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Das jüdische Literaturblatt · 1880-10-21 · No. 43. (21.10.1880) · p. [Seite 1]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 43. (21.10.1880)
Date
1880-10-21
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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KTo. 43. Das Jahrg. IX. Jüdische Literaturblatt. r Znr Beleuchtung allev .Indenthnm und Juden betreffenden literarisch.Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Etl1nographie,Theologie,Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. H e r a u s g e g e b e n von Rabbiner Dr. Moritz Kahmer. Magdebm*31 ,״. Oetober 1880. r Bücher der einschlägigen Literatur, welche der ßedaction zugesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendung von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn. 1. d.Wochenschr. Das IAteraturlilatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen •, Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang: 8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von G. T-*• Daube Sc Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wissenschaf tli ch e Aufsätze: Naturgeschichte oder Judenhass? Eine Beleuchtung der Artikel ״Der Judenstamm in naturhistorischer Betrachtung. — Die mosaische Völkertafel und die griechischen und römischen Geschichtsschreiber. Literaturbericht: Recensionen: Lagarde, Paul de. Orientalin. — Schwarz, Dr. Alolf, Rabbiner in Karlsruhe. Sabbath-Predigten zu den Wochenabschniten des dritten Baches Mosis. Notiz. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Naturgeschichte oder Judenhass? Eine Beleuchtung der Artikel ״Der Juden־ stamm in natur historischer Betrachtung"1. (״Ausland“ NNrn 22—27.) (Fortsetzung.) An dem wirtschaftlichen Niedergange Polens, Galiziens u. s. w. sind natürlich die Juden Schuld. Ein Glück, dass in Spanien fast keine Juden wohnen, sonst würde die Schädlichkeit des Judenstammes zum wissenschaftliclien Axiom geworden sein. Dass dort, wie in Rumänien, die Juden nicht allein ״den Umsatz der Wertlie, die Wahrnehmung und Befriedigung der menschliehen Lebensbedürfnisse für ihre Nebenmenschen ohne eigene körperliche Anstrengung“, im Tauschhandel und auf dem Trödelmärkte besorgen, sondern dass sie zumeist allein Handwerker sind, dass sie in den slavischen Ländern den Bürgerstand bilden, der, zwischen den rohen Bauern und den! schlemmenden Adel mitten inne stehend, allein arbeitet, schafft, und massig lebt — das ist doch allzu bekannt, als dass ein Ganzasiate diese Kunde aus Halbasien dem Germanen als eine neue bringen könnte! Natürlich darf dann die Ausführung des Treitschke’sehen Satzes von den Talenten dritten Ranges nicht fehlen — die Juden sind nur Kritiker und Sammler und man macht ihnen das Compliment: .,Es sind die Confectionsliandlungen auf dem geistigen Markte, wie jene für Bekleidungsgegenstände, Ess- und Ilaushaltungswaaren, welche den Schuhmacher, den Schneider, den Tischler und Schlosser in seiner Werkstätte verhungern lassen und das Kunstgewerbe unmöglieh machen. Die Juden suchten und fanden auch bei den immateriellen Gütern jenes Gut, welches im öffentliehen und geistigen Leben der Völker den meisten Werth, die grösste Herrschaft hat, die öffentliche Meinung und die Tagespresse. Sie üben hier ihr Talent mit einer Meisterschaft, welche die Concurrenz schwer macht. Die Schärfe und Logik ihrer Gedankenreihe zwingen dem Leser die Anerkennung ab, lassen keine Zeit und Neigung, die Vordersätze zu prüfen und ersparen das selbsteigene Denken und die objective Auffassung der Gegenstände. Sie schaffen sicli dadurch eine ungemessene Heeresfolge und octroyiren dem Volke die öffentliche Mainung. Diese Ausbildung der Kritik ohne Rücksicht auf den Werth und Ursprung des Besitzes, diese Zersplitterung in den einzelnen Wissenszweigen lähmen und erschöpfen, wie bei den materiellen Gütern die Zersplitterung des Bodens und des Eigenthums, den Grund und Boden unseres geistigen Lebens.“ Das ist des Pudels Kern! Wie vor 15 Jahren mir ein Studiencollege — ein christlich-germanischer Student — in aller Freundschaft sagte: ״Ihr Juden dürft za keinen Aemtern zugelassen werden, sonst — nehmt ihr uns die besten Stellen fort!“ Es ist der alte Zunftgeist, der die Concurrenz fürchtet. Den geistigen Flickschustern lind Schneidern graut es vor denen, die so viel Preisarbeiten gewinnen, die selbstständig wissenschaftlich forschen. ״Confectionsgeschäft“, prächtiges Schlagwort! Auch darin prächtig, dass es Eure innersten Beweggründe verrätl!! — Der Naturhistoriker will aber die «Tilden zur ״Wanderrace“ stempeln. Gar graulich klingt es: ״Der häufige Wohnungswechsel, die Wanderungen der Juden von Land zu Land, von Provinz zu Provinz, von Land zu Stadt, wie er nur diesem Stamme eigenthümlich ist. Gegenwärtig ist der Zug von Osten nach Westen, vom Lande in die Stadt ausgesprochen.“ Und der Beweis? Die enorme Zunahme der Juden in Berlin und Stattgart. Vom Wandertriebe fühlen wir Nichts in uns. Im Mittelalter wanderten wir, wenu man uns nur gnädig fortjagte und nicht todtschlug. Bis 1848 wanderte der .Jude nach Amerika, dem sein Heimathland die Niederlassung und das Recht ,zur Begründung einer Familie versagte. Jetzt aber ist allein wahr, dass der Zug vom ״Lande in die Städte“ und besonders in die Gressstädte, der in Folge der Umgestaltung der industriellen und gewerblichen Verhältnisse ein allgemeiner ist,, auch die «Juden und sie wahrscheinlich in höherem Grade erfasst hat, da sie als Kaufleute und Handwerker von jener Veränderung besonders beeinflusst werden! Dazu kommt, dass die Juden — die nun einmal in ihrer Gesammtheit weder Bauern noch Gutsbesitzer plötzlich werden können! nicht etwa, weil’s nicht lohnt, sondern weil dazu eine längere Zeit gehört, als seitdem der Landerwe1־l> ihnen freigegeben ist — ihre Kinder auf dem Lande nicht genügend ausbilden lassen können — und. deshalb, wenn irgend möglich, da zu wohnen streben, wo sie gute Schulen finden. Im Nachweise der Longävität der Juden hat der Auslandsmitarbeiter einen classischen Gewährsmann an geführt, J. G. Ho ff mann, den bedeutenden Statistiker' Freilich hat der gute Mann dabei übersehen, dass Hoff-• mann selbst den Vorwurf der Arbeitsscheu und der

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