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Das jüdische Literaturblatt · 1880-11-04 · No. 45. (4.11.1880) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 45. (4.11.1880)
Date
1880-11-04
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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— 180 — die in einer Analyse von dem hochsinnigen Josef von Sonnenfeld füi die russische Kaiserin Katharina geschriebenen Denkschrift besteht, bereichert mit zahlreichen einschlägigen Aufklärungen und Mitfheilungen, gleichfalls aus den reichen archivärischen Schätzen, die Hr. Wolf so gründlich auszubeuten versteht. Selbstverständlich kommt hier auch (8. 24), die von Josef anbefohlene Errichtung von Normalschulen für die Juden zur Sprache. Dahei wird ein Handschreiben des Kaisers an den Grafen Kollowrat vom 24. Februar 1787 citirt, wo es heisst: ״Um desto sicherer den Zweck zu erreichen, geschickte jüdische Schullehrer aus Böhmen und Mähren nach Galizien zu bekommen, will ich denjenigen Individuen, welche nach vorläufiger Prüfung hierzu geschickt und in Vorschlag gebracht werden, nicht allein ein Reisegeld von 50—100 fl., sondern auch zu dem gewöhnlichen Gehalte eine Zulage ad personam von 50 fl. zufliessen lassen, wonach Sie also das Erforderliche zu verfügen haben.“ » Zeigt sich in dieser Resolution des Kaisers sein bekanntlich bis auf die kleinsten Details sich erstreckender praktischen Sinn und zugleich seine hohe Vorurtheilslosigkeit, so bewies er letztere noch auffälliger in der gleichfalls von W. mitgetheilten Anordnung, dass in den Normalschulen das Gebet vor und nach dem Unterrichte, welches damals einen streng katholischen Charakter hatte (wahrscheinlich Vaterunser und Ave Maria) wegzulassen sei, um in solcher Weise keinen Schüler in seinem religiösen Bewusstsein zu verletzen. Josef war es auch, der die exclusiv katholischen Amtseide, die Doctoren und Professoren aller Facultäten vor Antritt der academischen Würden leisten mussten, aufhob und es somit Akatholiken ermöglichte, wenigstens den Doctorgrad zu erreichen, wenn es auch noch lange währte, ehe sie zu den höheren academischen Würden (Professur etc.) zugelassen wurden (S. 37 f. und S. 66 bei den Lyceen). —m. 0 t i z e ם. 1. Eine schwierige Bibelstelle. Die Stelle im II. B. Sam. 17,3 macht hinsichtlich der Satzconstruction alten und neuen Exegeten viel zu schaffen und ist fast von Allen verschieden aufgefasst und gedeutet worden, namentlich will das ♦ ♦ ♦ כשוב הכל האיש sich nicht gut einfügen lassen und Alle haben deshalb zu Ergänzungen bezw. Textesänderungen greifen müssen. Am Willkürlichsten verfuhren Sept. und Vulg., die wir deshalb hier ganz unbeachtet lassen können. Die jüd. Exegeten haben solche Willkürlichkeiten zwar vermieden, konnten aber doch mehr oder weniger Textesänderungen nicht umgehen. Sehr gezwungen liest Raschi: כשוב הכל אליך und nimmt האיש in dem Sinne: Mit dem Manne (David) geschah אשר אתה מבקש, was Du wünschest (dass er getödtet werde). Aehnlich übersetzt Luther. Ralbag giebt den Sinn blos inhaltlich und lässt die Satzverbindüng in der Schwebe. Abarbanel ergänzt אל und liest כ׳ ה׳ אל האיש. Philippson will das האיש gar nicht auf David, sondern auf die gesanunte Nation, wie לאיש ישראל beziehen*). Sachs (Zunz’sche Bibel) supplirt מלבד v0r האיש. Suchen wir uns die Zeit, in welcher die Handlung sich abspielt, so wie die dermalige Situation lebhaft zu vergegenwärtigen. Dass ein so ruchloses Unternehmen des Sohnes gegen seinen Vater seit langer Zeit vorher unter den Augen des letzteren sich vorbereiten konnte, dass ferner der sonst so kriegerische König, als die Katastrophe hereinbrach, auch nicht einmal den Versuch machte, seinen Thron mit dem Schwerte in der Hand zu vertheidigen, sondern in aller Eile das Weite *) Dann aber ist der Art, m הכל ungrammatisch. (Red.) § Verantwortlicher Redacteur Dr. R&hmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig. suchte; dass endlich Niemand aus der Bevölkerung in und um Jerusalem zu seinen Gunsten sich erhob — das Alles spricht laut und hestimmt dafür, dass David in jener Zeit der Zuneigung seines Volkes, namentlich unter den Stämmen diesseits des Jordans, sich nicht zu erfreuen hatte. Wir müssen annehmen, dass der König in vorgerückten Jahren — ein hohes Alter hat er bekanntlich gar nicht erreicht — die Regierungsgeschäfte anderen Händen überliess, die wohl nicht immer nach Recht und Gerechtigkeit verfuhren, besonders scheint es um die Rechtspflege nicht am besten bestellt gewesein, weil Absalotn gerade diese als Angelpunkt benutzte, die Bevölkerueg sich zu- und dem Vater abgeneigt zu machen. Aber auch die Mannschaft, die dem König folgte, muss wohl nicht sehr verlässlich gewesen sein, indem Achitofel diesen Umstand als Hauptfaktor zur Begründung seines Planes in Berechnung zog. Und nun beachten wir noch folgende feststehende sprachliche Regel: Das Wörtchen שוב, mit אל oder construirt heisst ״zurückkehren zu einer Person (einem Orte), wo man früher gewesen“, wie ^שובי אלגברה I. M. 16, 9. Dagegen mit *מ oder מ im eigentlichen Sinne umkehren, sich abwenden von einer Person, einer Riehtung, der man bisher gefolgt, man vergl. z. B. Numeri 32,15. Nehmen wir nun in unserer Stelle das Wort in diesem letztem Sinne, so sind alle Schwierigkeiten beseitigt und wir haben ein Satzgefüge, wie es nicht besser sein kann, wenn wir nur das präpositionelle מ ergänzen. Achitofel, der die allgemeine Stimmung, sowie auch die Unverlässlichkeit der Davidischen Mannschaft sehr wohl kannte, eriheilt den Rath, dass er den König noch in dieser Nacht überfallen wolle; die Mannschaft werde beim ersten Angriff die Flucht ergreifen und er werde nur den König allein zu tödten brauchen (alles weitere Blutvergiessen vermeiden können). Er fährt fort: ״Ich werde alsdann (nach dem Tode des Königs) die ganze Nation (nicht bloss העם אשר אתו) dir zuführen, לכשוב הבל מהאיש אשר אתה מבקש wie bereits Alles (die gesammte Bevölkerung) sich von dem Manne, dem du nachstellst, abgewendet.“ Dann : ״ כל העם יהיה שלוםwird sicher die Nation sich friedlich verhalten.“ (Du wirst keinen Aufstand zu befürchten haben. J. G1 ü ck-Erfurt. 2) Vom ewigen Juden. Lichtenberg’s ״Encyclopedie des Sciences Religieuses^ bringt in ihrem neuesten Bande eine Abhandlung von Gaston Paris über den ewigen Juden, worin der Verfasser nachweist, dass sich von diesem weder in den griechischen und slavisehen Apocryphen, noch in den Traditionen des orientalischen Christenthums, noch in den zahlreichen Legenden des lateinischen Mittelalters irgend eine Spur finde. Dio Popularität des ewigen Juden beschränkt sich auf einige Gegenden des nordwestlichen Europa’s, auf Deutschland, Skandinavien, die Niederlande und Frankreich. Sie ist neuen Datums und hat sich hier nicht durch mündliche Tradition, sondern auf durchaus literarischem Wege verbreitet. ״SS« a “׳fl fei s e s _ 82 * 5־ a ״ «fl 5 -צ SÄ 50 ej £ s.e (4 מ as ־ 4־ cp .£ u S"3 oö «.3 60 מ MS״ O 1© ■d ± feoCt <״ Sß u ע co fl -יי sp.d g *2 OiH M ca

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