Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 9 (1880)
- Issue
- No. 17. (21.4.1880)
- Date
- 1880-04-21
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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]Io. 17. Das Jaltrg> IX. Jüdische Literaturblatt r Znr Beleuchtung aller Jnden* thnm und Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, 31. -April 1H8Ö. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaction zngesandt werden, finden in diesemBlatte eingeh. Besprechung. BeiEinsendung von zwei Eecensionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wochenschr. Das ״Jütllselte IAteraturblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen*, Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang :8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״.Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 15 Mark berechnet. Die Expedition der ״Israelitische,ו Wochenschrift.“ Inhalt: W iss en sch aftli che A u fs ätze: Das Erziehungs- und Unterrichtswesen bei den deutschen und französischen Jaden während des Mittelalters. — Jüdische Einflüsse auf einen kaukasischen Volksstamm. Literaturbericht: Recensionen: Brann, Dr. M. Geschichte der Gesellschaft der Brüder in Breslau. — ימי אדיר Trauungsgesang für Solo etc. von Fd. Birnbaum. — Was finde ich vor und was bringe ich mit? Antrittsrede gehalten von M. Hirsch. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Das Erziehungs- und Unterriclitswesen bei den deutschen und französischen Juden w ä hrend des Mittelalters. Wir haben in Nr. 13 einen Artikel: »Die Erziehung im Judenthum“ gebracht, der besonders die b i blis c h e Zeit in’s Auge fasste. Wir lassen hier nunmehr aus dem soeben erschienenen inhaltsreichen nnd sehr interessanten Buche des Hrn. Rabbiner Dr. Güdemann*) einige Auszüge über jiid. Erziehungs- und Unterrichtswesen während des 10.—13. Jahrhunderts folgen, die nicht allein die vielen dem Lehrerstande angehörenden Leser unseres Blattes interessiren dürften, sondern auch den Cultur- und Literarhistoriker viel Neues bieten; denn der gelehrte Verf. hat es verstanden, neben einer sorgfältigen Zeichnung der culturellen und socialen Zustände der Juden im Mittelalter auch eine Menge literarischen Materials aus bisher meist unbekannten Quellen vortrefflich in den dargebotenen Culturbildern zu verarbeiten.**) — Nachdem er in dem ersten Capitel eine ausführliche Darstellung der wissenschaftlichen, religiösen, gesellschaftlichen und geschäftliehen Verhältnisse während des 11. und 12. Jahrh.’s gegeben, geht er zum Schluss desselben (S. 50—61) daran, das Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswesen im eigentlichen Sinne, ״für welches jene Verhältnisse den Rahmen oder den Hintergrund bilden“, zu besprechen. Er schreibt: Da diese Zeit überhaupt kein selbstständiges Schriftthum aufzuweiseu hat, so fehlt auch ein solches über den Jugendunterrieht, und es scheint, dass man, weil man ihn thatsächlich zu eifrig pflegte, keine Zeit fand, über ihn za schreiben. Selbst *) Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Frankreich und Deutschland im X.—XIV. Jahrhundert. Wien. Alfred Holder. 1880. **) In den zahlreichen Anmerkungen und angehängten Noten findet auch der sprachvergleichende Philologe viel des Interessanten. Testamente, Ermahnungsschreiben und dergleichen Fa' miliendocumente, die in der spanischen Literatur dieser Zeit mehrfach angetroffen werden und die oft sehr eingehend über alles mit dem Unterrichte Zusammenhängende sich verbreiten, werden hier gänzlich vermisst. So sind wir, mit Ausnahme einer einzigen etwas eingehenderen Darstellung über unseren Gegenstand, die jedoch auch nur ein gelegentliches Einschiebsel in einem hebräischen Sammelwerke bildet, auf versprengte Notizen angewiesen, die wir in Folgendem zn einem zusammenhängendem Bilde zu formen versuchen wollen. Die erste Pflege des Kindes richtete sich, wie natürlich, nach Landes Art und Brauch. Man wickelte das Kind,1) und wenn seine Glieder erstarkt waren, lernte es in einer Art Rol 1 wägeichen 2) gehen. Da der Mittelpunkt des jüdischen Lebens die ״Thora* war, so begann man frühzeitig, den Knaben damit bekannt zu machen. Schulen gab es in allen Gemeinden; dieselben wurden entweder aus dem Gemeindebudget oder von eigens dem Zwecke des Thoraunterrichtes (Talmud-Thora) gewidmeten Genossenschaften, wie es deren auch für andere Zwecke gab,3) erhalten. Daneben bestanden auch Privatschulen und hielt man Privatlehrer. Mit einer besonderen Feierlichkeit,4) die dem Kinde die Heiligkeit des Actes zum Bewusstsein bringen und für das Leben in Erinnerung erhalten sollte, wurde es am Wochenfeste, als dem Feste der Gesetzgebung, den! Unterrichte überwiesen. Man führte den rein gewaschenen und gekleideten Knaben mit Morgenanbruch in das Gotteshaus vor die Thora, während daraus die für dieses Fest bestimmte Perikope IL B. M. 19, 16 ff. (der Dekalog) vorgelesen wurde.5) Sodann ‘) Raschi Sabb. 66b אנמלטוייר enmailloter. ג) Toss das. 66a, 3) In Perpignan bestanden nach Ran GA. Nr. 84 fünf חבורות» mit Namen: ת״ת ,בקור חולים ימאור ,צדקה ,קברים. 4) Die folgende Beschreibung gebe ich nach dem handschriftliehen Sammelwerke 382 §"□׳ האסופות (im Besitze des Herrn Halberstamm und von demselbsn mir freundlichst geliehen), und zwar vollständiger, als sie bei Zunz z. Gesell. S. 168 auf Grund einer brieflichen Mittheilung Luzzato’s an denselben gegeben ist. Auch der von Luzzato in Pollak’s Halich. Ked. S. 62 ff mitgetheilte Text ist nicht vollständig. Die Darstellung ergänzt Machs. Vitry §. 503 (von Luzzato ebenfalls das. mitgetheilt). Da das 0' האסופות in der Rheingegend verfasst ist, deren religiöse Praxis sich meist der in Frankreich herrschenden anschloss (GA. Meir Rothenh. ed. Rabbinovicz Nr 1931, so kann dasselbe auch in Betreff des in Sachen des Unterrichts in Frankreich Ueblichen als Quelle betrachtet werden. Uebrigens sind hier die Grenzen zwischen den Sitten in Fiankreich und Deutschland, zumal dem westlichen, nicht so scharf zn ziehen. s) so fasse ich die steile מוליכין הנערים לבית הכנסת לספר בהיות הבקר ויהי קולות ובו׳, wahrend Luzzato emendirt לספר (כדכתיב ויהי ביום השלישי) בהיות הבקר וכי- Die