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Das jüdische Literaturblatt · 1880-11-04 · No. 45. (4.11.1880) · p. Seite 178

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 45. (4.11.1880)
Date
1880-11-04
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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— 178 — die Ferne zu wandern, und schon schien die Sache der Humanisten in Erfurt und Gotha zu unterliegen. Da kam ihnen der Talmud zu Hülfe, um das verlorene Gebiet wiederzuerobern und siegreich behaupten zu können. (Fortsetzung folgt.) Die Misclinastelle Tamid III, 6. (Schluss.) Nach der 1. Mischna des 4. Perek von Middoth, wo der Eingang zum Hechal genauer beschrieben wird, sowie aus dem Weitern ergiebt sich, dass die Mauer, welche das vordere Hauptthor von dem inneren Haupt» thor zum Hechal trennte, 6 Ellen tief war. Es befand sich also zwischen den zwei Thoren ein Raum von 10 Ellen Breite und 6 Ellen Tiefe. Wenn die Thore geöffnet werden sollten, musste der Oeffnende durch eine Seitenthür an der Nordecke, die an einem manns• hohen Eingang angebracht war, in diesen Zwischenraum gelangen, oder erst in das Hechal selbst eintreten, um dann die Thore von innen zu öffnen. Man sieht hieraus, dass man das Oeffnen der Thüren von Aussen unmöglieh machte. Und dies wohl mit gutem Grund, Es war der wichtigste Theil des Heiligthums, der vor jedem neugierigen oder böswilligen Eindringling geschützt werden musste. Nun war das erstere, vordere, grosse Thürenpaar nicht am Rande der Mauer, sondern eine Elle tiefer angebracht, worauf Bartinoro hinweist. Es hat also die rechte, nördliche Seitenthür zum פשפש, ihre Stelle an der rechts von den Thüren befindlichen Wandecke, die aber eine Elle von derselben Vorstand. Es war wohl möglich, dass man diese Seitenthür nicht nur von vorne, sondern auch von der Nische zwischen den Thüren und der vorspringenden Wandecke aus öffaen musste. Der Oeffnende musste daher in die Nische eintreten, um von da aus zu öffnen. Es mag darum die Stelle so zu fassen sein: mit dem einen Schlüssel tritt man in die eine ellenlange Nische ein und öffnet von dort. Dadurch scheint auch die von dem Herrn Professor citirte Stelle in Jer. Horajoth III p. 48 b: ומהו אחר יורד לאמת בית השחי שהיה שיחה אמה עד שלא יפתח, welche er für corrumpirt und deshalb für räthselhaft hält, klarer zu werden. Auch der Aruch s v. כיון hat diese Stelle im Auge, denn er sagt: מהו יורדת לאמת שחי und erklärt: שהיה שוחה שלא יפתח. Vergleicht man beide Stellen, so wird wohl die richtige Lesart sein: (ומהו אחד (אחת יורד (יורדת) לאמת ובית) השחי שהיה שוחה אמה עדש לא יפתח und der Sinn: er beugte oder senkte eine Elle ein, ehe er öffnete, das heisst: er öffnete von der Seite der ellenlangen Vertiefung. Ich würde die Worte יורד לאמת השחי übersetzen: trat in die Elle der Nische ein. Welche Erklärung für אמת השחי man nun auch annimmt, soviel scheint sicher zu sein, dass es eine Art der Oeffnung bezeichnen soll, welche nicht die gewöhnliehe, alltägliche war. Hier an das מת השחי>( oder אמת השית unter dem Opferaltare zu denken, geht schon wegen des Zusammenhangs mit den folgenden Mischna’s nicht. Die Mischna 7 bis 9, welche diesen Perek im Talmud schliessen, stellen, wie erwartet, dar, was die Priester in dem Hechal thaten. Die Reinigung des שית hat mit dem Hechal nichts zu thun. Es wäre nicht zu erklären, was hier mitten in der Beschreibung der Hechaldienste der Hinweis auf die Reinigung des שית für einen Zweck haben soll. Nur um zu sagen, dass der mit dem דישון Beauftragte auch diesen Dienst habe? Das hätte vorher gesagt sein müssen, in M. 1 des 3 Pereks. Ferner lag ja der grosse Altar ausserhalb des Hechal; wie hätte man hier einen Dienst erwähnen sollen, welcher au ss er halb des Hechal auszuführen war, wo man von Diensten innerhalb des Hechal spricht? Wenn die Reinigung der שיתין täglich geschehen müsse, und zwar früh vor dem Morgenopfer, warum erwähnt dies die Mischna nicht im ersten Perek von Tamid oder im zweiten Perek, wo die Vorbereitungen am Opferaltar ausführlich besprochen werden oder am Schlüsse des dritten Perek, wo sie von der Beendigung dieses ersten Hechaldienstes spricht, oder am Anfänge des 6. Perek, wo sie noch einmal von den Priestern spricht, welche den דישון zu vollenden hatten? Im Gegentheil geht aus dem 6. Perek hervor, dass diese beiden Priester nach Darbringung des Morgenopfers noch einmal in’s Hechal zurückgingen, der eine seinen מגי holte, in der er die Altarasche gethan hatte und dann — והשתחוה ויצא, also keine Verrichtung mehr hatte; der andere die übrig gebliebenen 2 Lampen reinigte, den בוז nahm und — והשתחוה ויצא fortging. Eine weitere Verrichtung hatte auch dieser nicht. Wenn einer von ihnen den שית zu reinigen hatte, warum wird es nicht erwähnt? Also es ist nicht erklärlich, wie die Emendation יורה לאמת השית hier verständlich sein sollte. Darum scheint die Lesart לאמת השחי beglaubigt und richtig zu sein. Was bedeutet aber כיון? Der Herr Professor verweist auf Tamid V, 3 וחלונות היו שם und Pesachim 86a, Sebachim 56a החלונות ועובי החומה. Sehen wir uns nun die Fundorte genauer an. In Tamid V, 3 heisst es also: מסרוה לחזנים היו מפשיטין את בגדיהם ולא היו מניחין אליהם אלא מכנסים בלבד וחלונות היו שם וכתוב עליהם תשמישי כלים. Was bedeuten hier die חלונות, über denen die תשמישי כלים geschrieben standen. Fenster? das ist doch nicht möglich. In Meilah 6, 1 heisst es: אמר לו הבא לי מן החלון או מגלוסקמא. Hier werden חלון und גלוסק׳ nebeneinander gestellt und letzteres ist ein א1ון wie der Aruch und Bartinoro nach weisen Kann hier חלון ein Fenster sein? Legte man Opferstücke in die Fenster? Der Tos. Jomtob zu Meilah 6,1 s. v. מן החלון citirt noch andere Stellen, in denen חלון so wie hier gebraucht ist. Zuerst in Ediolh 5, 6; da heisst es: (והוא (עקביא בן מהללאל היה מתיר שער בכור של מום שנשר והניחו בחלון ואחר כך שוחטו, ebenso in Bechoroth 3, 4. In Parah 12, 4 und 10, 5 erwähnt man ein חלון, in welches man ein לגין gestellt hat; man unterscheidet da einen חלון של רבים von einem חלון של יחיד. Noch deutlicher aber ist die Stelle in Taharoth 7,7, wo es heisst: המניח את כליו בחלון של אודייא רין (?) ר׳ אלעזר בן עזריה מטהר וחכמים אומרים עד שיתן לו את המפתח או חותם או עד שיעשה סימן. Es gab חלונות in den Badehäusern, in welche man die Kleider legte, welche Thüren hatten und verschliessbar waren. Fenster haben aber keine Thüren. Das Wort bedeutet hier also, wie Tos. Jomt. wohl richtig bemerkt, eine Vertiefung in der Wand, die nicht zum Einlassen des Lichts bestimmt ist, sondern zur verschliessbaren Aufbewahrung von Gegenständen, daher einem Wandschranke gleicht. In diese konnte man wohl Priesterkleider legen und sie an- oder ausziehen. Aber auch die beiden anderen von dem Herrn Professor citirten Fundorte in Pesachim und Sebachim sprechen nicht dafür, dass חלון dort ״Fenster“ bedeuten könne. In beiden Fällen bezeichnen sie Orte, an denen man isst und von denen untersucht werden soll, ob sie als heiliger Raum anzusehen sind oder nicht. Isst man aber in Fensern? In Nischen wohl. Die Behauptung des Herrn Professor vom ״Oeffnen der Fenster“ ist darum nicht zu erklären, noch weniger, wie er diese Belagstellen anführen konnte, welche doch bei näheren Betrachlungen nicht von Fenstern sprechen, die zum Einlassen des Lichts bestimmt sind. Darum ist die Emendation in כוין nicht aufrecht zu halten. Vielmehr wird כיון wohl richtig sein und entweder wie Raschi ״leicht, ohne Mühe“, oder

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