Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1880-06-09 · No. 24. (9.6.1880) · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 24. (9.6.1880)
Date
1880-06-09
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5367336-6488238-9584446--1571-9584450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 96 — rechtigten Angriffe vertheidigt. Alles in Allem: Gehet hin, kaufet, leset — und Ihr werdet lernen, wie An• griffe abzuwehren sind. Dr. Lewin. דברי חכמים: וחידותם Exegesen (?) mancher talmudischen Sprüche und Allegorien von Jacob Gesang in Krakau. 1880. Herr Gesang, ein wohlhabender und wohlthätiger Mann, von acht conservativer Gesinnung, gehört zu den Wenigen in Krakau, welche Sinn für Bildung und gesunde Schriftauslegung besitzen, wovon vorliegendes Buch Zeugniss gibt. Dasselbe stellt sich die löbliche Aufgabe, die schwierigsten Agadnstellen im Talmud an der Hand einer klaren Hermeneutik und mit Hilfe exferner Kenntnisse zu erklären. In der Vorrede be* richtet er von der traurigen Methode der Melamdim, deren Zögling er war; dass er selbstaber im socialen Leben einebessere Richtung genommen. Er sei einmal in eine christliche Gesellschaft gerathen, welche den Talmud verspottete. Er blieb ihnen die Antwort nicht schuldig. Damals sei in ihm der Gedanke entstanden, die Agadot vernunftgemäss zu erklären. Dieses Buch gereicht dem Verfasser zur Ehre und zeugt von einem klaren und logisch denkenden Geist. Die hebräische Diction ist eine sehr gute, die Auslegung zeugt von dem reichhaltigen Wissen des Verfassers. Ein solches Buch ist in Galizien eine Oase in der Einöde der Spitzfindigkeiten und des endlosen agadischen Pilpuls. Wir empfehlen dem Leser besonders folgende Stellen: Ueber die Harfe David’s S. 4; über den Stein Osts S; 14; über Salamon S. 23; über die unvermeidlichen Rabba bar bar Chana S. 23 etc.; über die 9. Mischna 2. Absch. Ediot S. 65; über das Vogelnest auf dem Kopfe des Menschen S. 71. Möchte das Buch ein Funke sein, welcher eine reine Flamme auf dem Gebiete der talmudischen Exegese hier in Krakau entzündet. Wir möchten bei dieser Gelegenheit auch noch auf einen andern gelehrten Literaturfreund in K1*akau hin weisen, welcher seine Müsse dem Talmud und der Kantischen Philosophie widmet. Es ist dies der bekannte Literat Herr Re c hei es derselbe übersetzte Kants Grundlage zur Metaphysik der Sitten ins Hebräische, wovon einige Proben im ״Hakol“ erschienen sind. Das Werk dürfte bald die Presse verlassen. Wir machen auf dasselbe schon jetzt aufmerksam, da es unstreitig ein Verdienst ist, Kant verständnissvoll in ein klassisches Hebräisch zu übertragen. Duschak. 0 t i z e n. 1) לשון כנען. Zu dem, was Hr. Dr. Grünwald darüber im L.-Bl. No. 21 schreibt, füge ich noch hinzu, dass schon im Literat.־Bl. des ״Orient1‘ v. December 185 ogesagt ist, dass unter obiger Bezeichnung bei Raschi, Aruch u. a. eine slavische Sprache verstanden sei. Der Name Meziegradi, welcher in den jüdischen Scheidebriefen für Prag geschrieben wird, ist slavisch, und bedeutet ״zwischen dem Burgen“. Dieses Wort wird nebst dem gewöhnlichen Praga von .Salamon Luria (Jam schei Schlomo zu Gittin 2,32) ebenfalls als der ״Sprache Kenaan’s“ angehörig bezeichnet. Dass man die Slaven Kenaan genannt, liegt vielleicht in dem ursprünglichen Wanderleben derselben, was dem hebräisehen Kenaan (Krämer) entspricht.*) 2) Ueber die geographische Lage von Ziklag *) Hr. Rabbiner Dr. Goldfahn verweist bezüglich ל*כנען auf die Note 20 der Raschi-Ausgabe von Dr. Berliner p. 268 und auf Grätz Monatsschrift 1877 S. 462 Anm. 1. u. S. 372—73. (S. auch Güdemann, Geschichte des Erziehungs wesens 1880 p. 115, Note 5. (Red.) sagt schon Dr. H a m b u 1־ g e r in seiner Realencyclopädie: ״Philistäische Stadt, die erst dem Stamme Juda, aber später dem Stamme Simeon zugetheilt wurde. Doch blieb sie in den Händen der Philister bis auf David, der sie von Achis, dem Könige von Gath, geschenkt erhielt. Nach dem Exile wohnten wieder Judäer daselbst“ Dr. Duschak. 3) ״L’Univ. isr.“ macht auf ein sehr interessantes Werk: Essai surla condition des Juifs en Provence au mo« yen äge »per Camille Arnaud mit dem Bemerken aufmerksam, dass es fleissig und gewissenhaft gearbeitet und die Frucht eifriger Studien ist, welche der Verf. in den Archiven des Departements der Rhönemündungen angestellt hat, bei welchen sehr interessante Dokumente zu entdecken ihm gelungen sei. 4) יהודית. Unter diesem Titel erschien eine bebr. Uebersetzung des Tagebuches, welche die unvergessliehe Lady Judith Montefiore während der Palästinareise geführt hat, auf welcher sie (1. November 1838 bis 10. August 1839, an welchem Tage sie wieder in Civitavecchia landeten) ihren Gatten begleitet hatte. Ein reieher Schatz von Wissen und Kunstsinn, gepaart mit mit inniger, herzlicher Frömmigkeit, die sich nicht mit Ideen begnügt, sondern in strengster Befolgung aller religiösen Gesetze zum Ausdruck gelangt, erhebt die schlichten Aufzeichnungen zu einem Charakterbilde, das wir ohne Bedenken das Ideal einer Jüdin nennen dürfen. Unsere Frauen und Mädchen würden, ihr nachahmend, nichts an Anmuth verlieren, wohl aber an sittlichem Werth gewinnen. Michel Angelo, Salvator Rosa, die Kunstschätze Hereulanums bewundert sie mit gleich innigern Verständniss, wie die Psalmen in der Ursprache. Für alles Menschenleid hat sie mildes Herz und offene Hand — ja sie war eine wahre ״J ii d i n“. Hätten die Deutschen Geld, um Bücher, deren Inhalt jüdisch ist, zu kaufen, dann wäre eine deutsche Uebersetzung sehr zu wünschen. Der Einleitung, deren Verthei di gung der Vielseitigkeit Lady Judiths allein für unsere polnischen und orientalischen Glaubensgenossen nöthig sein mag, entnehmen wir die biographischen Notizen, dass Lady Judith eine Tochter des R Josua Levi Cohn in Amsterdam war, 1785 geboren, 1812 verheirathet wurde und am Vorabend des Neujahrsfestes 1862 gestorben ist. Ihre Schwester Anna war die Frau des Baron Nathan von Rothschild. Sir Moses ist im Cheschwan 1784 in Legharan (Italien) geboren, woher seine Familie, die 70 Jahre vorher nach England eingewandert war, stammte und wohin seine Eltern eine Besuchsreise gemacht hatten. — Ein Anhang (S. 235—275) enthält Briefe, die Pflege des Ackerbaues in Palästina betreffend, darauf eine Biographie des Dr. Löwe (—280) und das Schreiben, welches Sir Moses an He1*rn Alfred P. Jones, den Herausgeber des ״Jewish Record“ in Philadelphia gerichtet hat (cfr. Wochenschrift d. J. Nr. 8). Coblenz Dr. Lewin. En gros — tlfiren-JLager — En detail. F. Schlesicky in Frankfurt a. M. Rossmarkt 2, erste Etage empfiehlt zu Hochzeitsgeschenken : [2343 Goldene Herren- und Damen-Remontoir- Uhren, abgezogen u. gut regulirt, mit zweijähriger Garantie von M. 80 an bis M. 1700 per Stück. Ausführung von Monogrammen in Gravirung und Relief. Goldene Herren- und Damen-Ketten von M. 40 an bis M. 250 per Stück; ferner zu Aussteuer-Geschenken und Einrichtungen: Pariser Pendules in Bronce, Marmor- und Cuivre poli von M. 30 an per Stück bis zu Garnituren ä M. 1200. Auswahlsendungen in Uhren u. Ketten stehen zu Diensten, sowie Zusendung von Zeichnungen von Pendules, Candelabres, Vasen etc. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.