Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 50. (9.12.1880)
- Date
- 1880-12-09
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 198 — was er hervorgebracht, dem Gotte Israels zum Opfer bringt. Ib. S. 234. Demnach erklären wir, dass Japhet weithin sich ausbreiten und bei Sem, dessen Gott Je■ hova ist, gastlichen freien Zugang haben und mit ihm einträchtig in den Hütten wohnen wird, wie es heisst (Ps. 133,1): ״Wie fein und lieblich ist’s wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen.“ Sem ist und bleibt, wie sein Name (Schern Name) besagt, der Namhafte unter den Brüdern, weil Jehova sich Sem’s Gott nennt, oder, tiefer gesagt, weil Sem der Träger des göttlichen Sehern, d. i. der geschichtlichen positiven Selbstbezeugung des göttlichen Wesens ist. Mit Sem zusammen zu wohnen, ist deshalb Japhetcs Ehre und Heil. DieErfüllung ist handgreiflich, denn wir Alle sind: in Sems Hütten wohnende Japhetiten, und die Sprache des neuen Testaments ist die in die Hütten Sem’s eingezogene Sprache Javan’s (Griechenlands). Mit Recht leitet der Talmud (Tr. Megilla) aus diesem Segen die Berechtigung des heiligen Gebrauchs der griechischen Sprache ab. . . So ist denn Sem der Gesegnete. Kanaan wird in den 3 anschwellenden Sprüchen mit dem Fluche der Knechtschaft belegt, Sem empfängt geistlichen Segen, Japhet zeitlichen und dazu die Aussicht auf die Theilnahme am geistlichen Segen Sems. Dieser ist fortan die Mitte der heiligen Geschichte. Durch Sem hindurch geht die Bundeslinie. Schafft sich Gott hinfort eine Familie des Heils und aus diesen ein Volk des Heils, so wird es innerhalb Sems geschehen. Und dass Jehova sich Sem zum Gotte begibt, wird das Heil Japhet’s, welcher, obwohl jenem an Macht umfang überlegen, doch dessen geistlicher Obmacht sich fügt und brüderlich sich ihm anschliesst, wogegen Kanaan, unzugänglich für den Segen, der von Sem auf Japhet ausgeht, wider Willen sich beiden unterwerfen muss. — Dies der Sinn der 3 prophetischen Sprüche.“ — Soweit Delitzsch. Ich frage nun: Darf und kann nach dieser vom Standpunkte der gläubigen Theologie, die in den biblisehen Schriften Gottes Eingebung und in den Erzählungen wirklich Geschehenes erblickt, ein christlicher Theologe dem Antisemitenthum angehören, ohne den Verdacht der Ungläubigkeit zu erregen? Wird er denn nicht durch seinen Anschluss an dieses ein Gegner von den Trägern des göttlichen Namens? Gibt er denn da nicht den Wunsch zu erkennen, nicht zu wohnen in den Hütten Sems und nicht theilhaftig werden zu wollen des geistigen Segens, der von Sem auf Japhet übergegangen ist? Wenn ein Geschichtsprofessor, der in den biblischen Erzählungen nur Mythen sieht; wenn ein eingefleischter Materialist, dem Christenthnm und Judenthum vom Uebel sind, wenn diese, falls sie auf die Prinzipien der Freiheit, des Rechts und der Humanität verzichten, Antisemiten werden, so kann man sie doch keiner Inconsequenz zeihen. Ein christlicherTheologe aber, welcher nicht blos zum Scheine, sondern in Wahrheit von der Liebe zum Christenthume erfüllt ist, kann consequenterweise den Stamm nicht hassen, aus welehern dieses hervorgewachsen ist; er wohnt vielmehr gerne in den Hütten Sems und bekennt gerne, dass der Name ״Semit“ ein Ehrenname ist. Etwas zur Etymologie des Wortes שתלם• Die Form שתים' gibt den Grammatikern und Etymologen seit Jahrhunderten zu denken. Das Dagesch m ת bietet eine grosse Anomalie. Haben wir hierein Dagesch lene oder forte vor uns? Die Erklärer entscheiden sich bald für das eine, bald für das andere. Schon Kimchi macht in seinem Michlol auf$diese schwierige Form aufmerksam. Er hält das Dagesch in ת für lene; da aber auf ein Schewa mobile kein Dagesch lene folgen darf, schlägt er beim Lesen ein prosthetisches א vor, so dass man zu lesen hätte אשתים. Genesius schliesst sich in seinem ״Lehrgebäude“ (Leipzig 1817, pg. 96) dieser Ansicht an und verweist dabei als Analogon auf das arab. itsnatäni; Schultens hält dagegen das Dalesch für forte. Er denkt sich die Form entstanden aus ענתיס^, contrahirt in שתלם שותים — שנהלם.. Dass dieser Erklärungsversuch ein gänzlich verfehlter ist, leuchtet dem Kundigen sofort ein. Wie sollte die doppelt geschlossene Silbe ־שת שנת in einfaches Schewa sich verflüchtigen können? Zudem hat Schultens übersehen, dass selbst nach seiner Annahme das Dagesch im ת ursprünglich lene ist, שנתים' besteht nämlich aus aus den drei Silben שנ־ת־לם'. Gleichwohl hält Ewald in seiner ״kritischen Grammatik der hebräischen Sprache“ (Leipzig 1827, pg. 491) die Form שתים‘ für eine Verstümmelung von שתים שנתים'. Nägelsbach in seiner ״hebräischen Grammatik“ (Leipzig 1869, pg. 119 Anm. 2) hält das Dagesch für lene. ישתלם denkt er sich entstanden aus שנתים', wo ja unläugbar Dagesch lene im ת sich findet. נ sei vor ת ausgefallen, ohne dass mau die Schreibweise des ת geändert habe. Warum man aber gegen alle Regel die Schreibweise des ה hier nicht geändert habe, wird nicht unter Beweis gestellt. Kimchi’s Erklärung wird auch jetzt noch in ihren Grund- Zügen, als die relativ plausibelste, festzuhalten sein, obgleich dagegen eine formale und eine logische Schwierigkeit sich erhebt. Das formale Bedenken liegt darin, dass das prosthetische א, dessen man hier gar nicht entrathen kann, gerade hier weggefallen sein soll, während es sich in minder nöthigen Fällen auch dem Auge sichtbar erhalten hat, wie in den Formen ,אכדב, אזרוע אצבע u. s. w. Die logische Schwierigkeit liegt in der radix, welche man für die Form ישנים und ישתלם annimmt. Man spricht hier von den Dualformen zu dem singularis Activus שן, fern. שנה a verbo ״ ישנהwiederholen, verdoppeln“, ישתלם soll demnach das ״Wiederholte, Gedoppelte, Zwiefache“ heissen Allein nach der Analogie von תל ,רגלים ,אזן ׳אונלם ,:עלן ,ע י גלם ein Auge, Dual, zwei Augen u. s. w., müsste ישתלם eigentlich bedeuten ״das Gedoppelte in seiner Wiederholung“, was conse־ quent zum Begriffe der 2. Potenz oder der mit 4 multiplicirten Einheit führen müsste. Auch für ישני ,'שנלם muss eine angemessenere etymologische Ableitung versucht werden; für שתים' kann dieser Versuch jetzt schon gewagt werden. Schräder hat in den assyrischen Keilinschriften das Ixujiov istin entziffert und dafür die Bedeutung der Einheit festgesetzt. Dem assyr. istin hat man das bisher unerklärliche עשת, stat constr. עישתי in der Zusammensetzung עישתי עשר als Analogon an die Seite gesetzt. Ist Schrader’s Entzifferung richtig, so gelingt es vielleicht auch, die schwierige Form שתים zu lösen. Wir haben uns vor ש nicht ein prosthetisches א, sondern das zur Wurzel עשת gehörige ע zu denken. Die Dualform von עשת ergiebt die Bildung von עישתלם; die logische Schwierigkeit fällt fort. Der singularis fictivus עשת bedeutet: die Einheit, die Dualform ״ עישתיםdie Einheit in der Verdoppelung“, führt also zum Begriffe des 2. Das Dagesch lene im ת zeigt sich hier nicht minder, wie bei der Hypothese von אישתים. Dass aber hier ע vor ש ausgefallen ist, liesse sich vielleicht darauf zurückführen, dass die Form עיש תל ם dem sprachbildenden Volke später abhanden kam, da die radix sich nur