Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 40. (1.10.1880)
- Date
- 1880-10-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5367336-6488238-9584525--1648-9584527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 158 — Gebiete sich erstreckende Messungen dies bestätigen j würden, ist damit schon die Körperschwäche constatirt? Ist es ein Zeichen ungünstiger Körperbildung, wenn man am weitesten vom Neger absteht? Doch meint der Verfasser: Auch bei den Militäraushebungen zeigt sich’s in Russland, wie in Preussen, dass die.Juden die Kleinsten und Schwächsten sind und sehliesst daraus (S. 456), ״die Scheu vor körperlicher Arbeit bei den Juden hat in den relativ kleinen Gliedmassen ihre theili weise anatomische Begründung, mehr aber noch in dem Mangel an Dexterität beim Gebrauch der Arme und Hände.“ Der zweite Satztheil wird so nebenher eingeschmuggelt Für ihn ist auch nicht ein Anschein eines Beweises versucht worden. Der ״Naturhistoriker“ kann eben Alles behaupten, was ihm passt und einfällt, denn — alle Gegenbeweise selbst helfen nichts, da er zwei ganz praktische Widerlegungen zur Hand hat: ad 1: ״Nur bei wohlhabenden und gebildeten Juden finden sich grosse und volle Gestalten“ (wir suchten diese bisher zumeist nur bei der Landbevölkerung, die wohl nicht der wohlhabendste und gebildetste Theil der Bevölkerung ist) und ad II: ״Ausnahmen bestätigen die Regel!“ Doch, wenn je, ist es diesen Aufsätzen gegenüber geboten, das Nil admirari zu beachten. Wir stehen nämlich vor der selbsteigenen historischen Weisheit des Naturhistorikers. ״Dieselbe Scheu vor körperlicher Arbeit schon in der Pharaonenzeit, der Mangel an gewerblichen und künstlerischen Leistungen selbst in ihrer Blüthezeit unter den Königen, der Mangel an kriegerischem Muthe, Bestrebungen und Erfolge lassen erkennen, dass ihnen schon damals körperliche Kraft und Dexterität fehlte. Ihre Körperschwäche wird auch schon damals wie heute abweichend von andern Stämmen gewesen sein und dieses sowie ihre Mnthlosigkeit ihnen die Missachtung und oft Verfolgungen anderer Stämme zugezogen haben. Es kann dieses als angeborene, ererbte Stammeseigenthümlichkeit erklärt werden. In der Zerstreuung haben die Juden sich überall und immer als körperlich unkräftig, feig, mehr leidend als leitend gezeigt. Die Scheu vor körperlicher Arbeit war ihnen gemeinschaftlich, Neigung und Geschick zu gewerblicher Thätigkeit ihnen immer fehlend. Ein Jude mit der Hand am Pfluge, mit der Mauerkelle, mit Hobel oder Meissei, als Matrose oder Bergmann, in der Feuerwerkstätte wird wenig leisten, weshalb sie davon fern bleiben. Auch als Dienstboten sind sie nicht zu verwenden. Soweit Juden bei uns Dienstboten oder Taglöhner brauchen, nehmen sie ausnahmslos christliche Personen.“ Also ״der gerechtfertigte Pharao“ heisst diese neuste ״Rettung“ ״Scheu vor körperlicher Arbeit“ soll durchaus ein Erbfehler der Juden sein — und darum wird Geschichte erfunden. Während die Bibel berichtet, welch schwere Arbeit die Juden in Aegypten verrichtet haben und die Baudenkmäler deutlich bekünden, was die Pharaonen den Bausklaven zugemuthet haben, hat unser Artikelschreiber die Stirn, die Faulheit der Juden als ihren Erbfehler zu constatiren. Der Mangel an gewerblichen Leistungen ist ebenso constatirt, wie der Mangel an kriegerischem Muthe. Dass die Eroberungskämpfe unter Josua, die Vertheidigungskriege in der Richterzeit, die glorreichen Kämpfe David’s — dass selbst die spätere Königszeit, die Maccabäische Erhebung, die Aufstäede gegen Rom eine Fülle kriegerischen Muthes, Tapferkeit und auch kriegerischer Erfolge ergeben, wie ausser den Griechen kein Volk von gleich kleiner Zahl sie aufzuweisen hat, das wird dem Vorurtheilslosen nicht bewiesen zu werden brauchen. Schmiede und Schlosser gab’s schon im hohen Alterthnme (cfr. I. Samuel 13,19) und wenn die ״künstlerisehen Leistungen“, d. h. in Malerei und Bildhauerkunst j fehlten, so ist dies eine Folge des biblischen Verbotes. Dass aber in Dichtung und Musik die Juden sich den klassischen Völkern ebenbürtig zur Seite stellen, das ist allbekannt. Damit fallen die Schlüsse, welche die Körperschwäche und Muthlosigkeit als Stammeseigenthümlichkeit erklären, in sich zusammen. Aber in der Zerstreuung? Ja, da hat sich im Mittelalter das furchtbare Wort bewahrheitet (V. B. Mos. 28, 65 ff.): ״Und j unter diesen Völkern wirst Du nicht rasten, es wird keine Ruhe sein für Deinen Fussballen. Der Ewige wird Dir dort geben ein zitterndes Herz, Hinschmachten der Augen und Ohnmacht der Seele. Und Dein Leben wird hangen fern von Dir und Du wirst zagen Nacht und Tag und nicht trauen Deinem Leben. Am Morgen wirst Du sprechen: 0 dass es Abend wäre! und am Abend: 0 dass es Morgen wäre! vor Bangigkeit Deines Herzens und vor dem Anblick Deiner Augen, den Du erblicken wirst“ Der schmähliche, unmenschliche Druck, dis stete Lebensgefahr hat die Juden feig gemacht. Aber wo sie aufathmen konnten, fand sich wieder der alte Heldensinn. Das ist’s ja, was die Geschichte der Juden in Spanien kennzeichnet, dass sie ritterlichen Sinnes in Kunst und Wissenschaft und Kriegstüchfigkeit mit den Arabern wetteiferten! Der deutsche Jude im Mittelalter musste feig werden, weil er sich von Mordgier umringt wusste! Aber die hundert Jahre der Emancipation zeigen, wie schnell jene Nachwirkungen schwinden. Wie bedeutend die Zahl höherer Offiziere in der franz. Armee ist, kann der Naturhistoriker, der ja die ,,Zeit. , des Judenthums“ liest, dort erkunden. Auch Oesterreich zählt viele jüdische Offiziere, und in der achtundvierziger ungarischen Armee waren so viele Juden, dass Haynau gegen die jüdischen Gemeinden mit besonderer Erbitterung wüthete. Und obschon in der deutschen Armee nur hie und da ein Jude als Reserveoffizier zugelassen worden, haben die 3 Kriege des letzten Decenniums — um nicht an die Freiheitskriege und den Major Burg zu eninnern — mannigfache Beweise gebracht, wie der Jude auch im Muthe seinem christlichen Mitbürger gleichsteht. In dem blutigen Ringen von le Bourget z. B. wars ein jüdischer Soldat aus Breslau, der allbewundert und betrauert den Heldentod starb. Und die vielen Inhaber des eisernen Kreuzes, unter denen der Schreiber dieses liebe Studiengenossen zählt, haben wahrlich diese hohe Auszeichnung nicht um deswillen erhalten, weil sie Juden sind! Aus den ״Nachrichten vom Kriegsschauplätze“ im Jahrgange 1871 der ״Wochenschrift“ heben wir nur hervor, dass von den 12 jüdischen Soldaten aus Lauenburg in Pommern 4 das eiserne Kreuz erhalten haben! (Forts, folgt) _ Literaturbericht. Recensionen. לקח טוב, Lekach tob (Pesiktasutarta). Ein agadischer Commentar zum 1. und 2. Buch Moses von R. Tobia b. Elieser (11. Jahrh.), zum ersten Male lierausgeg. von Salom. Bub er (Lemberg). Wilna. Romm. (Schluss.) Nachdem IIr. B. im 7. Kap. über die Lebenszeit des R. Tobia gehandelt, wobei festgestellt wird, dass er sein Werk im J. 1097 geschrieben und 1108 noch gelebt haben müsse (?), gibt er im 8. Kap. eine eingehende Characteristik von dem מדר׳ ל״ט• R. Tobia wollte eine Erklärung zum Pentateuch und den 5 Megillot verfassen auf Grund der im babyl. Talmud, den pentateuchischen Midraschim (Mechilta, Sifra und Sifre) und in anderen Agadoth enthaltenen, sowohl gesetzliehen, als exegetischen, homiletischen und legendarisehen Auslegungen. Er bildet so mit R. Mose ha-