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Das jüdische Literaturblatt · 1880-03-17 · No. 12. (17.3.1880) · p. Seite 48

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
9 (1880)
Issue
No. 12. (17.3.1880)
Date
1880-03-17
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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— 48 — man aber von den Sängern und Schriftstellern desselben, an wen könnte man eher und mit mehr Recht denken, als an Leopold Kompert und an Ludw. Aug. Frankl? Auch andere Maler haben — und selbst mit Glück und Liebe — jüdische Stoffe bearbeitet, auch andere Dichter und Schriftsteller Israel gefeiert und besungen, aber Niemand unter den Lebenden mit solcher Hingabe, Innigkeit und Liebe. Deshalb auch giebt es keine Namen, die an Popularität bei ihrem Volke sich ihnen an die Seite setzen könnten. Soweit die gebildete jüdische Familie des Erdenrundes reicht, so weit auch kennt man die unvergleichlich poetischen Bilder aus dem jüdischen Familienleben von Bendemann und Oppenheim, kennt man Kornpert’s Judengeschichten, Frankl’s ״Nach Jerusalem“ und viele seiner dem jüdischen Leben entlehnten Gedichte. Aber auch nach Aussen hin hat es ihrem Ruhm und ihrer Popularität keinen Abbruch gethan. Die Bilder Oppenheims haben stets die Runde durch alle unsere besseren Journale gemacht und entzücken nicht blos jüd. Herzen, die Dichtungen Kompert’s und Frankl’s erfreuen sich des Beifalls weit über jüd. Kreise hinaus. Wer wollte es daher nicht freudigst begrüssen, wenn zur Feier des 70 Geburtstags Frankl’s (am 3. Fetruar d. J.) die rühmlich bekannte Verlagshandlung von A. Hartleben in Wien Veranlassung nahm, eine (erste) Gesamrntausgabe seiner poetischen Werke zu veranstalten, die in untadelhaftester Ausstattung uns jetzt vorliegt. Die Eintheilung darin ist so getroffen, dass der erste Band Frankl’s Lyrik, der zweite und dritte seine epischen Dichtungen enthält. Dassspeciell der Leserkreis dieses Blattes manchen alten lieben Bekannten wiederfindet, dem er bereits in jüdischen Zeitschriften und Anthologien begegnet, wird ihm dieselben nur noch anziehender machen. Uebrigens haben auch viele bislang unveröffentlichte Arbeiten, so namentlich ein grö-. sserer Sonettenkranz darin Aufnahme gefunden. (Weshalb manche andere poetische Arbeiten, z. B. das ergreifend j schöne Gedicht »Auf Hebbels Tod“ nicht mitaufget nommen sind, ist uns nicht erfindlich gewesen.) ן ־ Auf den Werth und Inhalt der Fränkischen Muse , hier ausführlicher einzugehen, ist um so weniger nöthig, j als dieselben bereits gewissermassen geschichtlich festj stehen und in jeder Literaturgeschichte, in jedem Con- ] versationslexicon* *) etc. leicht einzusehen sind. Darin j stimmen sie aber alle überein, dass wir es in Frankl j mit einem der herzgewinnendsten, liebenswürdigsten Poeten des heutigen Oesterreich zu thun haben, der sein 0 esterreich liebt, s e i n em, d e m j ü d i s c h e n Volke j mit Herzinnigkeit zugethan ist und dennoch ganz wie seine landsmännischen Freunde und Mitstreiter in Apollo, Anastasius Grün, Moritz Hartmann u. A., in seinem Dichten und Trachten echt deutsch denkt und fühlt. Dass bei der grossen Menge des Gebotenen auch manches von secundärem Werth mit eingereiht ist und hin und wieder bedenkliche Sprachbildungen, z. tf. »Lebensmühling“ I. 26, ״Schulenhaus’1־ I. 47, ״aufhorchsam“ S. 80, »Gewichter“ S. 177, ״das Weh der Menschli chkeit“ S. 181 nicht ausgemerzt sind, und dass ״Turbiren“, ״Sphären“ etc. in einem ״Kinderlied“ sich immerhin etwas fremdländisch und ״unkindlich“ ausnehmen, mag, um nicht der von Herrn v. Treitschke entdeckten jüdischen Lobesversicherungs-Assecuranz auf *) Der Literarhistoriker Heinrich Kurz sagt von Frankl: ״Seine epischen Dichtungen gehören zu den erfreulichsten Erscheinungen auf diesem Gebiet, sein ״Habsburger Lied“ erwarb ihm verdiente Anerkennung, in den ״Sagen ans dem Morgenlande“ bekundet er sowohl durch die Wahl der Stoffe als durch ihre Behändlung, echt poetischen Sinn und geläuterten Geschmack“, ״sein grösseres Werk ״Christophoro Colunoo“ (das ihm ein Diplom der Stadt Genua eintrug) legt von der gestaltenden Kraft und der fruchtbaren Phantasie des Dichters ein glänzendes Zeugniss ab etc, etc.“ Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er in Magdeburg. Druck v! Gegenseitigkeit beigezählt zu werden, im Vorbeigehen noch Erwähnung finden. Indess auch diese s. g. leichte Waare gleicht immer noch, um ein liebenswürdiges Bild eines anderen österreichischen Dichters zu gebrau״ chen, wenn auch nicht dem Meere, so doch dem Bach aus heiterer Quelle, der, ist er auch nicht tief, so ist er doch klar und es spiegeln sich die gemüthliche Bläue des Himmels und die am Ufer blühenden Bliimleiu in ihm ab. Max Weinberg. Schriften für die Juden. (Fortsetzung.) 9) Offener Brief eines polnischen Juden an den Redacteur Herrn Heinrich v. Treitschke von Moses Aron Nadyr, Rabbiner. K.14 Dezember 1879. Löbau, Verlag v. R. Skrzeczek. 28 S. gr. 8. (60 Pf.) Alles, was sich in populärer Weise gegen die An» griffe Treitschke’s sagen lässt, hat der Verf. geschickt zusammengestellt. Besonders gut gehalten ist der Vergleich der jetzigen Judenhetze mit der von 1819 und die, freilich verschleierte Gegenüberstellung von Menzel (Treitschke) und Boerne (Lasker). Kräftig und würdig ist das Eintreten für Graetz und evident der Nachweis> dass Treitschke Graetz ebenso sorglos gelesen und oberflächlich citirt, wie den — Tacitus. Dabei aber hätten wir gewünscht, dass der Herr Verf. sich weniger seines Vorrechtes als Ausländer bedient hätte,-,dass er correcter geschrieben und salonfähiger dem ״Redakteur“ Treitschke, der doch immerhin, daneben Professor und Historiker ist, gegenübergetreten J wäre. Die Druck-(oder Schreib-?) fehler sind so zahl- | reich und grell, dass die Wirkung des Briefes wesenti lieh durch sie beeinträchtigt wird. Das Zeugniss, welches auch jüdische Zeitungen Russlands uns ausgestellt j haben, bekräftigt der Verf.: ״wir ausländischen Juden finden, dass unsere deutschen Glaubensgenossen schon viel zu viel germanisirt sind.“ Alles in Allem genommen, dürfte die Schrift in bürgerlichen Kreisen, denen Lazarus und Bambergen zu schwere Kost sind, recht wirksam werden — in jüdischen ebenso wie im christlichen. Dr. Lewin. Notizen. Zu יוסי את יוסי• Zu den vielen Erklärungen des Wortes י*סי möchte ich an die von Rabb. Dr. II. Hirschfeld im Kobak’schen ״Jeschurun“ vor Jahren mitgetheilte erinnern. Das Tetragrammaton, das nicht ausgesprochen werden durfte, bedeutet היה הוה ויהיה, das ewige durch alle Zeiten dauernde ״Dasein“. Es musste also, um von den Richtern von den Zeugen bekundet zu werden, in der landesüblichen oder allgemein verständlichenSprache, die den eigentlichen Inhalt und die Bedeutung des Wortes wiede rgiebt, bezeichnet und ausgesprochen wer» den. Das ״Sein“ Gottes musste benannt werden und wurde mit 0יכל׳>< ausgedrückt, entsprechend der Bedeutung des Tetragrammaton.*) H. *) Dass nicht אופי gebraucht wurde, liegt daran, dass אן dem. 0 entsprach; so hiess ״ — אוםdie Oeffnung, der Mund, die Wurzel“ (cfr. Aruch s. h. v.) Es kommt aber oft vor, dass ■ין für uo verwendet wird, wie ליוטר ׳ךיןעי und הלמל, für m in דיוקן und י,יך und auch für ou, wie ביולא und קירן. Es ist aber auch möglich, das erste Jud für den Spiritu3 im Griechischen anzuneh• men, und es wäre dann ousioc essentia ׳היות BriefKaaten der Redaetion. Es sind uns noch mehrere Erklärungen über das טגן דוד zugegangen, die wir in nächster Nr. zusammenstellen wollen. — Hr. Rabb. Dr. R. in F., S. in W. und M. A. in D. Ebenfalls! in nächster Nr. 1 H. Horbach in Barly. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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