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Das jüdische Literaturblatt · 1880-08-04 · No. 32. (4.8.1880) · p. Seite 128

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 32. (4.8.1880)
Date
1880-08-04
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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— 128 — nicht immer glücklich. ר״ל oder ר״ש״ב״ל wird beharrlieh wiedergegeben mit R. Simon b. Levi statt R Simon ben Lakisch. Gravirender ist freilich die Auflösung der Abbreviatur ג״ע in עדן p statt in גלוי עריות (cf. pag. 273 Z. 19 v. 0.)!! Bisweilen hat der Verf. auch rein halachische Stücke wiedergegeben, deren ethische Wich• tigkeit nicht in die Augen fällt. Die Verstösse gegen den richtigen Wortsinn sind nicht zahlreich und — was noch mehr sagen will—nicht belangreich. Wir lassen hier an der Hand der Uebersetzung einige der wesentlichsten Berichtigungen folgen, pg. 1. שחר heisst nicht ״Morgenseite“, sondern ,,Morgendämmerung“. ibid. יותר הריין begründet eine Einwendung und heisst: ״es waren ja mehr als 4 Mal.“ pg. 10. וותיק heisst nicht ״alt“, sondern nach Aruch so viel wie syf>0£0; ״berühmt“, pg. 11. עמך על נ׳מ׳ heisst nicht ״es standen bald nur noch 50, 40, 30 Weinstöcke.“ Die Zahl der Weinstöcke ändert sich nicht, wohl aber der Ertrag aus denselben Es ist zu übersetzen: ״die anderen Weinberge trugen später nur 50, 40, 30 u. s. w. Fass“, pg. 17. מלאכתנו scheint W. gelesen zu haben מלאתנו »r«öge deine Lehre . . . füllen“ von מלא, es heisst ״unsere Arbeit“ ib. לבית י־בי heisst ״im Lehrhausp“ und nicht ״bei Rabbi“, ib. סבר übersetzt W. ״gute Hoffnung“; hier ist aber nur von geistigen Eigenschaften die Rede und darum כבר wohl identisch mit dem talmud. ״ סברהgesunder Verstand.“ pg. 18. Der דרש von יענך ה' ביום ist nicht ersichtlich, pg. 21. המתרגשות heisst eigentlich ״die sich fühlbar machen“, ib. R Josua b. Levi intendirt mit Hinweis auf Ps. 96,9 das Wortspiel von הדרת und חרדת per inversionem, was die Uebersetzung nicht andeutet, pg. 22. W. liest לרעה und übersetzt: wir haben nicht den Schein der Geselligkeit zum Bösen, יפה מראה liest לדעה und findet hier einen bescheidenen Zug. Man merke ihnen keine Spur von Wissen an und es gebühre ihnen dieser ehrerbietige Gruss nicht, pg 25. מעל »wer geniesst ohne zu danken, entweiht das Heiligthum“. Hier fehlt übrigens die schöne Deutung: העולם כלו עשוי ככרם ומהו פדיונו? ברכה• ib• מילא heisst nicht ״Zeichen“, sondern ״Wort“ pg. 27 מודה heisst nicht ״angenehm“, sondern ״ausgeschweift, gereinigt“, ib. ה מיונם y׳a׳. ovo;, Onkeios übersetzt אמים — ימים ,Starke“. pg. 30. סמא heisst eig. nicht ״Lob“, sondern ״Salbe, Arzneimittel“. pg. 33. פה heisst nicht ״Muth“ sondern ״Mund“, ib. דיילי ה ist etymologisch schwer zu fixiren; die Commentatoren lösen es auf in דין ליך, Andere nehmen es für eine Eidesformel, alsdann wäre די wohl als casus vom griech. Zs•/;, A׳.ö; zu erklären. (Schluss folgt.) kennen, die über diese Schöpfungen ausgebreitet liegen. Bei aller kunstgerechten Behandlung des Stoffes, die hinlänglich bekundet, dass der Meister aus dem Vollen schöpft, sind diese Gesänge doch alle—ohne Ausnahme — echt jüdisch, es erinnert keine Melodie weder an das Concerthaus, noch finden wir da Anklänge an Christliehe Kirchenmusik, der Geist dieser Gesänge wurzelt ganz und gar in jüdischem Boden. .Nicht minder rühmenswerth ist die innige Verbindung des Textes mit der Melodie, sowie die genaue Berücksichtigung des Accentes; mit solchen seltenen Vorzügen ausgestattet, steht das Werk den besten Erzeugnissen jüdischer Musik würdig zur Seile Wir begegnen hier wieder einmal einem Autor, der von der Heiligkeit seiner Aufgabe ganz erfüllt ist und dem auch die Gaben reichlich verliehen sind, ihr gerecht zu werden. Als Leiter eines weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannten Musikinstitutes, aus welchem eine grosse Anzahl tüchtiger Cantoren hervor^egangen, stehen dem Componisten eine reiche Erfahrung und eine aasgebreitete Kenntniss der religiösen und ästhetischen Anforderungen vieler Gemeinden zur Seite, die ihn in den Stand setzen, den mannigfachen Anordnungen Rechnung zu tragen. Demselben Verfasser verdanken wir auch einige andere für die Synagoge werthvolle Compositionen, als: Orgelpräludien, Synagogenu. Schullieder, die Vorbeterschule. Gewiss ist es erfreulich zu sehen, wie mit der zeitgemässen Umgestaltung unseres Gottesdienstes sich allmählich anch die des musikalischen Ausdrucks vollzieht, und wie wir durch begabtere Cantoren in wenigen Decennien in den Besitz vortrefflicher geistlicher Compositionen gelangt sind, die dem hergebrachten zügellosem Kunstgebahren ein rasches Ende zu bereiten geeignet wären Leider können wir uns anderseits der bedauerliehen Thatsache nicht verschHessen, dass unsere Reformbestrebungen auch eine ganze Gruppe von Pseudo- Componisten hervorgelockt haben, welche — mit knapper Noth kaum die Rudimente der Tonkunst überwunden — sich trotzdem bereits für berufen halten, in die neue Aera unserer gottesdienstlichen Musik mitschaffend einzugreifen. Möge dieses neue Werk eines unserer hervonagendsten Cantoren dazu beitragen, die Fluth unwürdiger und trivialer Lieder und Gesänge, die in unsere Synagogen zu dringen droht, zurückzudämmen und die gedeihliche Fortentwickelung der unserem Gemüth- und Gefühlsleben entsprechenden religiösen Musik intakt zu erhalten und stetig zu fördern. R. Literarische Notizen Deutsch, Moritz, Obercantor der Synag.-Gemeinde zu Breslau. Breslauer Synagogen-Gesänge. Liturgie der neuen Synagoge, in Musik gesetzt für Solo und Chor, mit und ohne Orgelbegleitung Leipzig, Breitkopf & Härtel. 20 Mark (Direkt vom Verf. 15 Mark.) Der weithin bekannte und um den jüdischen Synagogengesang so sehr verdiente Componist übergiebt hier eine von ihm in Musik gesetzte, vollständige Liturgie der Oelfentlichkeit. Das Werk enthält mehrstimmige traditionelle Weisen und Originalcompositionen, theils in altem, theils im modernen Style gehalten. Ausser den selbstständigen Präludien der Orgel ist die Begleitung der Gesänge meist ad libitum, und nur bei Solo-Stücken immer obligat. Wenn irgend ein Product »uf diesem Gebiete, so erfüllt dieses alle Bedingungen, die es zum Anspruch auf weite Verbreitung berechtigen. Wem auch nur flüchtige Einsicht in dieses Werk vergönnt ist, kann den Ernst und die Würde nicht ver- Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er in Magdeburg. Druck v von Ben See"b in P. 7) Es ist merkwürdig, dass der in späterer Zeit sich so grosser Sympathieen erfreuende Tur Jacob Ascheri’s in älterer Zeit, namentlich seitens der Rabbiner nicht recht gewürdigt wurde, und zwar gerade darum, weil ihn auch die Laien studirten. In den Response« Juda Menz Nr. 15 heisst es: ויש מהרבנים שאינם רוצים אפילו לקרות בטור א״ח ונותנין טעם שהבעלי בתים לומדים אותו 8) In Targum Jonathan zu Deut. 24, 1 heisst es: ויכתוב לה ספר תירוכין קדם בי דיג א, dass also ein גט vor einem בית דין sein müsse, was uns zwar sehr geläufig ist, aber doch sonst in den talmudischen Quellen nicht angeordnet wird. Ob es bei uns erst in Folge dieser Targumstelle üblich wurde, oder ob der Targumist hier schon die Sitte seiner Zeit angiebt, lasse ich uaentschieden. Wunder nimmt es, dass Gronemann in seiner trefflichen Schrift über dieses Targum über diese merkwürdige Angabe hinweggeht. 1 H. Horbach in Barty. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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