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Das jüdische Literaturblatt · 1880-09-08 · No. 37. (8.9.1880) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 37. (8.9.1880)
Date
1880-09-08
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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— 148 — Lebensunterhalt ihnen Nöthigen sich abkargen und abdarben. Und wie die Schilderung der Verhältnisse, des Zürückziehens der an Besitz und Intelligenz hervorder durch ein Vertrauensvotum des Stadtrathes wett gemacht wird, in Folge dessen die beabsichtigte Schliessung des Tempels unterblieb. Die Pfiffigkeit der Heiligen hatte keinen Sieg errungen. Es ist Schade, dass der Herr Verf. sein ursprüngliches Vorhaben, eine Geschichte seiner erst seit 1848 bestehenden Gemeinde zu schreiben, aufgegeben hat. Es wäre dies eine schätzbare Quellenschrift zur Geschichte der Neuorthodoxie geworden. Aber auch in dieser bescheideneren Form bleibt der Schrift der culturhistorische Werth. Die statistischen Berichte über Schule und Vereine zeigen die Gemeinde im erfreulichen Aufstreben. Möge der neue Tempel eine Aera neuen Aufschwungs begründen und dem geehrten Herrn Coli egen durch seine Schrift Freunde nah und Fern erstehen. Seine Offenheit wird und kann — da die redliche, für das Judenthum im Allgemeinen und seine Gemeinde insbesondere warm fühlende Absicht deutlich hervortritt — Niemand verletzen. Coblenz. Dr. Lewin. Rosensohn, Moses. ספר דברי שלום או משפט הקבלה. Wilna 1880. kl. 8°. 144 S. Es muss auch solche Käuze geben! Herr Hirsch Bodek in Leipzig*) macht in einem trefflichen Schreiben den Verf, auf das Unzulängliche, Verkehrte und Unstatthafte des wüsten kabbalistischen Treibens, der excenfrischen, mystischen Exegese aufmerksam. Daraufhin verübt R. das Attentat auf den gesunden Menschen verstand, auf 144 Seiten den einzigen Gedanken breit zu treten, die kabbalistischen סודות und רמוים seien der Schlüssel zur schriftlichen und mündlichen Lehre, der Gebete und Piutim, der Heils- und geschichtlichen Wahrheiten. Der Beweis wird in der bekannten, sterilen Art erbracht aus Sohar und seinen Commentareu, aus den Schriften Lurja’s, seiner Nachbeter und Nachtreter. Der Gaon aus Wilna, obgleich persönlich ein notorischer Feind der Chassidim, wird natürlich in den Himmel erhoben wegen der hohen Bedeutung, die er dem Sohar beimisst Auch Spinoza geniesst das zweifelhafte Glück, als Bundesgenosse vom Verf. reclamirt zu werden. Wenn von den גדולים Jemand Sohar u. Kabbalah angreift, so hat er nach der Argumentation des Verf. פי שנים ברוחו, sein Angriff ist nicht ehrlich gemeint, er ist mindestens ein Krypto-Kabbalist, wie dies dem Vater des הות יאיר wegen seiner geharnischten Epistel über die Verwerflichkeit und Gefährlichkeit des Kabbala-Studiums alles Ernstes insinuirt wird. Es gehört für einen von Mystik nicht eingenommenen Kopf ein gewisser Heroismus und eine Art Selbstverläugnung dazu, bei der Lectüre dieser mystischen Tiraden vom Anfänge bis zum Ende auszuharren. Genug von diesem unerquicklichen —! רמזים ודי לחכימא ברמיוא — und der Rest ist Schweigen! Sohrau O-Schl. Dr. Immanuel Deutsch. Denzel und fiuhrauer. Gotthold Ephraim Lessing. Sein Leben und *seine Werke. Herausgegeben von W. v. Maltzahn und R. Boxberger. 1. Lieferung Berlin. Verlag von Th. Hoffmann. 1880. Preis 1 M. Unter den Biographien deutscher Dichter und Denker nimmt bekanntlich diejenige Denzels in der Denzel- Guhrauer’schen Lessing-Ausgabe einen ersten Rang ein. Wohl selten ist Leben und Wirken eines Meisters von so kundiger Hand und in so festen, sicheren Zügen gezeichnet, als in diesem Werke und darum ist es auch mit denen des Meisters selbst auf ewig verknüpft Kein echter Lessingfreund wird seiner entrathen können. Yor 4 Wochen — wenige Tage vor seinem 60. Geburtstage — leider verstorben. (Red ) Gewiss ist es daher mit Freuden zu begrüssen, wenn die als Literarhistoriker und insbesondere als gründliche Lessingkenner votheilhaft bekannten Herren Herausgeber sich einer sorgfältigen Durchsicht dieses schätzbaren und seit dem im Jahre 1854 erfolgten Tode nicht wieder aufgelegten und im Buchhandel vergriffenen Werkes unterzogen haben und dasselbe — nach dem heutigen Stande der Lessingforschung bereichert und berichtigt — dem Publicum wieder vorlegen Das Werk wird in 15 Lieferungen zur Ausgabe gelangen, von denen bis jetzt die 1 Lieferung voriiegt. Wir werden im weiteren Verlauf desselben, namentlich wenn die Beziehungen Lessings zu Mendelssohn berührt werden, noch Veranlassung haben, näher darauf zurückzukommen Der Preis von 1 Mark pro Lieferung ist bei dem schönen Druck und der guten Ausstattung des Buches in der That ein äusserst billiger. Max Weinberg. N 0 t i z e ם. 1. In den ״Literarischen Notizen‘1־ Nr. 8 wird darauf hingewiesen, dass es im Targ. Jon. zu Deut. 24,1 heisse: ויכתוב לה ספר תירוכין קדם ד י נא, was uns zwar sehr geläufig sei, aber doch sonst in den talmudischen Quellen nicht angeordnet werde. Ich erlaube mir, dieses dahin zu berichtigen, dass allerdings dieses Gesetz auf dem Talmud basire, welcher in Gittin 2b es als selbstverständlich voraussetzt, dass der גט von den ספרי דדיני, den Gerichtsschreibern, also als gerichtliches Aktenstück geschrieben wird: ולרבה דאמר לפי שאץ בקיאין לשמה ליבעי תרי . .. רוב בקיאין הן ואפילו לר׳ מאיר דחייש למיעוטא סתם ספראדדיינימגמרגמרי! Freilich geht aus dieser Stelle nicht hervor, dass Niemand anders als die Gerichts- Schreiber den Scheidebrief schreiben durfte, aber auch aus Jonathan geht dieses nicht hervor, nur die allgemein übliche Sitte ist aus dem einen wie aus dem anderen ersichtlich. Der geschätzte Verf. der Notiz wird es nun auch begreifen, dass ich über diese Angabe in meiner Schrift hinweggegangen bin, da es mir ja ferne liegen musste, für sämmtliche aus dem Talmud geschöpften Erläuterungen Jonathans die Quelle anzugeben Danzig. Dr. S Gronemann. 2. Nr. 25 der Responsen zu הלכות אישות in Maimonides Jad hachasaka behandelt einen Ehebruchsfall aus der Nähe Erfurt’s. Der Vater der Ehebrecherin will von dem Rabbinat die Erlaubniss haben, seine sündige Tochter zu ertränken, um noch grössere Schande zu verhüten. Die Erlaubniss wird natürlich nicht ertheilt, die Rechtsfrage aber und deren weitere Consequenzen bilden den Inhalt von Anfragen au die Autotoritäten von Würzburg, an rheinische Talmudisten und an R. Meir von Rothenburg. Ob wirklich, wie Jaraczewski S. 11, Gesch. d. Juden in Erfurt annimmt, jener Fall ursprünglich im Erfurter Rabbinat verhandelt wurde, geht aus dem Wortlaut des qu. Responsum nicht hervor. Jedenfalls hat diese Materie auch den in Sachsen sehr angesehenen Menachem in Merseburg beschäftigt. In den נמוקי desselben befindet sich nämlich eine Stelle, die unzweifelhaft denselben Fall behandelt, weil sie mit dem von Meir Baruch citirten פסק דין im Wortlaut übereinstimmt. Der Seltenheit der נמוקי des R. Menachem Merseburg wegen folge hier diese Stelle, die man mit dem Responsum des Meier ha-Kohen vergleichen möge. אשר, הרה לזנונים וילדה ממזר מן הגוים והרגה את הממזר ויש לירא שתצא לתרבות רעה אין להורגה דהרודף אחר ע״ו אין מצילין אותו בנפשו ואפילו בועל ארמאית דקנאים פוגעים בו אם בא לימלך. — War der Fall in Merseburg vorgekommen, dann passt der Ausdruck im qu. Responsum אין מורי! לו רבותינו הקרובים בערפורט sehr gut. Dr Caro-Erfurt. Y erantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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