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Das jüdische Literaturblatt · 1880-08-18 · No. 34. (18.8.1880) · p. Seite 136

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 34. (18.8.1880)
Date
1880-08-18
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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— 136 — Joel (p. 144) fortfährt, dass sich ״Allegorie immer da einstellt, wo Religionen zerfallen‘‘, so ist er entschieden im Unrechte, wie das Joel treffend nachweist. Was den 72buchstabigen Gottesnamen betrifft, so glaube ich eine hinlängliche Erklärung für diese Be- Zeichnung darin zu finden, dass nämlich nach Lefebure die Priester in Aegypten die Welt in 72 Theile getheilt sich dachten, und Osiris beherrsche eben all die 72 Theile der Welt d. h. eben die ganze Welt. (Siehe Lefebure, Etudes egyptologiques. Quatrieme sdrie. Le mythe osirien. Deuxi&me partie. Osiris page 210), Zu den 365 Himmelsreichen, die Joel anführt, wären vielleicht die 310 Welten, die dem Frommen zur Bereitschaft stehen, zu vergleichen gewesen (ש״י עולמות). Und wie schön doch ardererseits dieser Midrasch ist, ״ ישWesentliches, Dauerndes“, Unvergängliches sollen die Guten im Jenseits haben! Wenn Joel am Schlüsse die Syzygien und die verbotenen Verbindungen zusammenstellt, so können wir ihm hierin ganz beipflichten. War es ja bekanntermassen verboten, nach den ״Gründen“ der Gesetze zu forschen. Aus dem Gegebenen erhält der Leser einen Einblick in die Werkstätte des Buches und können wir nur wünschen, um mit Zunz zu reden, dass das Buch nicht nur nachschlagende, sondern auch lesende Leser finde. Breslau, 8. Juli. Dr. M Grünwald. Einer unserer geschätzten Mitarbeiter sendet uns noch folgende Bemerkung zum Joel’schen Buche: Dr. M. Joel schreibt in seiner jüngst veröffentlichten Schrift ״Blicke in die Religionsgeschichte“ S 117 : ״So giebt es unter den sieben Himmeln, von denen der Talmud erzählt, einen Namens ״Sebul“, woselbst das himmlische Jerusalem und der Tempel mit dem Altäre sich befindet. Auf diesem Altar bringt Michael der grosse Fürst ״täglich die Seelen der!frommen als Gott wohlgefälliges Opfer dar“ und führt als Beleg aus dem Talmud die Stelle Chagiga 12b (bei Joel 11b) an: זבול שבו ירושלים וכו׳ ומה מקריב וכי תעלה על דעתך שיש לשם פרים ובשבים אלא מקריב נשמתן של צדיקים. Die Worte ומה מקריב bis צדיקים finden sich aber weder in den gedruckten, noch in den handschriftlichen Texten des Talmud und sind zur Ab- Schwächung des krassen Ausdrucks, dass der Engel Michael täglich auf dem himmlischen Altäre ein Opfer bringe, aus einem späteren Midrasch im Texte des En Jakob hinzugefügt worden. Die Tossaphoth zu Menachoth 110a und Tur Orach Chajim § 120 verweisen auf den Midrasch, aber nicht auf den Text des Talmud, und R. Samuel Edels hat es mit seinem kritischen Spürsinn herausgefunden, dass hier ein späterer Zusatz vorliegt, als dessen Urheber er geradezu den Sammler des En Jakob bezeichnet, er schreibt in den חייושי אגדות z. st.ובעין יעקב הגיה בזה וכי תעלה וכו׳. (Vgl. auch Levy, neuhebr. Wörterbuch s. v. זבול.) Es ist auffallend, dass Rabbinowicz, der in dem Sammelwerke ״Dikduke Soferim“ oft die entlegensten und irrelevantesten Varianten beibringt und namentlich den En Jakob stark benutzt, der kritischen Feststellung des Textes an unserer Stelle kein einziges Wörtchen widmet und den bedeutsamen Zusatz im En Jakob, wie die Bemerkung des מהר״שא übersehen hat. Ba. Hocbstaedter, Dr. B. Zur Versöhnung der positiven Religionen und ihrer Bekenner. Vortrag gehalten im Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. Ems. 16 S. 8°. Ein Blick auf das Thema des Vortrags zeigt schon zur Genüge, dass dasselbe als ort- und zeitgemäss zu betrachten ist. In schlichter, populärer und fesselnder Darstellung verbreitet sich der Vortrag des Näheren über die Anschauungen, welche Judenthum, Christenthum und Islam geltend machen, über Gotteserkenntniss, Menschenliebe, messianisches Reich und Unsterblichkeit der Seele. Dass die Töchter an den Brüsten der Mutter gesogen, dass die christliche und mehammedänische Ethik aus jüd. Quellen geschöpft, dass besonders die oben angedeuteten vier Hauptbegriffe, mit denen alle denkenden Bekenner der positiven Religionen auf die eine oder andere Art sich auseinanderzusetzen haben, die ursprüngliche und dabei die edelste und geläutertste Form aufweisen, ist schon so oft, so erschöpfend und vielseitig nachgewiesen worden, dass es unnöthig erscheint, hier noch näher darauf einzugehen. Sehr dankenswerth sind die apologetischen Bemerkungen des Verf. im Eingänge des Vortrages wie seine objectiv gehaltene, durchaus unparteiische Würdigung der renommirtesten Piecen des neuen Testaments, wie der sogen. Bergpredigt, welche, einen erkünstelten Gegensatz zu den ethischen Grundanschauungen des alten Testaments und des Talmuds zu zeigen bestrebt sind. Ueberhaupt hat der Verf. die Genugthuung, mit seinem Vortrage ein ״Wort zu seiner Zeit,“ gesprochen zu haben. Sohrau O.-Schl. Dr Immanuel Deutsch. Kohn, M. Bistritz. Jüdisch-deutsches oder deutschjüdisches Sprüchwort? Eine Erörterung des Sprüchwortes ״Wann die Chassidim reisen, regnet es.“ Wien 1880. Selbstverlag des Verfassers 14 S. * Die Verdeutschung taugt nichts. ״Wandern“ muss es heissen, nicht ״reisen“, da ״wandern“ den Doppelsinn i des Sprüchwortes allein wiedergiebt. Güdemann hat in seiner Geschichte des Erziehungswesens S. 176 die Ansicht ausgesprochen, dass das Witzwort, welches ״Storch und . Fromme“ anzeigt, dem deutschen, das ״Storch und , Mönch“ zusammenfasst, nachgebildet sei.1) Dagegen be-; hauptet Herr Kohn: Das Sprüchwort ״Wann die Störche? wandern, regnet es“ ist Gemeingut aller den Storch j kennenden Völkerschaften. Daneben sei (ohne dass man 1 einen Witz beabsichtigt) bei Juden von den ״Frommen“ und später bei deutschen Christen von den ״Mönchen oder Pfaffen“ dasselbe gesagt worden. Gelind gesagt, curios ist dann die Herleitung aus der Bibel. Richter 5,4: ״Als Du, Ewiger, aus Seir zogest etc, da trofen (sic!) die Himmel“ — und Gott sagt von sich Jeremia 3,12 : ״Ich bineinChassid.“ — Die Weiterausführung, dass auch ein Prophet ״Chassid“ genannt und in Elia’s Geschichte ein starker Regen vorkommt, erlassen uns unsere Leser. Das sind übel angebrachte Pschättel. Bemerken wollen wir, dass neben den Chassidim im Volksmunde die Rabonitn als ,Regenbringer genannt werden. Ob dies mit ״ רבעbefruchten“ Zusammenhangs, lassen wir dahingestellt.* *) Jedenfalls spielt die weitere Ausbildung dieses Sprichwortes den Frauen der Rabbiner übel mit. Es will nämlich, dass die Rabbinen das Jenseits theilhaft werden durch die Leiden im Diesseits. Diese gipfeln auf Reisen im Regen, zu Hause in der — Frau. (ע״י נשים צדקניות נגאלו ישראל) die frommen Frauen haben sich Gott gegenüber verbindlich gemacht, die geschenkten Jahre der ägypt. Knechtschaft ihren Männern im Einzelnen nachzuzahlen! Nimmt der Mann aber die Frau mit auf die Reise, dann entgeht er, der stets unter der Traufe**) ist, dem Regen. 1Dr. Lewin. ‘) Er verweist u. A. auf Wander, deutsch. Sprüchw.-Lex. III, 708: ״dass die Geistlichen bei der Einsammlung des Zehnten gern Regentage wählten, weil sie dann die Bauern eher zu Hause trafen.“ *) Plausibler ist die Erklärung Rawonim ״ רב ענן =־wenn viel G ew ö 1 k zieht, regnet ’s “ (Red.) **) Man vrgl. hierzu Spr. Salom. 19,13 u. 27,15• fRed.) Verantwortlicher Kedacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in JBarty. Verlag von Robert Friese in Leipzig

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