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Das jüdische Literaturblatt · 1880-09-08 · No. 37. (8.9.1880) · p. [Seite 1]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 37. (8.9.1880)
Date
1880-09-08
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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o. 37. Das Jahrg. IX. Jüdische Literaturblatt Zur Beleuchtung aller Juden* thnm und Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, 8. September 1880. Bücher der einschlägigen Li* teratnr, welche der Redaction zngesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh.Besprechung. BeiEinsendnng von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. Das יי•furiisclie Mjiterattirlllati44 erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8 Mk. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreige* spaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr. Ij. Daube &> Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Za:* jüdischen Gotteserkenntniss. Von Dr. Rothschild, Rabbiner in Alzey. — Ein Judeneid. Literaturb e rieht: Recensionen: Stier, Dr. Josef, Rabb. Fest- Schrift zur Einweihung des neuen Tempels zu Steinamange r־ —> Rosensohn, Moses. ספר דברי שלום או משפט הקבלה. — Denzel und Gurauer. Gotthold Ephraim Lessing. Sein Leben lind seine Werke Herausgegeben von W. von Maltzahn und R. Boxberger. Notizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Zur jüdischen Gotteserkenntniss. Von Dr. Rothschild, Rabbiner in Alzey. Nichts ist bedeutungsvoller im Judenthuni und für dasselbe, als die Klarlegung seiner Gotteserkenntniss, nichts verkehrter, als zu glauben, dass diese allein in der Lehre von der ״Einheit Gottes“, dem inhaltslosen Monotheismus, liege und damit erschöpft sei. Für das ganze Judenthum ist es bedeutungsvoll, dass selbst sein Gottesbegriff einer Entwickelung unterlag. Classiseh ist hierfür die bekannte Stelle Exod. 6,3: Dem Abraham, Isaak und Jakob ersohien ich als ״allmächtiger Gott“ (אל שדי), mit meinem Namen ״das ewige Sein“ (יהוה) war ich ihnen nicht bekannt. Als solcher hat sich Gott erst Moses offenbart, als ״das ewige Sein“ hat erst Moses Gott erkannt. Die einschlägige Stelle hierfür findet sieh Ex. 3,13 und 14 Moses nämlich wird von Gott zu den Israeliten in Aegypten geschickt. Moses fragt: Wenn ich ihnen nun sagen werde: Der Gott eurer Väter schickt mich zu euch, und sie fragen mich: Wie heisst dieser? Was soll ich ihnen dann sagen? — Gott antwortet: ״Ich bin, der ich bin“ (אהיה), sage ihnen: ״Ich bin“ (אהיה) schickt mich zu euch. Hier ist also ״Ich bin“ substantivisch als Satz-Subject, nicht als erklärende Beifügung gebraucht. Gott nennt sich: ״Ich bin“; er nennt sich nicht: ״Er ist“. Die gebräuchliche Be- Zeichnung Gottes ist aber doch nicht, wie man hiernach erwarten sollte : ״ אהיהI c h bin“, sondern ״ יהוהE r ist“.*) Trotz der Klangähnlichkeit mit dem ägyptischen Gottesnamen (Jah, Joh, Jeho) hat der jüdische Gottesbegriff aber doch nichts Heidnisches. Aehnlieh ist es *) Die Aussprache Johva, Jehova kommt trotz der von Adonai entlehnten Accentuation der ursprünplichen Aussprache wohl am nächsten; die Accentuation und Aussprache Jahve führt vom rechten Wege ab. Diese entspricht sprachlich wohl mehr der dritten Person von ,הוד, aber wenn es auch richtig ist, nach dem Vorgänge der Bibel zur Erklärung des Gottesnamens die Derivation von הוה »Sein“ (esse) zu betonen, so ist es doch falsch, die ״dritte“ Person zu urgiren. Die Bibel hebt vielmehr mit Absicht zur Erklärung des jüdischen Gottesbegriffs die ״erste“ Person (אהיה) hervor und behält nur scheinbar (vielleicht wegen des Anklangs an die besonja mit unserem deutschen ״Gott“, welches, etymologisch von ״Götz“ abgeleitet, ״Gegossenes“ (Bild) bedeutet. Wir legen in ״Gott“ unsern modernen Begriff und denken dabei nicht mehr an den heidnischen Ursprung. So ist es wohl auch mit dem jüdischen Gottesnamen und -Begriff. Die Bibel nennt Gott das ״Sein“, das wahre, ewige, alleinige Sein, welches ausschliesslich von sich behaupten kann, dass es ״war, ist und sein wird.“ Alles andere Geschaffene hat nur eine Schein-, eine vorübergehende Existenz im Raume und in der Zeit. Bedeutungsvoll ist aber auch für den jüd. Gottesbegriff, dass Gott von sich sagt ״Ich bin“* (אהיה im Dekalog אנכי), Dadurch ist er himmelweit verschieden von dem Gottesbegriff der Philosophen (Spinoza), welche Gott ebenfalls als das ״Sein“ (ens, die ewige Substanz an sieh) bezeichnen. Der Jüdische Gott ist nicht das abstracte Sein, ein leerer, inhaltsloser Begriff, den der Verstand des Menschen nicht fasst, der aber auch für sein Herz und Leben, sein Denken und Handeln, sein Empfinden und Hoffen, seine Religion und Moral bedeutungslos ist, welcher der naturhistorisehen Untersuchung ebenso fern liegt, wie der philosophischen Forschung, den Materialisten ebenso |fern, wie den Pantheisten, der diesen zwar wohl sich zeigt und sogar aufdrängt, aber von ihnen nicht begriffen werden kann; sondern welcher der göttlichen Offenbarung und dem religiösen Glauben angehört, von dem, wie von allem jenseitigen und transeendentalen Wissen, das Wort der frommen Weisen gilt: במופלא ממך אל תדרש ״Das dir von höherer Hand Verborgene kannst du nicht erforschen“. Für das Dasein und die Waltung Gottes ist uns Zeugniss genug, dass wir wissen, ״Gott ist“, und Gott selbst sagt: ״Ich bin“. Und doch giebt es eine jüdische Gotteserkenntniss, Eine classische Stelle der Bibel über die jüdische Gotteserkenntniss befindet sich Exod. 33,18: ♦♦הראני ״Lass mich, Gott, Deine Herrlichkeit erkennen!“ fleht Moses zu Gott, in besonderer Riiideutung auf Gottes Waltung in der Ausübung seines Bichteramts und seiner Zuwendung von Gnade. Worauf Gott antwortet: ״Der Mensch in seinem Leben (האדם וחי) kann mich nicht erkennen, denn ich bin gnädig (וחנתי), dem ich gnädig sein will (אחל), und ich erbarme mich (ורחטתי), dessen ich mich erbarmen will (ארחם); jedoch wisse: was dem ders in Aegypten übliche Gottesbenennung) die ״dritte“ Person bei. Wenn Jova 0 er Jehova demnach auch der ursprünglichen Aus-* spräche des jüdischen Gottasnamens nicht ganz entspricht, so kommt es derselben doh gewiss nahe und näher, als Jahve. Von dieser Accentuation wäre kaum der Anklang an Jah, gewiss nicht die dritte Person הוה zu acceptiren, welche für die Gottesbezeichnung entschieden falsch und unjüdisch ist. Gegen die Einbürgernng der Aussprache Jahwe ist deshalb zu protestiren. Dieselbe ist nachdrücklich zu verwerfen.

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