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Das jüdische Literaturblatt · 1880-08-18 · No. 34. (18.8.1880) · p. Seite 134

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 34. (18.8.1880)
Date
1880-08-18
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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S c 11 u h 111 a c 11 e r e i, vor allem aber die Schneiderei. Es widmen sich dem Handwerk aber nur die allerärmsten Individuen, meist arme Waisen, denn es wird einem jüdischen Vater nicht einfallen, seinen Sohn zu einem Handwerker in die Lehre zu geben, er lässt ihn ״handeln“. Die armen Lehrjungen (oder: Lernjungen) haben ein hartes Loos; eine rohe Behandlung von Sei- { ten des Meisters (baal-habais) und der Meisterin (baalhaboste) pflegt ihnen zu Theil zu werden. In den ersten Jahren müssen sie nur im Haushalte helfen und lernen nichts; erst nach einer bestimmten Zeit werden sie in die Geheimnisse des Handwerkes eingeweiht. Allinälieh wird aus dem ״Lernjüngel“ ein Gesell (poel), weleher Gehalt und Lohn für seine Arbeit bekommt. Bemerkenswerth ist, dass in einigen kleinen Ortschaften die Handwerker ihre eigene Schul’ haben, welche nach dem Ueberwiegen der Schneider das ״schneiderische Sehiilchen“ zu heissen pflegt, in grösseren Orten hat jedes Handwerk seine eigene Schule. Nächst der Schneiderei ist die Mützenmacherei durch die Juden vertreten; die Schuhmacher nehmen der Zahl nach erst die dritte Stelle ein. Ausserdem arbeiten die Juden als Schmiede, Schlosser, Glaser, Zimmerleute u. s. w. In besonderem Ansehen stehen die Uhrmacher, die Gold- und Silberarbeiter, sowie die Juweliere. Obgleich die Juden die Musik als solche lieben, so erfreuen sich die Musikanten, insbesondere die jungen, keiner besonderen Achtung, man hält sie für leichtsinnige Menschen ohne Moral und Religion. Eine ganz besondere Art des Gewerbes ist die des ״Faktors“, womit in den westlichen Provinzen ein Commissionär oder Zwischenhändler, ein Mann, welcher Geschäfte vermittelt, eine Art Makler bezeichnet wird. Die Faktoren sind nicht beliebt; es beschäftigen sich damit Leute, welche durchaus nicht arbeiten wollen; in jenen Provinzen haben sie sich aber so fest eingewurzelt, dass ihre Existenz zu einem nothwendigen Uebel geworden ist. Ohne ״Faktor“ kann kein Geschäft gemacht werden. Unter den J uden existirt noch ein Fabrikgewerbe, nämlich die Fabrikation jener vollenen Decken (Tallis), welche beim Morgengebet verwandt werden. Sie werden ausschliesslieh in jüdischen Familien angefertigt; die Chassidim geben den in Bersched (Gouv. Podolien) hergestellten den Vorzug vor den in Dubrowensk (Gouv. Mohilew) fabricirten, weil in Bersched die Fabriksbesitzer Chassidim sind und die Arbeit von Menschenhänden verrichtet wird, während in Dubrowensk die Fabrikanten Anti-Chassidim sind und Maschinen zur Anwendung bringen. Nur in einzelnen wenigen Orten beschäftigen sich die Juden mit grober Arbeit, z. B. als Träger, als Erdarbeiter, als Arbeiter beim Verladen der Waaren bei der Eisenbahn u. s. w. Im Allgemeinen sind die Juden als Arbeiter geschätzt wegen ihres Eifers und ihrer Anstelligkeit, allein nur wenige entschliessen sich dazu, weil sie dabei den Anforderungen der Religionsgesetze nicht in gewünschter Weise genügen können. Mit der Gärtnerei, namentlich der Gemüsezucht (bei den Russen sehr beliebt), geben sich die Juden nicht ab. Das bleibt den Christen überlassen, wie viele häusliche Arbeiten, z. B. das Reinigen der Wäsche, das Wassertragen u. s. w., wozu in den jüdischen Häusern (schon des Sabbaths und der Feiertage wegen) stets christliche Dienstboten benutzt werden. Die Juden bilden im gewissen Sinne auch jetzt noch eine besondere, für sich abgeschlossene, religiöse Gemeinschaft. Freilich ist die abgesonderte Gemeindeverwaltung, derKahal oder das Kahl amt, wodurch die Juden in jedem einzelnen Orte zu einem engen Verbände mit solidarischen Interessen verbunden waren, aufgehoben, aber der Kahal besteht doch noch fort. Seiner früheren Macht und seiner weittragenden Einflüsse beraubt, hat der Kahal jetzt nur die Aufgabe, die jüdische Gesellschaft in m o r a 1 i s c 11 e 1• Beziehung zusammen zu halten, die dazu geeigneten Persönlichkeiten zu wählen und für ihre Besoldung zu sorgen, sowie besonderen Unordnungen unter den Juden vorzubeugen. (Ueber die Bedeutung des Kahals hat J. Brafmann ein interessantes Buch in russischer Sprache verfasst, welches auch Französisch erschienen ist. Die französische Uebersetzung führt den Titel: Livre de Kahal. Materiaux pour etudier le .Judaisme en Russie et son influence sur les populations parmi lesquelles il existe. St. Petersbourg chez Kechribardshi) So grosses Interesse auch das nähere Eingehen in das Einzelne des Kahals gewähren würde, so müssen wir hierbei davon absehen, weil die diesen Mittheilungen gesteckte Grenze zu weit überschritten werden würde. (Schluss folgt.) Literaturbericht. Recensionen. Wuensche, Dr. August. Der Jerusalemisehe Talmud in seinen hagadischen Bestandtheilen zum ersten Male in’s Deutsche übertragen. Zürich 1880. Verlags- Magazin. Gr. 8°. VIII und 297 S. (Schluss) Pg. 199. ״sein Haar“ ist nicht generell, aber ״sein ganzes Haar“ ist generell, pg. 200. ״ ושובריןsie zerbrachen die Früchte“, nicht ״die Körbe“, pg. 201. ספק עברה ist ״etwas, dessen Sträflichkeit ihm zweifelhaft ist“ pg. 204 שתוקי ist ״ein Kind, dessen Vater, weil unbekannt, verschwiegen wird.“ pg. 205. פקהין, besser ״ קפחיןjähzornig“, pg. 215. שהיו בעליהן הולכין י * י והיה מעלה, hier ist nicht die Rede von Frauen, ״die ihren Männern in den Krieg folgten. Es heisst ״während ihre Männer im Kriege waren, sorgte Saul für deren Frauen.“ pg. 219. לבה גם heisst Dicht ״die Frau geht stolz um mit den Mägden“, sondern ״sie verkehrt, vertraulich mit ihnen“, ib. וכשל בה heisst ״er kommt zu Falle durch sie“, nicht ״er nimmt sie“, ib. תמנת של יהודה heisst ״Timnath, wo Jehuda verkehrte“, nicht ״T. im Gebiete Jehuda’s pg. 223. הרודף אחי־ חברו וכ׳ heisst ״wird der Nächste verfolgt, muss man den Verfolgten retten, er sei ein Mann oder eine Verlobte“. Mit רשע beginnt ein neuer Passus. W. hat die Stelle falsch aufgefasst, pg. 227. ביזה heisst hier ״Plünderung“ (rad. בזז), nicht ״Verachtung“ (rad. בזה), pg. 228. תמצית heisst eig ״Extraet“, dann ״Wesen, Hauptsache.“ pg. 230. משחדדיז heisst ״sie müssen sich frei machen“, nicht ״sie haben sich frei gemacht.“ pg. 236 ״ דיהאschwach, armselig“, nicht ״zweifelhaft“. ib. מ| דולעי heisst ״nachdem ihr euch abgemüht, vergesst ihr es“; VV. übersetzt ungenau, ib. ־=־ ק קו פדיפ׳ xaxo» r.a׳o$;. pg• 240. מסרם heisst nicht ״überliefern“, sondern ״verwickeln, verwirren“, pg. 242. קטל לון heisst ״er würde sie tödten“; W. liest ״ קטןer ist vor ihnen klein geworden.“ pg. 244. שסחקת ♦ י מד״ה״ד heisst 3״ Dinge, die die göttliche Gerechtigkeit wie im Spiel als geringfügig gegeben, habe ich verletzt“; W. übersetzt hier ungenau. pg. 247. כי נפק אייתי עטעמ׳ heisst ״als er weggegangen, verlangte er etwas zu essen, zu kosten“,עטעמיה kosten; W. übersetzt ״Grund“, pg. 257. פטייה, nach Schönhak (im Maschbir)!אספטייה אפטייד spatium. ib. Die Anwendung von Prev. 11, 31 ist in dieser abrupten Kürze ganz unverständlich, pg. 259. 'בהרת כגרים וב heisst ״ein (weisser) Fleck am Körper (nicht am Kleide) in der Grösse eines Gris? Unrein. Breitet | er (בהרת) sich über den ganzen Körper aus? Rein“

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