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Das jüdische Literaturblatt · 1880-07-14 · No. 29. (14.7.1880) · p. Seite 116

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 29. (14.7.1880)
Date
1880-07-14
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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— 116 — r «11 sitze des Hrn. Hai bers tarnra in Bielitz) entnommen. Diese lehrreiche Beschreibung ist in dies Bl. (Nr. 17 u. 18) bereits wörtlich abgedruckt worden Von besonderem pädagogischen Interesse ist dieser Theil, der uns zeigt, wie sehr man bemüht war, den Kindern Liehe zum Wissen einzupflanzen, und wie sehr der Unterricht schon in seinen ersten Anfängen sich von jeglichem Mechanismus fern zu halten suchte. »Der Lehrer begann den Unterrieht damit, dass er eine Tafel nahm, auf welcher die vier ersten und die vier letzten Buchstaben des Alphabets verzeichnet waren, ferner der Satz 5. B. M. 33,4: »Eine Lehre hat uns Moses geboten zum Erbtheil für die Gemeinde Jakobs“, sowie die Worte: ״Die Lehre sei mein Beruf‘; und der erste Vers aus 3. B. M. u. s w.“ (S. 51—52) In dieser Art scheint mir mehr als eine gewöhnlicheSpiele1־ei, vielmehr ein fein berechneter pädagogischer Takt zu sein. Der Unterricht des Alphabets ist bekanntlich der schwierigste und verlangt ganz besonders einen gut geschulten Lehrer, wenn er nicht mechanisch werden soll. Dieser Unterricht sollte also lebendiger werden, und es lag eine recht gute, dem kindlichen Gemüthe Interesse einflössende Methode darin, wenn der Lehrer seinen ersten Unterricht an Sätze anknüpfte, welche den Kindern sicherlich schon vorher bekannt waren und die nun vor ihren Augen auf der Tafel standen. Der Unterricht dürfte mit den vier letzten Buchstaben begonnen haben, auf welche man, wie es scheint, ein besonderes Gewicht legte. Diese Buchstaben hatte nun das Kind in dem zuerst genannten Verse vor Augen. Auch der Umstand, dass diese letzten vier Buchstaben zweimal in dem genannten Verse Vorkommen, sollte der Lehrer j pädagogisch ausnutzen für die Uebung im Hin- und; Zurücklesen dieser Buchstaben. Der Midrasch bot ihm j auch gute Gelegenheit, auch auf den Zahlenwerth der j Buchstaben aufmerksam zu machen, und die Kinder im Zählen und Summiren zu üben Für die ersten vier Buchstaben sollte in gleicherweise der erste Vers des 3. B. M. zur Anknüpfung dienen, indem auch dort die vier ersten Buchstabens des Alphabets enthalten sind, wenn wir uns 'ספר ג als Ueberschrift dazu denken. Sicherlich war das Verfahren bei den anderen Buchstaben dasselbe, und in dem Angeführten sollte blos ein Beispiel oder Vorbild gegeben sein. Die unverständliche Stelle: מוליכי' הנערים לבית הכנסת לספר בהיות הבקר ויהי קולות ובו erklärt der Verf.: Man führte den Knaben mit Morgenanbruch in das Gotteshaus vor die Thora, während daraus die für dieses Fest (nämlich Wochenfest) bestimmte Perikope II B. M 19, 16 ff. (der Dekalog) vorgelesen wurde. Der Verf denkt sich nach לספר das Wort כשקוראין hinzu. Da ich sowohl den Text als auch die Verbesserung Luzzatto’s nur in dem Citat des Verfassers habe, so gestatte ich mir folgende Emendation dem geschätzten Verf. blos zur Erwägung zu unterbreiten: מוליכין הנערים לבית הכנסת לספר בהיות הבקר כדכתיב ויהי ביום השלישי בהיות הבקר ויהי קולות וכו׳. Der Sinn wäre, dass man die Knaben schon am frühen Morgen vor die Thora — könnte es nicht zum Buche heissen? — in die Synagoge führe, gemäss den Worten der Schrift, dass die göttliche Gesetzgebung am frühen Morgen begann. Das Versehen des Abschreibers wäre auf diese Weise leicht zu erklären, indem derselbe durch das zweimal vorkommende בהיות הבקר verführt, schon bei der zweiten Stelle zu sein glaubte, als er in Wirklichiit noch bei der ersten war. Der Herr Verf. und Herr 1berstamm werden in der Lage sein, durch den Text Zusammenhang zu beurtheilen, ob diese Conjectur ubar ist. Mit Bezug auf diese wichtige Partie des Buches und auf die durchgehends hochinteressante und reizvolle Darstellung des Verf. verweise ich nochmals auf den in diesen Blättern bereits geschehenen Abdruck. (Fortsetzung folgt.) Lewin, Dr. A , Rabbiner in Coblenz, Michael Levy’s Gesammelte Aufsätze. Breslau 1880. Commissionsverlag der Leuckart’schen Buchhandlung (Albert Clar). Die Pietät ist ein gerade im Judenthum sehr gepflegtes und heilig gehaltenes Motiv für Vieles, was in demselben gehalten und geschaffen wird. Nicht immer verbindet sich aber mit der Pietät eine objectiv richtige Werthschätzung Was dem Einen darum werthvoll sein muss, ist es oft für Andere nicht. Auf dem Gebiete der Literatur ist es ein so wünschenswerther, dass die Pietät nicht vergesse, auch objectiv richtig zu schützen, was sie der Oeffentlichkeit darbietet und anempfiehlt. Das vorliegende Schriftchen ist eine glückliche Verbindung von rührender Pietät des Verf. gegen einen ihm befreundeten Dahingeschiedenen mit ruhiger, riehtiger Werthschätzung der Leistungen desselben. Michael Levy, ein Kaufmann und Gelehrter, geistreich und bescheiden, modern gebildet und Kenner der jüdischen Literatur., hat nicht aus Beruf und nicht um Lohn, sondern einem inneren Drange folgend, bei passender Gelegenheit aus dem Schatze seines Wissens geschöpft und das Judenthum mit wenigen abergründliehen Aufsätzen so herrlich beleuchtet, dass man nicht nur fühlt, wie er es liebt, sondern es von Neuem mit ihm lieben lernt. Der Herausgeber verdient nicht nur den Dank der besonderen Freunde des Verstorbenen, sondern aller Freunde religiöser Forschung. מ ס Ist auch im Einzelnen mancher Einwand gegen das in den Aufsätzen Dargelegte vorzubringen, so sind doch die Hauptresultate der in ihnen entwickelten Gedanken interessant und richtig. Dabei werden Stellen der Agada geistreich erklärt und auf manche derselben hingewiesen, die weniger beachtet worden war oder gar unverständlich schien und nun geradezu als eine glänzende Perle uns erfreut. »Die Menschenliebe und Vereinigung aller Völker“, ״Gott ist gerecht und zugleich voller Erbarmen“, ״Abwehr vom Hexen- und Zauberglauben“, ״Zur biblisch-talmudischen Kosmogonie“, ״Speisegesetze und Naturgesetze“, ״Ueber Tephillin“, ״Die Herren im Alterthum und in der Gegenwart“, ״Das Lied Josua’s“, ״Zur Selbstkritik des Talmud“, — alle diese Aufsätze enthalten zum Theil Neues, durchgängig aber Gediegenes und bilden trotz ihres geringen Umfangs eine inhaltsvolle Belehrung. Kroner. Notiz. Vor einigen Jahren hat die Pariser Nationalbibliothek etwa ein Dutzend Broneefragmente, die von Cypern stammen, mit sehr alten phönicischen Buchstaben erworben. Herr Clermont-Ganneau veröffentlicht im Londoner »Athenaeum“ das glänzende Resultat seines Versuches, die Stücke zu einem Ganzen zu vereinigen. Die um den Rand in einer Linie laufende Inschrift enthält die Widmung der dem Baal, Gotte des Libanon von einem Diener des Königs Hiram, Statthalter in einer Stadt Cartago’s, geweihten Vase. Ob’s der zur Zeit David’s und Salomo’s lebende Hiram ist, darüber sehen wir ausführlicherem Berichte, als der Auszug des ״Univ. isr.“ bringt, entgegen. Herr Gewerbeschullehrer Dr. Wertheim in Hagen (West* falen) hatte die Güte, mich darauf aufmerksam zu machen, dass das in Nr. 2t des ״Literaturblattes“ als Geburtsort Sir Moses Montefiore’s genannte ״Legharan“ ״Leghorn“ zu lesen und der englische Name für ״Livorno“ sei. Dr Lewin. etlicher Kedacteur Dr. Kahm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Bart y. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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