Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 35. (18.8.1880)
- Date
- 1880-08-18
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 140 — gewohnt habe, und nur ein Weissagungsmittel hatte das nach einem Führer verlangende israelit. Volk in ihm erblickt. Der sonst so besonnene RSBM. — so urtheilt zutreffend Rosin — konnte sich hierin als Kind seiner Zeit und seines Landes nicht ganz verläugnen. Die Frage nach dem Motiv der pentateuchischen Religions* gesetze weist RSBM nicht ganz ab, wie R. in vorliegender Abhandlung S. 120 nachweist, doch mit dem Unterschiede von anderen Exegeten, dass der Versuch einer Begründung der Religionsgesetze von philosophirenden Schrifterklärern, wie Saadia, Ibn Esra, Maimonides, eonsequent in Bezug auf die ganze mosaische Gesetzgebung durchgefiihrt wird — bei RSBM. dagegen eine solche Begründung nur sporadisch, wie gelegentlich, auftritt, was daraus zu erklären, dass Letzterer nicht durch eine Art von unabweisbarem Bedürfniss des eigenen Herzens, sondern eben nur an gewissen Stellen durch die Rücksicht auf seinen Leserkreis wie die auf Abwehr bi bei feindlicher Angriffe veranlasst sah, auch eine Begründung zu der Deutung des Bibelwortes hinzuzufügen. Der Abwehr solcher Angriffe oder der Vertheidigung des Judenthums verstattet RSBM. einen nicht unbeträchtlichen Spielraum in seinen exegetischen Arbeiten. Er lässt sich von dieser Rücksicht so weit fortreissen, dass er beispielsweise sich bemüht, das so leicht zu Missdeutung und Verläumdung des Judenthums Veranlassung gebende Gebot wider die Kananiten (V. Mos. 20,16) durch eine kühne Deutung in milderem Lichte erscheinen zu lassen. Anlangend die Frage über die Echtheit des einen und anderen unserem RSBM. zugeschriebenen Bibelcommentars weist Verf. u. a. von S. 15 ab den vielfach wiederholten lrrthnm zurück, dass die Ergänzung des unvollendet gebliebenen Raschi- Commentars zu Ijoh (von 40,25 an) RSBM zum Verf. habe und gelangt dann in weiterer Untersuchung zu dem interessanten Ergebniss, dass diese Ergänzung auch den gleichfalls zur nordfranzösischen Exegetenschule gehörigen Kara nicht zum Verf. habe, sie sei vielmehr das Werk eines Sammlers, der unter Eigenes Stücke aus dem ihm vorliegenden Ijob-Commentar sowohl Kara’s wie R. Samuel’s wortgetreu eingemischt habe. Ein grosser Abschnitt in diesem Theile vorliegender Abhandlung ist der Beschreibung der Textesgestalt gewidmet, in der die exegetischen Arbeiten RSBM. auf uns gekommen sind. Voran geht die Beschreibung der den Pentateuch-Commentar enthaltenen, der Breslauer Seminarbibliothek gehörigen Handschrift, ein schätzbarer Beitrag zur hebräischen Handschriftenkunde überhaupt. Zahlreiche Emendationen, die Verf. in die den Text begleitenden Anmerkungen gewiesen, bieten sich hier dem aufmerksamen Leser zur Benutzung dar.*) Doch das Angeregte wird wohl genügen, um darauf die Schlussbehauptung zu gründen, dass eine aufmerksame Durchmusterung vorliegender Abhandlung allen Freunden der Bibel Wissenschaft vielfache Belehrung und Anregung gewähren muss. Koschmin. T. נכנסין לפני בדין ביום הזד. ויוצאין לפני בדימום. Hier ist die Bedeutung von 0vj11.0.׳3<׳; vollständig ausgeschlossen, gerade die gegenteilige Bedeutung hat es hier (und in Koh. r.) nämlich wie Grätz und Buber annehmen: dimissio ״Entlassung, Freiheit“. Auch hat Grätz mit Recht aufmerksam gemacht, dass in Midr. Koheleth und Midr. Esther durch unwissende Copisten bei dem Worte דימום ואיתפשת, bei ספיקולא aber ואישתזבת, steht — gegen die Ordnung in den drei anderen Stellen: Jer. Schebiith 9,1, Ber. r. § 79, ß. Sabb. 33b (und Pesikta Beschällach). Irgendwo muss die Ordnung verkehrt sein; nun gibt die Lesart der mehreren (4) Stellen ausserdem auch den mit דימום in obiger Piska übereinstimmenden Sinn: dimissio. Desgleichen kann auch Jerusch. Berach. 9, 7 :מלך ב״ו יושב דדן כשהוא נותן דימום הכל מקלסין אותו, וכשהוא נותן ספיקולה הכל מרננין אחריו, das דימום nicht orju.0310; bedeuten, sondern nur, wie Buber zu Pesikta Beschallach Note 167 gezeigt, und vor ihm Grälz, einzig und allein dimissio; dagegen ist ספיקולא nicht ״specula, Gefängniss“, wie Grätz meint, sondern, wie Buber a. a. 0. zeigt, versetzt für ״ ,סופלקיאsupplicia, Todesstrafe.“ Auch die weitere Hypothese, dass ־ תורמוסיןfhpud sei, heisses Wasser, ist dadurch nicht bezeugt. Aber die Bedeutung von ist auch hier gar nicht möglich, denn in Jer. Schebiith 9,1, Ber. r. 79 und B. Schabbath 33b und Pesikta Beschallach steht dabei ״ מקצץer hat die (״heissen Wasser“ doch wohl nicht? sondern: die) ״Feigenbohnen“ zerschnitten. Wieso kann man ferner מקליין mit מלקק verwechseln? und wie kann man aus ״ מלקקlecken“ ein anderes machen: ״benetzen“? ״er nahm . . . zerschnitt sie und liess sie an die Strassen lecken“. קלק heisst ״werfen“, wie Aruch richtig bemerkt und Th. Jer. I Tzu וישלך אל המים anführt וקליק לגו מיא. Auch hier hat also Grätz vollkommen Recht und W. ist nicht blindlings gefolgt, sondern nach Erwägung der Wortbedeutung und des Zusammenhanges. Ferner meint Hr. Dr. r, בא נחש ולימד על מפלתה של ארם beziehe sich auf Aegyptens Niederlage in Aram; er hat nicht bedacht, dass □מ' של אף niemals die Niederlage i u Aram heissen kann, sondern nur Aram’s Niederlage. Hätte er aber Ber. r. § 20 gesehen, so würde er erstens bemerkt haben, dass hier in Koheleth der Midrasch unvollständig gegeben ist und dass in unserer Stelle fälschlich ארם für מצרים gesetzt ist. Es heisst: die Schlange gibt dem Propheten das Bild für Aegypten, und ונמצא w*r lernen aus jener Stelle erst, dass der Schlange die Füsse abgehauen wurden, dass ihre Stimme von einem Ende der Erde bis zum anderen gedrungen, weil es nämlich dort von Aegypten heisst: ״seine Stimme ist wie die der Schlange, so weit dringt sie, und gegen Aegypten kommt man mit Aexten.“ Zur Recenslon über Wünsche’s Bibliotheca rabbinica. Lieferung III. von Herrn Rabbiner Dr. Rawicz (in Nr. 26) gehen uns einige Bemerkungen von Hrn. Dr. Fürst in Mainz zu. Derselbe schreibt: Die Erklärung von דימום mit 0r(^L0a'.0c (der Vogel ist öffentliches Eigenthum, also herrenlos) ist unrichtig. In Pesikta Rosch Haschana und Wajikra r. § 29 lesen wir: (בשתים עשרה (שעה יצא בדימוס-מלפני הק״בה א״ל אתה סימן לבניך כשם שנכנסת לפני בדין כיום חזה ויצאת בדימוס כך עתידיץ בניך להיות *) Wie wir hören, ist Herr Dr. Rosin mit der gehr verdienstvollen Arbeit einer corr cten Textesausgabe des Samuel’schen Pentateuch-Commentars (nach dem einzigen handschriftlichen Exemplar auf der Breslauer Seminarbibliothek) beschäftigt. (Red ) Notiz. In dem Berichte über die jüngsten Sitzungen der Akademie der Inschriften und schönen Künste wird das Ergebniss der Untersuchungen des Hrn. Joseph II al e vy über zwei neulich in Babylonien entdeckte Keilinschriften referirt. Darin spricht sich (nach .,Un.isr.“) der gelehrte Orientalist energisch gegen die Hyperkritik aus, welche die Bibel in Fetzen zerreisst und die Redaktion des Pentateuch Esra zuschreibt. Die jüdische Prophetie ist undenkbar ohne den Pentateuch! Weit hinauf in die Vergangenheit des jüd. Volkes steigt dieses Gesetzbuch, und hierin, wie in so vielem Anderen ruht die Tradition auf viel solideren Grundlagen, als die vagen Hypothesen der sogenannten kritischen Schule! Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er in Magdeburg, Druck von H. Horbach in Barty. Verlag von Robert Friese in Leipzig.