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Das jüdische Literaturblatt · 1880-09-01 · No. 36. (1.9.1880) · p. Seite 144

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 36. (1.9.1880)
Date
1880-09-01
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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— 144 — ist der Vorzug und Fehler dieser überaus fesselnden und I beachtenswerten Schrift. Logische Gedankenstrenge und die Kunst der Darstellung bilden einen unversöhnliehen Dualismus, über welchen auch der Verf. des ״Einheitsgedankens״ nicht hinwegkommt. Der gebildete, aber ungelehrte Leser wird das kaum gewahr, weil der Verf. es eben meisterhaft versteht, die Sprache seiner ״Herzensüberzeugung״ eindringlich zu sprechen und sein rhetorisches pectus zur vollen Geltung zu bringen. Aber befruchtende Anregung der lohnendsten Art findet wahrlich auch der gelehrte und philosophisch geschulte Fachgenosse im reichsten Masse. Es hat für den philosophischen Denker einen ungemein fesselnden Reiz, die wichtigsten Probleme, welche seit Jahrtausenden die mündig gewordene denkende Menschheit unablässig beschäftigt, nach einem neuen Anschauungsmodus, in Relation gebracht zu den neuesten, philosophischen Theorien, vorgeführt zu sehen. In dem pium desiderium sind ja Alle, welche ein massgebendes Wort zu sprechen haben, einig und mag auch die Beweisführung im Einzelnen keine erschöpfende und unanfechtbare sein, schätzbares Material und trefflich zu verwerthende Bausteine findet der Riesengeist der denkenden, stetig fortschreitenden Menschheit in jedem ernsten Versuche, das ״Welträthsel״ zu lösen. Das Buch geht von dem Grundgedanken aus, der Dualismus in seinen vielseitigen Verzweigungen habe die richtige Erkenntniss und geläuterte Ueberzeugung aufgehalten und an diesem Dualismus kranke auch noch die heutige Zeit, in der wir es so herrlich weit gebracht. Diesen Dualismus zeigt der Verf. in den verschiedensten Modalitäten, wie sich dies äussert in der Anschauung von Kraft und Stoff, Geist und Körper, Seele und Empfindung, Freiheit und Roth wendigkeit, Gutes und Böses, Gott und Teufel. Das Streben nach Monismus sei ein logisches, ethisches und religiöses Postulat. Krafteinheit, Geist* einheit und Gotteseinheit — zu diesem Gedanken müsse der speculative Geist sich aufringen, so dass schliesslieh der Einheitsgedanke sich als Verständigungsbasis darstelle den Gebildeten aller Confessionen und Rationen. Sehr geschickt wird hier auf den Juden Spinoza hingewiesen, als dem strengsten und consequentesten Monisten Dass Monotheismus identisch sei mit religions-philosophischem Monismus, ist eine These, die ge* wiss ihre Begründung in sich selbst trägt. Der Verf. nennt sein Buch ein Werk der Humanität. Mit dem Erlös dieser Schrift möchte er gern die Humanitäts* Anstalten, Krankenhaus und Schule, in denen er seit Jahren der physischen, socialen und geistigen Roth unserer unglücklichen westrussischen Glaubensgenossen in der hochherzigsten und menschenfreundlichsten Weise erfolgreich begegnet, stützen. Diese Anstalten leiden jetzt ungemein unter der Ungunst der Zeiten. Möge es dem Verf. gegönnt sein, seine humanen Tendenzen auf diese Weise recht ergiebig zu fördern. Möge seine treffliche Schrift viele Leser aber mehr noch Käufer finden. Sohrau O/S. Dr. Immanuel Deutsch. Berith Abraham oder dieBeschneidungsfeier und die dabei stattfindenden Gebete und Gesänge. In’s Deutsche übersetzt und mit einer ausführlichen literar* historischen Einleitung versehen von Dr. B. H. Auerbach. Zweite revidirte Auflage. Frankfurt a. M. (Verlag v. J. Kauffmann) 1880. 140 S. 8. Dieses vor 20 Jahren in erster Auflage erschienene Buch ist schon um seiner praktischen Brauchbarkeit willen für die Mohelim sehr empfehlenswerth. Es ent* hält in schönem Druck und klarer Darstellung und Uebersichtlichkeit alles für den gewissenhaften, streng religiösen Mohel — und andere sollten zur Ausübung dieses sacramentalen Bundesactes gar nicht zugelassen werden — an lithurgischen, rituellen und practischmedicinischen Regeln Wissenswerthe. Sachlich erklären wir uns freilich gegen die einseitigen Gutachtender Würzburger medicinischen Facultät zu Gunsten der Meziza. Es wird da (im Jahre 1847) behauptet, dass das Aussaugen der Wunde weder für das Kind, noch für den Beschneider einen Rachtheil habe, ja eher vortheilhaft sei. Wie aber, wenn wir aus dem Munde eines gelehrten Mohel wissen, dass sein Vater in Folge einer Meziza durch Ansteckung am Gaumen erkrankt ist und Monate lang daran laborirte?! Die Meziza mit dem Munde ist nicht allein unnöthig, sondern schädlich. Dieser Ansicht Frankels ז״ל wird trotz solch veralteter Gutachten durchgreifen. Doch wenden wir uns der sehr inter,- essanten und dankenswerthen Einleitung zu. Daran anknüpfend, dass ein in Deutschland üblicher Pijut von R. Efraim aus Bonn verfasst ist, giebt der gelehrte Verfasser Rotizen zur Geschichte der Juden in Bonn und Cöln, die reicher sind, als gewisse Jubiläums- Schriften, die als Geschichtsdarstellungen gelten wollen. Dieser R. Efraim stammte aus Worms seine mütterlichen Verwandten wohnten in Bonn oder Cöln. Mit diesen war er 13 Jahr alt nach der Wolkenburg geflohen 1146. — Als Mann lebte er in Reuss, das er 3 Tage vor dem Gemetzel 1197 verlassen, um sich nach Cöln zu begeben. Von dort zog er wieder nach Bonn, und als die Verfolgung hier wie in Cöln zwischen 1198 und 1208 stärker ward, floh er mit R. Joel Halevi wahrscheinlich nach Worms. Gestorben aber ist er in Mainz. Auch die gewöhnliche Annahme, dass R. Tarn am 4. Tammus 1171 gestorben sei wird erschüttert und wahrscheinlich gemacht, dass er erst um 1180 aus dem Leben geschieden sei. Klar ist das Auseinanderhalten der 6 Efraim, darunter der 2 aus Regensburg. In Frankfurt a. M. haben um 1150 keine Juden gewohnt und erst Flüchtlinge von 1171 und 1180 haben die dortige Gemeinde begründet. Doch wir wollen keinen Auszug der gewonnenen Resultate liefern, sondern allein auf das auch gut und schön gedruckte Buch aufmerksam machen. Coblenz. Dr. Lew in. Notiz. Herr Elie S ch w a r t z aus Strassburg hat unter den Titel: , le peuple de Dieu en Chine“ (״Das Volk Gottes in China“) die bisher bekannt gewordenen Berichte der Missionäre über Juden in China und eine Rotiz Sylvestre de Sacy’s über ein in der Synagoge von Kai-freg-fon bewahrtes hebr. Manuscript gesammelt. Jüd. Kalender pro 5041. Wir können von den uns bekannten jüd. Kalendem als sehr preiswerth empfehlen: 1) Den Poppelauer’schen ״B e r 1 i n e r Volkskalender für Israeliten“ mit allen nöthigen synagogalen und rituellen Rotizen ausgestattet (50 Pfg.) — 2) Den Meyer’schen ״Ulustrirten jüdischen Familien-Kalender״, mit sehr interessanten, belehrenden und unterhaltenden und sonst nützlichen Beiträgen (bei H. Meyer in Halberstadt, geb., Klassikerformat, nur 1 Mark). — 3) Für Oesterreicher den ״Illustrirten israelitischen Volkskalender״ von Samuel W. Pascheles in Prag, ebenfalls Unterhaltendes und Humoristisches (in Prosa und Poesie) u. a. m. enthaltend (in kleinem Format, brochürt 40 Kr. 80 Pf.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahner in Magdeburg. Druck ▼oa H. Horbach in Barbj. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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