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Das jüdische Literaturblatt · 1880-12-02 · No. 49. (2.12.1880) · p. Seite 196

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 49. (2.12.1880)
Date
1880-12-02
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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— 196 -׳ Vergleichung der Parallelstellen, zuweilen auch durch glückliche Combination ermittelt (vgl. p. la Note 4, 2b Note 2g, 72b. 100b, Note 26 und 27, 128b Notel, 137 Note 1, 138 Note 1). Zusammengeflossene Vorträge sind hier wieder in ihre Theile gesondert, wobei jedoch die alte Numerirung mit Recht beibehalten worden ist (vgl. Nr. 23, 27,29). Der raisonnirende Commentar verbreitet über schwierige Stellen wünschenswerthe Aufklärung, doch hätte eine kürzere Fassung demselben keinen Abbruch gethan. Wenn der Herausgeber sich begnügt hätte, auf die Parallelstellen zu verweisen, statt sie wörtlich auszuschreiben, so wäre sein Commentar um nichts weniger verdienstlich, er würde aber zudem noch durch Kürze, welche ein Vorzug jedes Coinmentars ist, sich auszeichnen. Gute Bemerkungen des Herausgebers sind u. a. p 64b Note 102, 67aN0te 15, 83a Note 39, 170a Note 59. Hervorzuheben sind die mit grosssem Fleisse gearbeiteten Indices und zwar a) ein dreifacher Index der Bibelverse, b) ein Index der Vorträge. Zugaben sind ein Fragment von Moses Darschan und vier handschriftliche Vorträge. Das zum Schluss beigegebene Lexidion von Dr. Güdemann über die schwierigen, fremdsprachlichen Vocabeln und Redensarten in der Pesikta verleiht dieser Edition einen ganz besonderen Werth. Herr Dr. G. hat hierbei nicht blos die neuesten Forschungen und Beiträge verwerthet, sondern diverse bisher noch uneoträthselte Fremdwörter durch kritischen Blick eroendirt und sprachwie sachgemäß erklärt. Zur Jiidenfragc! Inquisition und Sc 11 eiterhaufen oder Stöcker contra Lessing. Ein Appel an die Vernunft des deutschen Volkes von Konrad von So ns he im. Stettin, Verlag von Barnim Behrendt. 1880. 15 S. gr. 8. Zweite Auflage. Nach wenigen Tagen 2 Auflagen, das ist die beste Besprechung dieses kleinen Libells, dessen Verfasser sich als Christ und A d 1 i g e r ausdrücklich bezeichnet. Dies freut uns um deswillen, weil die Feder eines Juden vorsichtiger hätte sein müssen. Anknüpfend an die Erklärung der 75 wird kurz auf die Leiden, welche den Juden im deutschen Mittelalter bereitet worden sind, hingewiesen, wie auf die Fülle von Tugenden, welche sie sich trotzdem bewahret haben. Dem Lessing’schen ״Nathan״ wird in s0 cial e r Wirkung Lindau’s ״Gräfin Lea“ zur Seite gestellt und dem Neide die Vaterschaft des Antisemitismus zugesprochen. Drastisch, aber nicht unwahr ist’s, wenn der Verf. uns Juden zuruft, dass die ״Chuzpe“ ein gut Theil des Hasses verschuldet hat. Mit der Putzsucht der jüd. Frauen hat Herrv. S. wohl eine ihm befreundete jüdische Dame ärgern wollen! So sei denn das gutgemeinte Schriftchen bestens empfohlen. L. Aron Salomo Nathanson, Lebensbild eines jüdiwelche das Schwinden des Wissens und das Steigen der Ansprüche Seitens der Cultusbeamten hervorgerufen, sich das rechte Vorbild vor Augen führen will, wie man sich zu verhalten habe, um im Amte sich glücklich zu fühlen, der lese dieses Lebensbild, das in der Trauerrede am deutlichsten hervortritt. Wer in der Misere, welche der Indifferentismus der Gemeinden, der klaffende Gegensatz zwischen Sollen und Wollen derselben hervorgerufen, sich deutlich machen will, wie man zu den ״ גבורי כחstarken und festen Charakteren“ gehören muss, um trotz alledem heilsam zu wirken und freudig zu schaffen, der lese dieses Lebenshild. Uns ist’s eine Mahnung zur rechten Zeit an die Gemeinden, wie an die Cultusbeamten. Doch ״nicht verlassen“ sind Israel’s Gemeinden, so lange es ihnen für ihre cultuellen Aemter nicht fehlt an Männern, die gleichen dem in dieser Schrift geschilderten braven Lehrer und Cantor Nathanson. L. Notiz. Die in Petersburg in deutscher Sprache erscheinende ״Russische Revue“ bringt im October-Heft über die Abstammung der bedeutendsten und vornehmsten russischen Familien Folgendes: In dem Stammbuche der alten russischen Adels-Chronik erscheinen die meisten Geschlechter als ausländische, nicht slavischen Ursprungs, so dass sich die Formel eingebürgert hat: Kam nach Russland aus .... während der Regierung des Grossfürsten.“ So stammen die Tolstoj aus Deutschland, die Liwsain hi essen Lövinstein und haben, wie ein ganz erheblicher Theil des russischen Adels und höheren Bürgerstandes, jüdisches Blut in den Adern. Die Kassodawlew waren pommersche Junker und ihr Ahne hiess Kass von Dahlen. Die Mjablew, Protastoff, Pepkow u. m.A. sind deutscher Herkunft. Die Fürsten Tscherkaski sind Abkömmlinge des ägyptischen Sultans Inal, die Urussow’s Nachkommen des tatarischen Fhldherrn Edigei. Die Fürsten Bagration rühmen sich sich gar, den König David zu ihrem Ahnen zu zählen. Der als Erretter Russlands im Jahre 1812 gepriesere Fürst Michael Kutussow Smolenski leitete seinen Stammbaum auf einen aus Deutschland eingewandertenJ 11 den,Na1nensGabriel, zurück, überhaupt waren unter 4 5 siegreichen FeldmarschälJen, die Russland seit 1700 bis 1880 zu verzeichnen hat, nur acht Russen, dagegen zweiundzwanzig Deutsche, vier von den Juden Abstammende, vier Kleinrussen und die Anderen Ausländer verschiedener Nationalität. Ebenso waren unter sämmtlichen Reichskanzlern nur zwei Russen, Golowkin und Rumjansew, dagegen Baron S chusirow ein Jude, Kurak i 11 jüdischer Abstammu ng, Rostopschin ein Tatare, die anderen entweder Deutsche, wie Nesselrode- und Ottermann, oder deutscher Herkunft. sehen Cultusbeamten. Nebst der an seiner Bahre gehalteneu Trauerrede von Rabbiner Dr. M. Rahme r. Mit einem Bilde des Verstorbenen. Preis 1 Mark. Der Reinertrag ist für eine ״Nathanson-Stiftung“ bestimmt. Magdeburg 1880. 22 S. gr, 8 u. 20 S. gr. 8. (Zu beziehen durch die Expedition der ״Israel. Wochenschrift.“ Der Anhang: ״Die Entwickelung des jüdischen Unterrichtswesens von Moses Mendelssohn bis auf die Gegenwart von Dr. Cohn-Oels“ versinnbildlicht den alten Brauch, auf den Sarg eines frommen Gelehrten eine Thorarolle zu legen: ״Was in dieser enthalten, hat dieser Fromme gehalten!“ Doch nicht allein ein tüchtiger Lehrer und Gelehrter, auch ein Muster eines jüd. Cultusbeamten war der Verstorbene. Wer in der Misere, toß cß Ö 9 Mu — SS oo «•S «"ft » gps SH סי o g **׳* to fH 5" y 4) * £ a n a. B ® 0 © ש •S £ © tn •pH ■S'ä'Aa me « S.2■ . 13״ A יי.&ש * ® ־4 £ © ס׳ >» CD •*-> CO Ui Druelifeliler. In vor. Nr. des ״Literaturbl.“ S. 191 b vorletzte Zeile muss es natürlich עמהם heissen. Verantwortlicher ßedacteur Dr. Kahmer in Magdeburg. Druck von K Horbach in Barby. Verlagvon Robert Friese in Leipzig.

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