Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 17. (21.4.1880)
- Date
- 1880-04-21
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5367336-6488238-9584411--1536-9584415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vom Jahre 1792 die ängstlichste Ueberwachung des Lebenswandels durch ein Sittengericht, das erst stufenweise Aufrücken der Mitglieder zu den höchsten Rechten, die Ermahnung der Strauchelnden und den Ausschluss der Unwürdigen. Die Schilderung der Thätigkeit des Vereins während der letzten fünfzig Jahre beansprucht den Raum bis S. 03, und dann folgt ein Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder und eineUebersichtüber das mildthätigeWirken der Gesellschaft in der letzten 45 Jahren. Die Gesellschaft suchte aber nicht in Wohllhätigkeit ihr Hauptziel, vielmehr in der Errichtung eines würdigen, geläuterten Ansprüchen genügenden Cultus, in der Begründung eines schönen Gotteshauses — die Synagogen ,,zum Tempel“ und ״zum Storche“ sind ihr Werk —, in der Aufklärung und Bildung ihrer Genossen und in der Anregung und Schöpfung zahlreicher Stiftungen und Schulen. Ihre culturbringende Mission hat die Gesellschaft glänzend bethätigt: .,sie hat den schlummernden Gemeinsinn gewec'kt und gepflegt, den besseren Elementen eine Stütze gewährt und die feste Grundlage für die heutige grosse Gemeinde geschaffen.“ G. R. מי אדיר, Trauungsgesang für Solo, gemischten Chor und Orchester (2 Violinen, Viola, Flöte, Klarinette, 2 Hörner, Posaune und Bass) von Ed. Birnbaum, I. Cantor in Königsberg i Pr. Selbstverlag. Bei den vielen in der neuesten Zeit erschienenen Tonschöpfungen für die Synagoge oder für synagogale Casualien hat es neben vielen gediegenen, brauchbaren Composiiionen selbstverständlich auch genug Spreu gegeben Mancher, dem eine Melodie durch den Kopf gegangen, hat sich niedergesetzt, sie aufgeschrieben und — fertig war das Opus. Aber zum Componiren gehört noch etwas anderes, als Melodien aufschreiben. Ebenso wenig wie alles Gedichtete Poesie ist, ebenso ist nicht alles Componirte Musik. Es freut mich, das vorliegende Werk, das einen nicht talentlosen Autor verräth, besprechen zu können, weil es über dem Niveau des Gewöhnlichen steht. Wenn der Kampf um die Berechtiüueg der Orgel beim Gottesdienste in der Synagoge geherrscht hat oder noch herrscht und sich allmählich zu Gunsten dieses Instrumentes entscheidet, so sind mir doch dissentierende Meinungen über die Zulassung der Instrumente bei einer Trauungsfeierlichkeit nicht bekannt geworden. Herr E. Birnbaum hat nun mit Sachkenntniss eine sehr schöne, ansprechende Composition zur Trauungsteier geschaffen. Das melodische und harmonische Element ist recht schätzenswerth. Nicht nur mit der homophonen, sondern auch mit der polyphonen Setzweise weiss er urq: zugehen. Das Orchester leitet ein, die Führung der Melodie hat die Violine übernommen, der sich nach einigen Takten die Flöte anschliesst. Im 17. Takt tritt das Solo — für Bariton geschrieben — mit seiner Melodie ein, die gle ch darauf von der Violine I aufgenommen und von der Klarinette inB. fortgesetzt wird, bis dieselbe Melodie vom ganzen Chor mit vollem Orehester wiederholt wird. Das erste Thema des Orchesters tritt wieder ein zu den Worten des Solisten: j’worech chosson w’challoh“, worauf auch der Chor seine Melodie noch einmal wiederholt. Mit einem vollakkordigen ״Amen“ schliesst das Ganze. — Das Vokale sowohl als Instrumentale ist durchaus wirkungsvoll. Der Componist hat non multa, sed mul tum uns geboten. Möchte er nur fortfahren, noch manches seiner Erzeugnisse zu veröffentlichen. Hierbei aber will ich ihm rathen, auch sein Augenmerk etwas mehr auf den Text zu richten, genau aufMil’el und Milra des Wortes, auf betonte und tonlose Silben zu achten. Die Wörter גדול׳ ברוך׳ אדיר sind Milra, demnach wären sie auch zu betonen gewesen, und auf das erste Viertel im 3/4 Takt käme die zweite Silbe. Im Hebräischen ruht ja bei den meisten Wörtern der Ton auf der letzten, weniger auf der vorletzten Silbe. Der hebräische Text ist schon das Kreuz so mancher Synagogenkomponisten gewesen, und manches Werth volle hat deshalb die Aufführungsfähigkeit vorloren. — Die äussere Ausstattung des Werkes lässt, wie Alles, was bei Breitkopf & Härtel in Leipzig hervorgeht, nichts zu wünschen übrig Es sei dieses Werk allen gemischten Chören hiermit bestens empfohlen. Essen. Siegfried Graf, Lehrer u. Cantor. Was finde ich vor und was bringeich mit? Antritts-Rede, gehalten in der Klaus-Synagoge am 6. März 1890 von M. Hirsch, Oberrabbiner in Prag. Verlag von Samuel W. Pascheies. 16 S. Der Amtsnachfolger des unsterblichen Rappaporfc rühmt sich ein Schüler seines grossen Vorgängers zu sein und verheisstim Geiste und in den Wegen desselben zu wandeln und zu handeln. Frankel’s Programm ist’s, das der Oberrabbiner von Prag als das Seinige verkündet, ״auf dass Glauben und Wissen eine friedliche Gemeinschaft entfalten sollen in unserem Kreise, auf dass Glauben und Wissen im Bunde eine immer höhere Vervollkommnung der Söhne Israels herbeiführen mögen.“ Den leitenden Faden bildet Jesaias 08, 11. 12^ (Das Bild des getränkten Gartens, dessen Wasserquells, u. des Erbauers der Trümmer.) Die hohe Stellung der Prager Gemeinde in Vergangenheit und Gegenwart — (״es ist verdienstlich, in die Vergangenheit zurückzuschauen, ihre Arbeit zu würdigen, aufzurichten die Trüm- , mer der Vorwelt und sie neu zu gestalten. Aber nicht minder verdienstlich ist es, an den Arbeiten der Gegenwart sich zu betheiligen, den Bedürfnissen der Jetztzeit das Augenmerk zuzuwenden, um auf einem festen Grunde für die Zukunft zu bauen“) — schildert der Redner, wie sie voll ist von bedeutenden Männern auf allen Gebieten, und wie sie den Frieden sich gewahrt inmitten der feindlichen Lager — (״Zur Rechten die Aengstlichen und Zaghaften, die eingesponnen in alte Meinungen und Gewohnheiten, jeden Lufthauch frischen Lebens und Denkens für verderbenbringend halfen; zur Linken die Kühnen und Uebermüthigen, dia nur vorwärts stürmen und rennen und nicht zurückschauen in die Vergangenheit“ u. s. w.) —, dass der Friedeu erhalten worden durch die Mannigfaltigkeit der Culteinrichtungen in den verschiedenen Synagogen, wobei der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, dass nicht der IndifFerentistnus die Basis dieses Friedens sei. Er will Thora lehren, sie vertiefend und ausbreitend in Frieden, um die Einheit der Gemeinde zu erhalten. Möge es dem ehrwürdigen Redner gelingen, seine Worte in Thaten umzusetzen in gesegneter Amtsthätigkeit. Coblenz. Dr, Lew in. Durch alle Postanstalten (Postzeitungsliste No. 91) sowie durch die Buchhandlungen zu beziehen: Allgemeine Zeitig des" Ton DR. l. philippson. Preis vierteljährlich 8 M. Das hervorragendste jüdische Wochenblatt und nur in den feinston israelitisehen Kreisen gehalten. Sehr gesuchtes Insertionsorgan. (Per Petitzeile 20 Pf.! Inserat-Auf träge durch R. Mosse, Leipzig.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahiner in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barty. Verlag von Robert Fries« in Leipzig. ^48402