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Das jüdische Literaturblatt · 1880-04-07 · No. 14 u. 15. (7.4.1880) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 14 u. 15. (7.4.1880)
Date
1880-04-07
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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59 — Notizen. 1) Zur Geschichte des מנן דוד. Tn der Voraussicht, dass mehrseitige Notizen zur endlichen Auffindung der Spur dieses Symbols führen kann, möchte auch ich mein Scherllein beitragen. In erster Reihe war jede Bezielnmg zum königlichen Hause Davids begreiflicher Weise eine sehr gesuchte, und die Erinnerung an dasselbe eine fromme. So trug das Siegel R. Hai Gaon einen Löwen, was nach Angabe des דא״בד im Sefer Hakabala auf seine Abstammung von David hindeuten sollte. Thatsächlich wurde die Rüstung Davids für ewige Zeiten in dem Tempel niedergelegt, darunter gewiss auch sein Schild (II. Kön. 11, lOj. Dies vielleicht der Grund, dass diese Reliquie für Jahrhunderte landläufig geworden und sich bis zur Stunde in Erinnerung erhalten hat. Was die Eigur betrifft, gab es sechseckige (Alfenfuss) und fünfeckige Formen; letztere sind die wahrscheinlich richtigen, da muthmasslich die obere Spitze des Schildes den Kopf, die beiden oberen rechts und links die beiden Arme, die untern beiden die untern Extremitäten schützen sollten; auch mochten die 5 Ecken zur Erinnerung an die 5 Steine, womit David den Goliat besiegte (I. Sam. 17, 40), gedient haben. Die sechseckige Form'tindet sich auf älteren, in Mysien geprägten Münzen (s. Wellenheim 5040), und besitzt Schreiber dieses einige Exemplare solcher Kupfermünzen von Marocco vom Jahre 1266 der Hegira, worauf die 6eckige Form die ganze Fläche der Aversseite einnimmt. Nebukadnezar führte alle Tempelschätze fort nach Babel (II. Kon. 24,13) unter ihnen befand sich zweifelsohne auch das sensationelle Schild Davids. Im 5. Jahrhundert v. d. g. Z. eben zur Zeit, da die pythagoreische Schule florirte, gelangte diese Schildesform zur weiteren allgemeinen Verbreitung, mit dem Unterschiede jedoch, dass sie im Heidenthum zur Mystik geworden — etwa gegenüber den 5 Planeten des Pythagoras — während das Judenthum sie als nationale Reliquie aufnahm. Gr.-Kanizsa. L ö wy. Wir erhielten noch viele Erklärungsversuche über מ״ד — die kabbalistischen und mystischen Deutungen lassen wir bei Seite, ebenso allerhand auf Spielereien beruhende; dagegen dürfte die Bemerkung des Herrn Prediger Cohn in Reichenbach erwähnenswerth sein, dass dem Midrasch bereits die dreieckige Form des Schildes bekannt war (cfr. Jalkut zu Ps. 84 s. f.): ד״א מגן זה התריס .אשקוטה(, פרפא׳ שמקיף את האדם ר ) משלשה רוחותיו♦ scutum Schild. Red.) Wir selbst hatten vor Jahren die Ansicht ausgesprochen, dass die Bezeichnung דוד einfach aus der doppelten Triangelform entstanden; die Drucker mochten, um dieselbe mit hebr. Buchstaben wiederzugeben, zwei ד und ein verbindendes ו gesetzt haben. Es ist ja bekannt, wie verunstaltet die mathemat. Figuren in den talmudischen Commentatoren erscheinen. Aehnliches tlieilt uns nun auch Hr. Rabb. und Religionslehrer Salomon Kohn in Budapest*) mit, und wie wir erfahren, soll auch Hr. Rabb. Lewy in seinem ״Bikkoreth Hatalmud“ unter vielen anderen Erklärungen auch eine derartige Vermuthung aussprechen. *) Derselbe meint auch, dass in der Pessach-Hagada (Antwort 4«* חכם) vor אין מפטירין א"פ אפיקומן da• Wörtchen עד ausgefallen sei; es ist dies bekanntlich die letzte Mischna Pessachim. (Dann musste es aber vielleicht auch statt כהלכות הפסח heissen: יכל הלכות וה עד אין מפטירין וכך׳ oder wie in der Mechiita בא s. f. פתח לו בהלכות• — Dass unter את עצמו (in der Antwort an den לשע) a״ die göttliche Wesenheit zu denken sei, wie Gittin 56b in der Erzählung von Titus (cl'r. Raschi z. St.), leuchtet weniger ein. Red. — (Als nachträgliches Purim- Wörtchen sei noch mitgetheilt: ,מנין ,TYUVT p (Istoczy) אישתצי שכן מתרגמינץ הכרת תכרת אישתצי ישתצי.) 2) Widerlegung.*) Wie leicht und oberflächlich Hr. Dr. Morgenstern in seinen unrühmlichen Artikeln (Sonntagsbeilage der Voss, Zeit.) ״über das Justizwesen bei den alten Hebräern“ zu Werke gegangen, davon sei hier eine kleine Probe gegeben. In dem Schlussartikel (Nr. 49 des gen. Bl.) redet er von der Straf- Vollstreckung mit Beziehung auf die Todesart. Bei dieser Gelegenheit spricht er auch die Behauptung aus, dass die Todesstrafe des ״Hängens“ den alten Hebräern nicht bekannt war, er sagt: ״Im ganzen alten Testament wird nirgends das ״Hängen“ als Todesstrafe erwähnt, nur im Deuteronomium, das einer viel späteren Abfassungs״ zeit angehört u. s. w.“ Diese Behauptung des Hrn. M. ist unrichtig, denn im 1. B. Mos. 40, 22 heisst es klar und deutlich: ״und den Oberbäcker hängte man.“ Wollte der Verf. hiergegen einwenden, dass er nur von den Todesstrafen bei den alten Hebräern geredet habe, nicht aber von denen bei den anderen Völkern, so bliebe erstens jedenfalls der Wortlautseiner Behauptung fälsch, da wir nachgewiesen, dass die Todesstrafe des Hängens im A. T. vorkomme, sodann aber zählt er alle alten Völker her, denen die Todesstrafe des Hängens bekannt war, aber gerade die Aegypter führt er nicht mit auf. Wenn aber, wie nachgewiesen, die Todesstrafe des ״Hängens“ von den Aegyptern angewendet wurde, warum sollte sie den alten Hebräern, die so lange unter ihnen lebten, nicht bekannt geworden sein? Ferner, um zu beweisen, dass, wo bei den Hebräern das Hängen vorkommt, es nicht an Lebenden geschah, sondern an todten Körpern, die schon gesteinigt waren, vollzogen wurde, stützt sich Hr. M. auf Josua 10, 26, hat aber übersehen, dass es in demselben Buche 8, 22—30 heisst: ״den König von Aj ergriffen sie lebendig und brachten ihn zu Josua.und den König von Aj hängte man an einen Baum.“—Es liessen sich noch viele Irrthümer, z B. dass der Verf. Jonathan Eibeschütz, der zu der Zeit, von der er spricht, längst in Hamburg etc. Rabbiner war, noch in Prag wohnen lässt, in jenen Aufsätzen nachweisen, doch der Leser hat wohl an dieser kleinen Probe von der Wissenschaftlichkeit des Herrn M. genug. Magdeburg. Nathanson. 3) Herr O. Maeearthy stellt in der 11. Section des Programms für die Verhandlungen der franz. Gesellschaff für den Fortschritt der Wissenschaften, welche 1881 in Algier stattfinden sollen, folgende Punkte auf: a) Jüdische Stämme: Mehrere arabische Schrifsteller und lokale Traditionen weisen auf das Bestehen jüd. Stämme, welche Muselmänner geworden sind, im Norden Africa’s hin. Wir meinen, dass es von Interesse sein wird, möglichst alles darüber Vorhandene zusammenzustellen. b) Der englische Reisende Davidson hat 1836 im Maroccanischen Atlas mehrere Orte, die ausschliesslich von jüd. Ackerbauern bevölkert waren, getroffen. Diese hatten keine Ahnung vom Verhandensein mehrerer der letzten Bücher der Bibel. (Vgl. sein: African Journal.) c) Auswanderer aus C a n a an. Man kennt die Stelle aus dem Vandalenkriege des Procopius, wo er von zwei bei Tigisis errichteten Säulen spricht, auf welchen in phönizischen Schriftzeichen stand: ״Wir sind die vor dem Diebe Jesu, Sohn des Nave, Geflohenen.“ Tigisis war eine kleine numidisclie Stadt auf der Strasse von Sigus nach Gazanfala (K’sar Hahi). Was ist aus diesen Emigranten geworden? Sind noch Reste von ihnen im östlichen Algier vorhanden? *) Die Redaction der ״Voss. Zeit.“ hat, durch die vielen Verdriesslichkeiten, welche die Aufsätze des Hrn. Dr. M. hervorgerufen, verstimmt, die Aufnahme dieses Aufsatzes verweigert. (Wir haben der längeren ״Replik“ nur obige ״kleine Probe“ entnommen, weil eine Widerlegung aller Irrthümer des Hrn. M. in jenen schmählichen Artikeln — so will er unter Anderem das von reinhebr. Wurzel gebildete Wort ״ מסיתder Verführer“ mit ״M e s s i a 9“ in Ver• bindung bringen!! — den Raum mehrerer Nrn. uns. Bl. in Anspruch nehmen würde, den wir wirklich besser verwenden können. Red.)

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