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Das jüdische Literaturblatt · 1880-10-08 · No. 41. (8.10.1880) · p. Seite 164

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 41. (8.10.1880)
Date
1880-10-08
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 -׳ * birol’s Keter Malchutin den Gebe tcyldus für den Abendgottesdienst zum Versöhnungsfeste aufgenommen ist. Es ist auch nicht in der Ordnung, Abraham ibn Esra als Dichter ebenso prononcirt hervorzuheben, wie als Grammatiker und Exegeten. Ganz missglückt ist der 7. Abschnitt, welcher die Zeit von Moses Mendelssohn bis auf die Gegenwart'sich zum Vorwurfe genommen. Diesen Abschnitt hat nicht der Historiker Kayserling, sondern Philippson’s enragirter und subjectiv befangener Eidam geschrieben. Philippson’s Name wird grausam bei jeder schicklichen und unschicklichen Gelegenheit geradezu bei den Haaren herbeigezerrt, ein krampfhaftes Bemühen, welches hier um so weniger statthaft ist, als ja Ludwig Philippson — er mag einem persönlich sympathisch oder antipathisch sein — sich in den letzten 5 Decennien um die Journalistik, um die Cultur-, Literatur- und Emancipationsbestrebungen der deutschen Juden unläugbare Verdienste erworben. K. scheut sich nicht, im kurzgefassten Handbuche der Geschichte scrupulös selbst die verfehlten Versuche Ph.’s zu registriren. pg. 351 heisst es wörtlich: ,,In Deutschland versuchte L. Philippson schon 1837 durch allgemeine Sammlungen einen Fond zur Gründung einer Facultät für die jüd. Wissenschaft zu beschaffen; seine Bemühungen scheiterten jedoch an der Theilnahmlosigkeit der grösseren Gemeinden. Das Breslauer Seminar scheint Herrn K. viel Missbehagen zu verursachen. Leider verbietet es das historische Gewissen, diese Anstalt todt zu schweigen; und über Capacitäten, wie Frankel, Bernays, Grätz, Joel stillschweigend hinwegzugehen, gestattet der wissenschaftliche Anstand nicht. Aber die Zöglinge des Breslauer Seminars werden mit vornehm thuender Ignoranz ignorirt. Nur die Herren Gross und Perles haben Gnade vor den Augen des Verfassers gefunden. In dem Quellennachweis wäre vielleicht neben Jaraczewski’s, Juden in Erfurt, ein Hinweis auf Guedemann’s, Zur Geschichte der Juden in Magdeburg, am Platze gewesen. Seiner Autorengrösse hätte Herr K. nichts vergeben, wenn er beim ersten Abschnitte auf Lewin’s immerhin beachtenswerthe Dissertation, ״Die Makkabäische Erhebung“ hingewiesen hätte. Für den Fall, dass Herr K. demnächst, so zu sagen, Hecht’s Geschichte in vierter gänzlich umgearbeiteter Auflage erscheinen lassen sollte, möchten wir Herrn Dr. Zuckermannn in Breslau bitten, dem Herrn K. doch ein Exemplar der Festschrift zu übersenden, welche das Lehrer-Collegium im vorigen Jahre im Auftrag des Curatoriums der Fränkel’schen Stiftungen veröffentlicht hat. Er wird da sehr viele Collegen finden, welche durch ihre Arbeiten die jüd. Literatur und Wissenschaft in recht erfreulicher Weise bereichert haben. Nomina sunt odiosa. Er braucht auch in der 4. Auflage keinen Seminaristen namhaft zu machen. Wir glauben aber, dass der Historiker K. es uns Dank wissen wird, wenn wir ihm Anlass bieten, von dieser Geschichte des Seminars und seiner Zöglinge Notiz zu nehmen. Seinen befangenen und einseitigen Standpunkt charakterisirt sehr bezeichnend sein Urtheil über Israel Jacobson. Er nennt ihn p. 150 allen Ernstes ״die hervorragendste Persönlichkeit unter den Juden zu Anfang des 19. Jahrhunderts a Wir bescheiden uns mit dem Hinweise auf das weit massvollere und richtigere Urtheil Cassel’s. Er sagt in seinem Leitfaden pg. 113: ״Bei den Bemühungen für die Hebung des Jugendunter־ richts ist dankbar der Name Israel Jacobson’s ... zu erwähnen.“ Ein weiterer Beleg für die befangene und parteiische Auffassung der religiös-socialen Verhältnisse liegt in dem gänzlichen Verschweigen der Vertreter der Minorität in den wogenden Parteikämpfen. Cassel findet bei aller Knappheit und Kürze Raum für die Bemerkung: ,,als Vertreter der entschiedenen antirabbinischen Riehtung (sc. ist zu nennen) S. Holdheim, mit gleicher \ ן Schärfe ist die entgegenstehende Richtung vertheidigt! von S R. Hirscl^ gegenwärtig Rabbiner in Frankfurt14 (cf. Leitfaden pg. 115). Holdheim wird von K. zwei- ' mal genannt; den geistvollen Verf. der 19 Briefe, wel- 1 eher einer zügellos entfesselten, destructiven und nihi־ : listischen Reform ein eindringliches Veto zurief, schweigt i er todt, Cassel registrirt bei aller Knappheit und Kürze,; wie es Pflicht des objectiv urtheilenden Historikers ist, j dass der ihm jedenfalls unsympathische ״Israelit“ in Mainz seit mehr als 20 Jahren specifisch jüdische Inter־ essen vertritt; für K. existirt augenscheinlich nur das Organ seines Schwiegervaters, die allgemeine Zeitung j des Judenthums. Sehr possierlich und fast philisterhaft nimmt sich das armselige Argument aus, welches der Verf. für die Ausarbeitung des ״Nathan“ geltend macht. Er stellt die Sache so dar, als ob Lessing zur Beschwich5 ־ tigung Mendelssohn’s nach dem gehabten Aerger mit ) Lavater sich flugs hingesetzt hätte, seinen ״Nathan“ | dichten Er sagt pg. 136 wörtlich: ״Allein Lessing glaubte | } dem Freunde eine Genugtuung verschaffen zu müssen. | I Diesem Vorfälle verdankt die deutsche Literatur eines f! ihrer herrlichsten Producte ״Nathan der Weise“. Hier j gelingt es, Kay serling durch Kayserling ad absurdum 1 zu führen. In seiner Irefflichen Schrift ״Moses Men־ | delssohn“ pg. 327 ff. weiss er sehr wohl, in welchem § Connex die Wolfenbütteier Fragmente und der Antit Götze zum Nathan stehen. In der Ueberhastung beim | Aufzählen der Vereine, welche sich in die Humanitäts- 1 bestrebungen der Alliance theilen, nennt er (pg. 150) | auch den ״deutsch-israelitischen Gemei ndebund“ als einen | Verein, der die Tendenz hat, europäische Cultur nach | dem Orient zu tragen. Aus dem Angeführten geht zur | Genüge hervor, dass dieses Buch im Grunde seinen | Zweck gänzlich verfehlt. Für die objective Erfassung 1 religiöser Parteiströmungen der Gegen wart geht dem 1 Verf. das geeignete Organ gänzlich ab. Darum eignet j sich sein Buch für den Schul gebrauch schon ganz und £ gar nicht. Mit der jüd. Geschichte vertraute und nicht | äusserlich urtheilende Lehrer können vielleicht diese | Schrift mit discreter Vorsicht benutzen. 1 Sohrau O.-Schl, Dr. Immanuel Deutsch. 1 Notizen. I 1. Nach jüdischer wie überhaupt nach orientalischer | Sitte gilt die Entblössung des Hauptes bekanntlich als j etwas Hässliches und Unschickliches. Um so auffallen־ \\ der ist es, dass in Wajikra Rabbah C. 11 (vgl. auch j! i, Anfang von Midrasch Esther) dieses als Zeichen be־ j1; sonderer Ehrerbietung, ganz nach abendländischer Ma- { nier, hingestellt wird. Es wird dort nämlich ein Gleichniss angeführt von einem Könige, der seinen hohen Erlass aller Orten verkünden lässt und ״alle erheben j sich beim Verlesen und entblössen ihr Haupt i und hören es in Scheu und Ehrfurcht etc.“ עומדין על I *רגליהן ו פ רע י ן את ר א שי הון (Das würde höchstens beweisen, dass dem betreff. A utor die abendländische Sitte bekannt war. Red.) 2. In Nr. 36 des ״Literaturbl.“ wird Steinheim’s j| Leichen stein beschrieben. Für die Leser d. Bl. dürfte es nicht uninteressant sein, zu erfahren, dass das an :1 dieser Stelle angef tihrte Bruchhausen im Kreise Höxter [ liegt. Vor etwa 100 Jahren soll in diesem Dorfe eine! grössere jüdische Gemeinde mit einem Rabbiner und .'!■ ( einer kleinen Jeschiwah bestanden haben. Der letzte dort lebende Glaubensgenosse wurde auf dem dortigen i Friedhofe von circa 4 Jahren beerdigt. Die 5 Sifre j Thora wurden vom Amte der nächsten jüdischen Gemeinde Amelunxen überwiesen. Dr. Weinstein. j; Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig,

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