Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 21. (19.5.180)
- Date
- 1880-05-19
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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Pomeranz, Dr. M. Ueber Speisen und Getränke der Ursemiten, Eine sprachvergleichende Studie. Breslau 1880. 38 S. 8°. Es ist hinlänglich bekannt, dass das Studium der semitischen Sprachen, so eingehend deren Grammatik und Etymologie auch erforscht wird, noch nicht die erhofften Früchte in Bezug auf Culturgeschichte getragen hat. Allerdings besitzen wir auch bis jetzt noch keine vergleichende Grammatik der semitischen Sprachen, so erwünscht eine solche wäre. Dass eine Culturgeschichte nur auf Etymologie und zwar auf eine strenge Etymologie gegründet werden müsse, bedarf wohl nicht der Erwähnung. Und doch weiss der Eingeweihte, wie trotz der grossen Verwandtschaft der semitischen Sprachen oder vielleicht gerade wegen dieser Verwandtschaft ein Resultat so schwer zu erzielen. Es ist dem Dr. Pomeranz gelungen, nachzuweisen, dass die ersten Bedingungen zum Lebensunterhalte den Semiten bekannt, dass Speise und Trank fast wie heute in ihren Hauptzügen den Semiten zugänglich waren, dass auch hier also ein gewisser conservativer Zug sich zeigt. Besonders mache ich auf vermuthlich nicht an die Stellen Genesis 25, 22 und an die wichtige Stelle in Samuel 1.9,6—20 gedacht. Ebenso scheint die Auffassung, (jass die Tochterstimme nunmehr durch eine zu allen redende Gottesstimme ersetzt sei, insofern schwierig, als doch sicherlich in diesem Sinne die Gottesstimme immer und überall zu Allen sprach, wenn auch natürlich ״Wissenschaft und Kunst, Erfindung und Entdeckung und die in jedem Menschen wirkende Religionsempfindung“ zu verschiedenen Zeiten und Orten gar sehr verschiedene merkwürdige Aeusserungen dieser Gottesstimme aufnahm. Ebensowenig ist es das ״menschliche Denkvermögen“, welches das Bath-Kol beseitigte. Vielmehr, wie Verf. selbst hingewiesen hat, ist es die in ihrer unerschütterlichen Verbindlichkeit allgemein angenommene Gotteslehre und die immer tiefere Er k e n n tniss derselben, welche im Judenthum die subjective Tochterstimme vertritt. Doch ist, wie gesagt, die Programmarbeit eine recht gelungene zu nennen und die Anstalt recht warm zu empfehlen, welche von dem Verfasser so hingebungsvoll und einsichtig geleitet wird. Dr. Krön er. die interessanten Artikel לחם ׳קמח und יין aufmerksam, die eine Fülle neuer Gedanken bergen. Breslau. Dr. M. Grünwald. Rosentock, Dr. Moritz, Bericht der Samsonschule zu Wolfenbüttel für das Schuljahr 1879—1880 u. s. w. Inhalt:!)Heidnische Mantik und israelitische Prophetie; 2) Schulnachrichten. Beides vom Director Notiz. לשון כנען. In Zunz’ Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums Bd. I. p. 329 lesen wir folgendes: ״Als etwas merkwürdiges betrachte ich, sagt Zunz, das לשון כנען (kanaanitisch, phönizisch?), wovon er einige Male (5. Mos. 3, 9, Aboda Sarah f. 28b, 51b): שניר Schnee, קרוקים Käfer, אקדון Waschbecken spricht, und ich weiss nicht, ob man diese Sprache in Asien Der geehrte Verfasser hat schon durch seine frti-?der in Deutschland zu suchen habe “ In der Bauerheren Arbeiten alsein fleissiger, selbstständiger Forscher und klarer Denker sich gezeigt, und diese Programmarbeit bietet in kleinem Rahmen einen streng wissenschaftlich und dabei doch klar und fasslich gehaltenen, in warmer Sprache abgefassten Aufsatz über die Mantik bei den Griechen und Römern und die israelitische Prophetie. Klar zeigt der Verf. die heidnische Wahrsagerei kung zum Worte Deutschland fügt Zunz hinzu: Nämlieh Isaak aus Wien (1240) nennt sein Vaterland כנען (siehe Hagahoth Ascheri zu Tract. Cholin expos. f. 10a). Soweit Zunz. Ich glaube es als bekannt voraussetzen zu dürfen, dass heute unter לשון כנען mit Recht die slavische Sprachenfamilie angesehen wird. Der bekannte Gelehrte Harkavy in Petersburg hat über die in ihrer Täuschung, Sinnlosigkeit, Unredlichkeit und * s!avischen Sprachen in hebräischer Sprache eine Schrift Sittenlotigkeit, sowie in ihrer Lügenhaftigkeit, Herrschsucht und vollsten Entartung, indem er dabei ihren geschichtlichen Entwickelungsgang verfolgt. Um so grossartiger ist dann das Bild, welches er von der israelitischen Prophetie entwirft, wie sie erstens alle die heignischen Trugorakel von sich weist und als die unerschrockene, gottbegeisterte Lehrerin des Volkes eine durch keine staatliehe Gewalt geschützte und gestützte, sondern nicht selten von derselben verfolgte Erziehungsaufga.be verfolgt und die Zukunft voraussagt, wie sie die Folge der wahren Frömmigkeit oder des Abfalls von Gott und seinen Gesetzen also wie sie als Consequenz des menschlichen Handelns selbst auf Gottes Geheiss sich gestalten müsse. Verf. zeigt, wie das Prophetenwort Volk, König und Priester mächtig traf, wie es warnte, geisselte, klagte und tröstete, wie es nicht nur Israel, sondern auch Völker anredete und in seiner Geistesschau nahe und ferne Zukunft erfasste, so dass von ihm die Entwickelung der Messiasidee ausging. Verfasset־ zeigt dabei 4 geschichtliche Epochen in der Prophetie und zeigt auf das Bath-Kol hin, das auch dann verstummt, weil das menschliche Denkvermögen den Sieg davon trug und Gott nunmehr zur ganzen Menschheit spreche. Nicht verschweigen will der Recensent, dass auch manche Irrthümer unterlaufen sind, wie z. B. S. 11 die Behauptung, dass dem Einzelnen für seine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse Rath und Anweisung zu ertheilen, die geheiligte Institution der Gottbefragung (bei den Israeliten) nicht vorhanden war. Verf. hat veröffentlicht und sie daselbst auch לשון כנען genannt. Ich glaube, dass der Grund für diese Bezeichnung ein sehr einleuchtender ist. כנען ist ja bekanntlich, um mit der Bibel zu reden, der עבד עבדים, der Sklave par excellence Lange bis in unsere Zeit hinein aber wurde diese Etymologie der ״slavischen‘־ Sprachen als die ״s k 1 av is c h en“ für richtig angesehen, im Englischen ist heute noch slave Sklave und Slave. Um die richtige Etymologie aber hinzuzufügen, bemerken wir, dass slaviseh soviel als wortreich, volltönend, berühmt und beredt bedeutet; es hängt etymologisch mit slovo (Wort) und släva (Ruhm) zusammen. Zur Bestätigung dessen, dass לשון כנען wirklich die slavische Sprachenfamilie bedeute, dienen, wenn solches noch einer Bestätigung bedürfte, die 3 von Zunz bei Raschi citirten Worte: שניר, das sich 5 Mose 3, 9 findet, ist das böhmische s n i h, das polnische s n i e g, חיפושיתא, wozu Raschi hinzufügt קרוקים, ist kroszim, in der That das polnische Wort für ״Ungeziefer“, und das letzte Wort Abod. Sar. 51b: משכילתא, das mit אקייו wiedergegeben wird, ist das polnische koszun, ״Korb“ mit prosthetischem a. Wenn endlich Isaak aus Wien sein Vaterland כנען nennt, so ist dies ganz mit unserer Erklärung überereinstimmend, da ja bekanntlich noch der lateinische Name für Wien, Vindobona, an die Wenden. einen slavischen Volksstamm, hinlänglich erinnert. Breslau, 8. Mai. Dr. M. Grünwald. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in ßarty. Verlag von Robert Friese in Leipzig■ f i | 1: I I ■ s rt t: I | i i 1 \