Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 36. (1.9.1880)
- Date
- 1880-09-01
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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]¥©. 36. Das Jahrg. IX. Jüdische Literaturblatt. r Zur Beleuchtung aller Juden* thum und Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologie, Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, 1. September 1880. Bücher der einschlägigen Li* teratar, welche der Redaction zugesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendung von zwei Recensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. Das ״ Jüdische Uteraturblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrg ang: 8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreige* * spaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr» L. Daube Sc Co», Frankfurt a. M., Magdeburg־, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Steinheim’s Leichenstein. — Ueber Heinrich Heine als Typus des jüdischen Volkscharakters. Von Max Weinberg. — Das ״Benschen“. Literaturbericht: Recensionen: Luzzatto, S. L. Grundprin* zipien der Thora. — Netter, Dr. A. Ueber die Intuition in den Entdeckungen und Erfindungen. Ihre Beziehung zu dem Positivismus und Darwinismus. — Ruelf, Dr. I. I. Der Ein* heitsgedanke, der Fundamenfalbegriff aller Religion und Wissenschaft. — Berith Abraham oder die Beschneidungsfeier und die dabei stattfindenden Gebete und Gesänge Ins Deutsche übersetzt von Dr. B. H. Auerbach. — Notiz. Kalender* An zeige. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Steinheim’s Leichenstein. Auf dem alten Friedhofe zu Altona bezeichnet Steinheim’s Grabesstätte ein sehr einfacher Leichenstein, auf dessen Vorderseite folgendes zu lesen ist: שמע ישראל ד׳ אלקינו ד' אחד פ״נ הרופא מומחה חכם ומליץ ואלאמאן הלוי ממשפחטו(6 שטיינהיים נולד בברוכהויזען יד אב תקמ״ט ונפטר בציריך ד׳ פיון תרכ״ו ת״נ״צ״ב״ה Auf der Bückseite ist folgendes zu lesen: Hier ruht der Arzt Dr. med. Salomon Ludwig Steinheim Ein Dichter und ein Denker geb. zu Bruchhausen am 14 Ab 5549 gest. zu Zürich am 4. Siwan 5626. Sein Pilger hier und dort, Sein Bürger einst; So wandelt er still in Demuth, Seinen Namen lehrend überall! Steinheim ist also geboren, nicht wie Grätz XI,475 angiebt, 17 90 zu Altona, sondern 1789 zu Bruchhausen und ruht auch nich t in christlichem Grabe.3) Die deutsche Aufschrift auf der Rückseite des Grabsteines ist entlehnt dem Gedichte: ״Der Abschied vom Sabbath“ (Gesänge aus der Verbannung etc. von Dr. Steinheim). S. 70. Dort heisst es: 0, lehr’ mich tragen deinen Rathschluss, Herr! Lass mich schauen deine Zukunft! *) So falsch geschrieben statt ממשפחת. *) Die Folgerungen, die Grätz a. a. O. p. 482 bezüglich Stein* heinfs Frau daraus zieht, zerfallen darum auch in Nichts. Dein Pilger hier und dorten dein Bürger einst, Will ich wandeln still in Demuth. So wandelte mein Ahnherr Abraham Mit des Zeltes leichtem Obdach, Wie du gebotest, von Brunnen zu Brunnen hin, Deinen Namen lehrend überall. Die Aufschrift ist jedenfalls recht passend gewählt. Interessant ist auch, dass Steinheim durchaus nicht so ausserhalb der Gemeinde lebte und auch mit dem sei. Oberrabb. Ettlinger befreundet war. Einer Predigt Ettlinger’s ist ein Gedicht Steinheims beigedruckt. D—d—r. Ueber Heinrich Heine als Typus des jüdischen Volkseharakters. Von Max Weinberg. (Schluss.) So schrieb jüngsthin auch Ludwig Bamberger in seiner sonst trefflichen Abfertigung Heinr. v. Treitschke’s: . . . . ״Aber neben den Zügen merkwürdiger Geistesverwandtschaft (zwischen der deutschen Nation und den unter ihnen lebenden Juden) treten wieder andere hervor, die beide Theile von einander scheiden. Bedächtiges, feierliches, andächtiges, gehorsames Wesen sticht ab gegen einen wundersam beweglichen, sarkastischen, skeptischen, undisciplinirbaren Geist. — Heinrich Heine, den man zu nennen nie unterlassen kann, wo von Deutschthum im Verhältniss zum Judenthum die Rede ist, und mit welchem Börne nur von den Oberflächlichsten zusammen genannt wird, Heine ist der unsterbliche Ausdruck jener sonderbaren Mischung deutscher Gedankentiefe und Empfindungsfülle mit dem schnellblütigen, kecken, bis zur Frivolität gesteigerten Humor des jüdischen Ingen i u m s.“ Das klingt Alles wunderschön, die Anthithesen passen so trefflich, ״der wundersam bewegliche, sarkastische, skeptische, undisciplinarbare Geist“, — ״der schneilblütige, kecke, bis zur Frivolität gesteigerte Humor“ steht bei Heine unbestritten fest, ist aber die Schlussfolgerung richtig? Sind wirklich Heine’s Untugenden jüdische Untugenden und lässt sich in Wahrheit behaupten, dass wir es in Heinrich Heine mit dem Typus, einem echten Repräsentanten des jüdischen Volkscharakters zu thun haben? Es braucht hier wohl nicht des Breiteren ausgeführt zu werden, dass über die Nationalität nicht die Geburt allein entscheidet und dass z. B. Adalbert v. Chamisso trotz seiner in Frankreich gelegenen Geburtsstätte mit Fug und