihm selbst verfasst worden ist. Auf dem Leichensteine selbst sind die Worte zu lesen: נמצא בכתב ירו להציג על הציון. — Diese letzte Abtheilung ist auch selbstständig vom Verfasser zu beziehen. Seite 310—339 enthält פרחי טלואים, Nachträge zu den Epigrammen, die sich dem früher Gebotenen würdig an die Seite Stelen, sie oft noch überragen. Ich mache ganz besonders aufmerksam auf Nr. 12 S. 314, wo schon die Wiedergabe der Ueberschrift ganz ausgezeichnet ist. Auf die einzelnen Abtheilungen lässt Herr W. belehrende Anmerkungen folgen. Die bedeutendsten Autoritäten der Gegenwart haben das Buch auf das Beste empfohlen nnd es verdient solche Empfehlungen auch in reichem Maasse. Wir können nur von Herzen wünschen, dass dieses Buch in recht viele jüdische Häuser Eingang finden möchte. Es wird Allen, die es zur Hand nehmen, reichen Genuss und eine Fülle von Belehrung bieten• Drück und Ausstattung sind vorzüglich. Dr. R—r. Notiz. Als die bedeutendsten Arbeiten des jüngst verstorbenen Akademikers F. deSaulcy auf jüdischem Gebiete zählt ״Arch. isr.“ auf: 1. Wörterbuch der biblischen Alterihümer ln der Encyclopädie Migne. Paris 1859 — besonders gedruckt London 1876. 2. Die letzten Tage Jerusalems. Paris 1866. 3. Chronologische Studien über die Bücher Esra und Nehemia. 1868. 4 Geschichte der jüd. Kunst, aus heiligen und profanen Quellen. Paris, 2. Auflage, 1864. 5. Geschichte des Herodes, des Königs der Juden. 1867. 6. Notiz über die alte Geographie der Syrischen Küste von Beyrut bis Acco. Paris 1852. 7. Münzkunde des heil. Landes Paris 1874. 8. Untersuchungen über die Gräber der Könige Juda’s. Paris 1852. 9. Reise um das todte Meer und in den biblischen Ländern. 1853—54. 10. Neue Reise im heil. Lande, Paris 1865. 11. 7 Jahrhunderte jüdischer Geschichte. Von der Eroberung Jerusalems durch Nabuchodonosor bis zur Eroberung Bettir’s durch die Römer. 1874. Wofig r\ ־ w >h ST 0 002_ 2־ m g«v bD u +> '■•■י' ÄgSJB S-M_s 9? <0 fl -1 M A S CM E Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.■j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.